Zwischendurch…

… habe ich mal wieder meine E-Mails bearbeitet, denn meine Office Managerin Trudi Träumlich hat gerade ihren sechsmonatigen Sonderurlaub angetreten, also musste ich selbst ran. Zuerst wollte ich den ganzen Quatsch einfach löschen, aber dann unterstellte mir eine Kollegin, dass ich über “Sozialkompetenz” verfügen würde, und so ging ich in mich (nachdem ich ergoogelt hatte, was es mit dieser ominösen Sozialkompetenz auf sich hat) und beantwortete zumindest zwei Hilfesuchenden ihre Mails. Aber seht selbst:

von: Superniebel@bmz.de
an: Weltherrscherin@worlddomination.com

Betreff: Teppichaffäre

Sehr geehrte Weltherrscherin,

Sie haben sicher mein kleines Problem mit dem Import des Teppichs mitbekommen. Nun frage ich Sie: Sind die alle verrückt geworden? Wie kann man denn von mir erwarten, dass ich mich mit Importen, Verzollen und so von Waren aus armen Ländern auskenne? Ich bin der … Moment mal eben, ich muss mal kurz bei Wikipedia gucken, wie die genaue Bezeichnung heißt… ah ja. Dirk Niebel, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, das bin ja ich. Könnten Sie evtl. per Dekret verbieten, dass dieses Teppichthema erwähnt werden darf? Ich habe so viele wichtige Arbeit zu erledigen. Unter anderem versuche ich, alle Posten hier in meinem Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und … äh … Moment ich muss noch mal eben bei Wiki gucken, wie die komplette Bezeichnung heißt, ach Sie wissen schon.

Jedenfalls habe ich das Ziel, hier alle wichtigen Posten mit FDP-Mitgliedern zu besetzen. Wissen Sie eigentlich, wie schwierig das ist? Mir gehen langsam die FDP-Mitglieder aus! Sie haben nicht zufällig Lust, in unsere tolle Partei einzutreten? Sie würden sofort einen Job hier bekommen. Als… Wie heißt das noch mal? Irgendwas mit Staatssekretär? Auf jeden Fall wichtig und gut bezahlt. Obwohl man in der freien Wirtschaft mehr bekommt, aber da als FDP-Mitglied einen Posten zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Dabei reißen wir uns den A… ich meine, wir bemühen uns für diese Klientel, dass mir der Schweiß vom mit dem schneidigen Militärkäppi bedeckten Haupt fließt, da könnte man uns doch mal so einen Vorstandsposten bei Daimler anbieten oder etwa nicht?

Gucken Sie mal! Mein Slogan für den nächsten Wahlkampf! Habe ich selbst mit Paint gebastelt! Wie finden Sie es?

Diese tolle Schriftart habe ich auf meinem Computer entdeckt. Heißt … ach wissen Sie was? Das verrate ich Ihnen, wenn Sie mir helfen. Ein kleiner Aufruf von Ihnen, und die Teppichgeschichte ist Geschichte. Kleines Wortspiel, haha!

Herzliche Grüße

Ihr Dirk Niebel
Minister für entwickelnde Zusammenarbeit und … äh. Sie wissen schon.

Arrrgh! Ein Härtefall!

Meine Antwort:

von: Weltherrscherin@worlddomination.com
an: Superniebel@bmz.de

Re: Teppichaffäre

Herr Niebel,

wissen Sie eigentlich, was Pratchett über Leute, die verschwenderisch mit Ausrufezeichen um sich werfen, sagt? Dass sie auf einen kranken Geist schließen lassen. Aber zurück zum Fall. Ihre Idee, Wahlkampfplakate in Paint unter Einsatz von Comic Sans zu gestalten, ist richtig schnuckelig. Vor allem in der Webgemeinde werden Sie damit auf wahnsinnig viel Gegenliebe stoßen. Ihr altes Wahlkampfplakat fand ich aber auch recht nett, ich musste es nur wenig optimieren, schauen Sie mal:

Man beachte die Ergänzungen in rot. Aber wo ist Ihr Militärmützchen?

Wenden wir uns nun Ihrem Problem zu. Ich habe die Lösung. Sie wird Ihnen einen Popularitätsschub ohnegleichen bescheren. Danach können Sie quasi nach der Weltherrschaft greifen. Aber Sie müssen sich exakt an meine Anweisungen halten!

