Ihr habt ja sicher alle mitbekommen, dass die “Zeit” zu Guttenberg interviewt hat. Drei Tage lang hat der Chefredakteur di Lorenzo mit dem Blaublüter in einem Hotelzimmer residiert und ihn mit Fragen bombardiert (aber alles ganz flauschig, also eher Wattebauschgeschosse). Nun wartete ich einige Tage ab, ob er nicht auch mir, die ich immerhin die künftige Weltherrscherin bin, ein Gespräch anbieten würde, aber da kam nichts. Besser so, denn drei Tage mit di Lorenzo in einem Hotelzimmer möchte ich eh nicht verbringen. Also sagte ich mir: “Wenn’s Guttenberg … äh, nein, ich meine: wenn’s gut werden soll, mach es selbst!” Das heißt: Ich werde mit mir selbst ein höchst informatives Gespräch führen. (Und erfülle damit auch Dark Johann einen Wunsch, denn er — wie auch der Rest der Menschheit — wünschte sich sehnlichst dieses Interview. Und natürlich weiß ich als Weltherrscherin, dass Pressearbeit sehr wichtig ist.)
Die Personen: In der linken Ecke das Fellmonster, bekannt durch ihr Blog “Monstermeute”, immer investigativ, immer hochaktuell. In der linken Ecke: Die künftige Weltherrscherin. (Dass da zweimal “linke Ecke” steht, ist schon richtig so, denn bedenkt, dass ich das Interview mit mir selbst führe.)
Genug geschnackt, los geiht dat!
Fellmonster: “Guten Tag, Frau Weltherrscherin. Ich danke Ihnen, dass Sie sich zu diesem Gespräch bereit erklärt haben und auch meine Bedingung, dass es keine Gesprächs-Tabus geben dürfe, akzeptiert haben.”
Weltherrscherin: “Aber die Themen, von denen ich keine Ahnung habe, klammern wir vereinbarungsgemäß aus!”
Fellmonster: “Oh, dann sind wir ja schon fertig, cool. Gehen wir noch einen Caipi trinken?”
Weltherrscherin: “Hiergeblieben! Fangen Sie endlich mit den Fragen an!”
Fellmonster: “Sie haben zwei Doktortitel. Nach Ihren Angaben haben Sie die eine Doktorarbeit bei zu Guttenberg und die andere aus dem Internet abgeschrieben. Nachdem sich herausstellte, dass in Ihrer geguttenbergten Arbeit nicht eine einzige Formulierung mit dem Guttenbergwerk übereinstimmt, bewegt die Menschen folgende Frage: Was zur Hölle sollte das, wie zum Teufel konnte das passieren?”
Weltherrscherin: “Danke, dass Sie diese Frage stellen. Mir ist es eminent wichtig, diesen Vorfall zu erörtern, bevor ich meine letzte Gehirnzelle in XXL-Caipi etränkt und alles vergessen habe. Sie wissen, wovon meine Doktorarbeiten handeln?”
Fellmonster: “Ehrlich gesagt, nicht so im Detail. Wenn Sie das kurz erläutern könnten?”
Weltherrscherin: “Lassen Sie mich diese Frage in aller Offenheit beantworten. Beide beschäftigen sich mit der Behandlung von sogenannten Sexpsychos. Während die eine sich dem Thema “Regencapefetischismus im Wandel der Zeiten und in unterschiedlichen Kulturen unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es bei einigen Amazonasstämmen noch immer keine Regencapes gibt” widmet, beschäftigt sich die andere schwerpunktmäßig mit zu kurzen Geschlechtsteilen von italienischen Ministerpräsidenten.”
Fellmonster: “Wie interessant und sicher sehr hilfreich für die Menschheit! Aber lassen Sie uns den Skandal, dass keine dieser Doktorarbeiten auch nur annähernd dem Guttenberg-Werk entspricht, beleuchten.”