Sie rollen sich nackt in Ihren neuen Teppich ein. (Ja, ja, Ihr Mützchen dürfen Sie aufbehalten, ist ja gut.) Dann lassen Sie sich in die Münchner Allianz Arena schmuggeln, es ist aber unbedingt nötig, dass der FC Bayern München dort gerade spielt. Gegen wen ist egal, aber Schweinsteiger und Robben sollten auf dem Platz stehen. Wenn Sie auf dem Platz sind und das ganze Gejohle und so weiter hören, und Schluchzen von Robben, weil Ribéry ihn wieder “kleiner Dummkopf” nennt, dann ist Ihre Minute gekommen! Sie rollen sich aus dem Teppich! Vertrauen Sie mir, das läuft! So hatte schon Kleopatra bei Cäsar Erfolg, und Sie werden ja wohl Jahrtausende alte ägyptische Weisheit nicht anzweifeln?  (Kleopatra, nicht Klopapier, Du dämliche Rechtschreibprüfung! Nein, ich meinte nicht Sie, Herr Niebel, obwohl das Adjektiv “dämlich” auch bei Ihnen durchaus passend ist.)

Den Rest überlassen Sie einfach mir. Vertrauen Sie mir. Alles wird flauschig.

Mit eher nicht so freundlichen Grüßen

Fellmonster

So, das war Step 1. Jetzt noch schnell eine weitere Mail schreiben.

von: Weltherrscherin@worlddomination.com
an: Den_kleinen_Robben_bitte_nicht_ausschimpfen@sepplhosen.de; Schweini_hat_schnelle_Beini@sepplhosen.de

Betreff: Eine kleine Bitte

Hallo Jungs,

ich benötige demnächst Eure traumhafte Treffsicherheit. Irgendwann bei einem Eurer Heimspiele wird sich ein nackter Typ mit Militärkäppi aus einem Teppich rollen. Das ist nicht Kleopatra, sondern ein böser Flitzer, der den Fußball kaputtmachen will! Den müsst Ihr treffen! In Pfostentreffen seid Ihr schließlich geübt, also werdet Ihr diesen Vollpfosten ja wohl erst recht erwischen. Ihr geht wie folgt vor: Ihr tut so, als müsstet Ihr einen Elfer schießen und der Flitzer ist das Tor. Nee, halt, dann geht das daneben. Der Flitzer ist nicht das Tor, sondern das Tor ist ein kleines Stück neben dem Nackten. Nur in Eurer Phantasie natürlich, Ihr müsst Euch das bildlich vorstellen. Alles klar? Volle Konzentration, Jungs! Ich zähle auf Euch! Falls Ihr noch Fragen zu dem Thema habt, mailt mir, ich erkläre es gern in noch einfacheren Worten.

Gut Pfostenschuss und freundliche Grüße

Fellmonster

PS: Robben, leg Dir mal eine kürzere Mailadresse zu. So lange Texte liest der Ribéry nicht! Das will ja schließlich auch geistig verarbeitet werden, nech?

So, das war das. Soll mal keiner sagen, ich sei kein Menschenfreund, hilfsbereit, wie ich nun mal immer bin. Wird Zeit, dass die Bundesliga wieder anfängt!

Aber es kam ja noch viel schlimmer. Wer hat noch größere Sorgen als Niebel? Rrrrichtig! Der Herr Gauck. Der ist nämlich richtig angefressen, aber lest selbst:

von: Bundespräsident@bellevue.de
an: Weltherrscherin@worlddomination.com

Betreff: Glückssüchtige Gesellschaft

Verehrte Weltherrscherin,

wie Ihnen bekannt sein dürfte, bin ich der rhetorisch begabteste Bundespräsident, den dieses freie Land je hatte. Und was schlägt mir, der ich wagte, auf die Glückssüchtigen dieses Landes hinzuweisen, entgegen? Kritik! Anstatt meine brillante Rede, die Sie sicher gehört, gelesen und auswendig gelernt haben, in den höchsten Tönen zu loben, geschieht das Gegenteil.

Ich hoffe doch sehr, dass Sie in Ihrem millionenfach gelesenen Blog ein bis zwei oder auch hunderte Worte der Unterstützung für den brillantesten Präsidenten, den dieses freie Land jemals hatte, erübrigen könnten? Ich möchte mir an dieser Stelle noch den dezenten Hinweis erlauben, dass ich in meinen Reden bisher nicht auf das drängende Problem der Caipisucht in diesem freien Land eingegangen bin. Dieses betrachten Sie bitte als Wertschätzung Ihrer Person.

Hochachtungsvoll

J. Gauck
bester Präsident, den dieses freie Land je hatte

So, jetzt aber! Nun beweise ich Euch, was für ein grandioser Menschenfreund und Sozialkompetenzhaber ich bin, ich, Eure epochalste Weltherrscherin, die diese freie Welt je gehabt haben wird!

von: Weltherrscherin@worlddomination.com
an: Bundespräsident@bellevue.de

Re: Glückssüchtige Gesellschaft

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

mit Entsetzen und dem tiefsten Gefühl der Scham, zu dem ein monströses Wesen fähig ist, registriere ich, dass dieses Volk in unserem freien Land einfach nicht das ist, welches Ihro Brillanz, der größte Bundespräsident aller Zeiten, verdient hat! Schattenbewölkt ist mein Gemüt, gram beuge ich mein Haupt vorm Spiegel, weil wir Ihren Ansprüchen nicht im mindesten gerecht werden.

Doch trotz allem suchte und fand ich eine Lösung. Zunächst eine Bestandsaufnahme: Dieses glückssüchtige Volk hat also Probleme mit Gefallenen. Ja, wie kann das sein? Die Begeisterung anno 1914 und der grenzenniederreißende Optimismus 1939 — wo ist er geblieben? Hätten nicht Spuren davon in unserem genetischen Volksgedächtnis erhalten bleiben müssen? Ich wollte mit Sarrazin eine Runde über das Thema plauschen, der ist ja in Sachen Genetik top drauf, doch redet leider nicht mehr mit mir. Egal, ich habe die Ursache eh schon selbst ermittelt:

DIE VERDAMMTEN ’68er sind an allem schuld!

Das sind die nämlich immer! Fragen Sie mal Eva Herman. Seien Sie so frei. Die ’68er haben nämlich zu viel in unserem guten deutschen Genpool geplantscht und mit LSD und ihrem pazifistischen Gedankengut verseucht. Die mit ihrem “Make love not war”. Da haben wir’s doch. Bei der Liebe kommen entschieden weniger Menschen als im Krieg ums Leben. Da geht der ganze Gewöhnungsprozess zum Teufel und die Eltern fangen an, sich um ihre geliebten Sprösslinge zu sorgen, und wollen, dass es denen gut geht und so.

Was nun? Das zu wissen, ist ja schön und gut, aber wie kommen wir einen Schritt weiter? Ziel soll es sein, diese kleinkarierte Kritik verstummen zu lassen, aber da können Sie mit diesem verwöhnten Volk lange drauf warten. Fähnchen für die Fußballer, das ja, aber Flagge zeigen für Flakhelfer, das dann doch nicht.

Nächtelang zerbrach ich mir den Kopf, und ich meine, einen Lösungsansatz gefunden zu haben. Sie werden begeistert sein:

Sie erwerben ein Grundstück, selbstverständlich groß genug, um Ihren eigenen freiheitlichen Staat zu gründen. In irgendwelchen Kriegsgebieten gibt es genug tellerminenverseuchte Areale, die Sie für ein Butterbrot und ein Ei bekommen werden. Da will nämlich niemand leben, alles glücksverseuchte Schlaffis. Jedenfalls werden Sie dort mit einigen Getreuen einen Musterstaat aufbauen. Bitte nehmen Sie vor allem die FDP-Politiker mit, aber ein paar andere finden sich auch noch. Sarrazin ist auf jeden Fall Ihr Mann für die Finanzen. Uli Hoeneß wird für die Beleuchtung sorgen, einfach immer genug ärgern, dann strahlt die Wutbirne hell wie eine 1000000-Watt-Glühlampe.

Bitte vergessen Sie nicht, mir die Koordinaten des neuen Staates mitzuteilen! Ich werde dafür sorgen, dass mein Kumpel, der Pazifistenpräsident Barry Obama, eine Drohne vorbeischickt. Das muss so, damit sich keine Glückssucht entwickelt.

Vertrauen Sie mir. Alles wird flauschig.