Weltherrscherin: “In aller Offenheit und Ehrlichkeit werde ich diese Frage beantworten. Ich bekomme täglich Mails, in denen man mich fragt, wie es angehen könne, dass ein so hochintelligentes Monster eine so ungeheuerliche Dummheit begehen konnte.”
Fellmonster: “Und? Die Antwort lautet wie?”
Weltherrscherin: “Es steht auch für mich völlig außer Frage, dass mir ein ungeheuerlicher Fehler unterlaufen ist (ich bin ja auch ein Ungeheuer, haha, kleiner Scherz), den ich zutiefst bedauere. Man entschuldigt sich!”
Fellmonster: “Man? Müssten nicht eher Sie sich entschuldigen?”
Weltherrscherin: “Ich rede von mir ab und zu in der dritten Person! Das ist in Herrscherkreisen nicht ungewöhnlich! Haben Sie sich vorher gar nicht mit meiner Person beschäftigt?!”
Fellmonster: “Ähm… Könnte ich einen Caipi bekommen?”
Weltherrscherin: “Trinken Sie keinen Alkohol! Das ist ungesund! Nein, diese drei XXL-Caipis gehören mir! Grapschgriffel weg! Haben Sie eigentlich noch Fragen?”
Fellmonster: “Ich warte noch immer auf die Antwort, wie es zu dem Schlamassel bezüglich Ihrer Doktorarbeiten kommen konnte, aber wir haben ja noch drei Tage Zeit. In der Ruhe liegt die Kraft.”
Weltherrscherin (nimmt einen großen Schluck Caipi): “Der Fehler begann schon früh. Quasi mit meiner Geburt. Da waren die Probleme ja schon angelegt. Hätten meine Eltern auf die Fortpflanzung verzichtet, säße ich jetzt nicht hier.”
Fellmonster: “Das wäre aber sehr bedauerlich für die Menschheit!”
Weltherrscherin: “Richtig, richtig. Nun begann ich vor einigen Jahren also mit meiner ersten Doktorarbeit. Zunächst kopierte ich die Arbeit von Herrn zu Guttenberg. Guttenbergen sagen die jungen Leute ja heutzutage, aber den Begriff gab es damals noch nicht. Anfangs beschäftigte ich mich sehr intensiv mit der Arbeit, ich stand praktisch jeden Tag am Kopierer.”
Fellmonster: “Und was passierte dann? Das ist ja alles soooo aufregend!”
Weltherrscherin: “Ich trat in eine sehr stressige Zeit meines Lebens. Die Welteroberung. Hutze & Hursch. Die Monstermeute. Nebenbei sammelte ich alles, was ich von Guttenbergs Arbeit in die Finger bekam. Die Kopien flogen hier überall in der Welteroberungszentrale herum. Ich begann, einiges davon abzutippen und auf 5-Zoll-Floppy-Disks zu speichern.”
Fellmonster: “Haben die nicht eigentlich sogar 5,25 Zoll?”
Weltherrscherin: “Weiß ich nicht so genau, auf jeden Fall waren sie größer als Berlusconis Dödel. Einen anderen Teil der Arbeit speicherte ich auf Lochkarten. Außerdem kopierte ich eine CD mit Guttenbergs Arbeit drauf mit dem Kopierer. Vor- und Rückseite! Wollen Sie mal sehen?” (zeigt zwei Seiten Papier, auf denen eine Schwarzweißkopie einer CD-Oberfläche zu sehen ist)
Fellmonster: “Oh, Himmel hilf, Lochkarten! Aber zu der Zeit gab es doch schon wesentlich modernere Technologien!”
Weltherrscherin: “Sie erwähnen da einen eminent wichtigen Punkt. Als ich anfing, meine eigene Doktorarbeit zu schreiben, war ich nicht mehr in der Lage, diese Datenträger auszulesen. Und auf der Kopie der CD kann man nicht viel mehr als einen runden Kreis erkennen! Aber ich bin ja nicht dumm!”
Fellmonster (fragt sich, ob es auch eckige Kreise gibt): “Selbstverständlich nicht!”