Mit freundlichem Gruß

Fellmonster
Beste Weltherrscherin aller Zeiten und Länder

PS: Ich bin nicht caipisüchtig! (Die Rechtschreibprüfung schlägt als Alternative “machtsüchtig” vor. Das bin ich auch nicht, ich strebe aus reinem Verantwortungs- und Freiheitsgefühl nach der Weltherrschaft.)

Das war anstrengend. Ich brauche jetzt dringend einen XXL-Caipi.

Ich glaube, die anderen Mails lösche ich doch alle. Da ist noch eine vom Papst, irgendwas über Probleme mit irgendwelchen Banken. Und Preetz von Hertha BSC Berlin will von mir wissen, ob es erfolgversprechend sein könnte, ein Wiederholungsspiel vor dem Europäischen Gerichtshof zu erstreiten. Von den diversen Mails mit dem Betreff “Betreuungsgeld” von Merkel, Schröder, Seehofer und einem Dutzend anderer Gestalten ganz zu schweigen…

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8 Kommentare zu “Zwischendurch…

  1. Oh sehr schön Frau Monster, bei Niebels Beitrag musste ich an Georg Kreisler “Meine Freiheit Deine Freiheit” denken.

    Das ist doch irgendwo erschreckend wie aktuell manches doch bleibt.

    Zum Gauck, na bislang macht er eine recht gute Figur und seine Verschwurbeltheit und sein Leitthema lassen sich mit einem Blick in seine Biographie http://de.wikipedia.org/wiki/Gauck als Pfarrer und später Bürgerrechtlerin der DDR, auch wenn er niemals diese Vorreiterrolle inne hatte, die ihm von den Medien zu gerne angedichtet werden.

    • Warum Gauck das Thema Freiheit so hochhält ist mir klar, kann ich auch nachvollziehen, natürlich ist es ein wichtiges Thema, dazu könnte ich auch noch das ein oder andere sagen, würde aber zu lang werden, nur mal als Stichwort: Wenn ich das Thema Freiheit so wichtig finde, darf ich doch andererseits nicht die Occupybewegung, die sich völlig zurecht Sorgen um die Demokratie und die Gesellschaft und somit auch um die Freiheit macht, als albern bezeichnen. Mir ist Meinungsfreiheit auch sehr wichtig, aber das Thema geht tiefer, wie frei ist denn z. B. jemand, der mit Hungerlöhnen seine Familie über die Runden bringen muss? Ja, er kann sich hinstellen und sagen, dass diese Regierung eine schlechte ist, aber vieles andere kann er gar nicht wahrnehmen, er ist quasi Gefangener der Ordnung, wie sie sich hier darstellt… Aber ich wollte ja jetzt gar nicht so viel drüber schreiben, ich fange schon wieder an, ins Schwafeln zu kommen. :-)
      Mit dem Spruch der Glückssüchtigen in Bezug auf Gefallene hat er jedenfalls meilenweit daneben gegriffen. Wir sollten uns freuen, dass die meisten Deutschen mittlerweile ein so kritisches Verhältnis zu militärischem Gepränge haben. Ein angezettelter Weltkrieg und ein anderer, bei dem zumindest auch von D viel Öl ins Feuer gegossen wurde, sind genug… Dass die Soldaten in Afghanistan sich allein gelassen fühlen, ist sicher ein wichtiges Thema (wie der Einsatz als solches überhaupt — Sinn und Zweck?), aber ich kann doch Menschen keine Glückssucht unterstellen, weil sie Angst haben, dass ihre Kinder/Verwandten/Freunde im Krieg fallen könnten.

  2. Da ich mit meiner Hand immer noch nicht so gut schreiben kann, beschränke ich mich weiterhin zunächst auf das Lesen – danke für sooo viel Sonntaglesestoff. GLG Leonie

    • Ja, so viel Text ist man auf meinem Blog gar nicht mehr gewöhnt, oder? :-) Ich wünsche der Hand gute Besserung. Vielleicht würde auch ein Blutegel helfen, so wie bei Silke… Liebe Grüße

  3. Einfach wunderbar. Diverse Zeitungen, die ich mir jetzt eigentlich noch zu Gemüte führe wollte, müssen warten. Einfach grandios.
    Und ich verstehe ich überhaupt nicht, wieso Du nicht längst Beraterin der Bundesregierung bist…. für alle Krisen bestens geeignet.

Ehrerbietungen hier rein, bitte ;-)

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