Weltherrscherin: “Ich verließ mich auf mein anerkanntermaßen brillantes… Wie heißt dieses Ding gleich noch mal? Moment, ich hab’s gleich!”
Fellmonster: “XXL-Caipiglas?”
Weltherrscherin: “Nein! Gedächtnis, das ist es. Ich fing also an, alles aus dem Kopf aufzuschreiben. Ich hatte die Guttifrutti-Doktorarbeit noch Wort für Wort im Kopf, allerdings ist mir die Reihenfolge etwas durcheinandergeraten, denn ständig stand die Flachlandhutze vor mir und wollte Fußball spielen! Währenddessen hat der Hursch einige USB-Sticks und externe Festplatten, auf denen meine Gedächtnisarbeit gespeichert war, aufgefressen.”
Fellmonster: “Das ist ja ungeheuerlich! Haben Sie schon mal über eine Erziehung nachgedacht?”
Weltherrscherin: “Oh, nun ja… Lassen Sie mich das in aller Offenheit beantworten.” (nimmt einen Schluck Caipi, tippt nebenbei hektisch auf dem Notebook herum)
Weltherrscherin (murmelnd): “Aha, das ist also diese Erziehung, okay…” (wieder lauter) “Erziehung, ein sehr wichtiges Thema, welches die Zukunft unseres Landes entscheidend prägen wird.”
Fellmonster: “Ich stimme Ihnen aus vollem Herzen zu. Aber zurück zu der Doktorarbeit. Wo waren wir stehengeblieben?”
Weltherrscherin: “Bei meinem Stress. Stress, wie ihn noch kein Mensch erlebt hat! Stress, wie ihn kein Mensch jemals erleben wird! Da waren ja nicht nur Hutze & Hursch, da gibt es auch noch den Krötengeneral! Und gastronomische Betriebe, die Caipi mit Zitrone zubereiten! Wissen Sie, was das heißt?”
Fellmonster: “Dass es einen Mangel an Limetten gibt, weil jemand aus Hamburg weltweit die Bestände aufgekauft haben soll?”
Weltherrscherin: “Ach so, daran liegt das also. Uppsi. Hatte ich schon erwähnt, dass ich bereits während meines Studiums von meiner Monstermeute sehr in die Pflicht genommen wurde?”
Fellmonster: “Aber Sie haben doch gar nicht studiert!”
Weltherrscherin: “Doch! 1001 Cocktailrezepte im Internet. Und jedes Monster wollte probieren. Diese Pflichten! Nebenbei habe ich Teile der Guttenbergarbeit als Podcast eingelesen.”
Fellmonster: “Vorbildlich! können wir diesen bei iTunes downloaden?”
Weltherrscherin: “Leider nicht. Faktisch wurde das Diktiergerät von Ralphsroteslieblingsmonster mit einem Kauknochen verwechselt und kaputtgeknabbert. Nun habe ich nur noch Bruchstücke davon, bekommt man aber nicht mehr funktionsfähig zusammengeklebt. Das Monster war noch sehr klein, wenn ich mir diese Bemerkung erlauben darf. Vorwürfe sind nicht angebracht und werden von mir aufs Schärfte verurteilt!”
Fellmonster: “Haben Sie schon immer so konfus und chaotisch gearbeitet, auch, als Sie noch nicht an die Welteroberung dachten?”
Weltherrscherin: “Ja, das aber mit vollem Einsatz und Engagement, vollkommen auf die Doktorarbeit fokussiert. Hier muss ich mir Vorwürfe machen, sogar berechtigte. Ich hätte einfach mal aufräumen sollen.”
Fellmonster: “Hat Ihnen keiner geholfen?”
Weltherrscherin: “Nein. Fragen Sie mal die Monster, wenn es um Fensterputzen geht. Dann können die auf einmal schneller rennen als Usain Bolt. Sehr erstaunlich.”
Fellmonster: “Nein, ich meine mehr im Sinne von: Hat vielleicht einfach jemand anderes Ihre Doktorarbeit geschrieben und dafür eigenes Gedankengut genutzt, anstatt von zu Guttenbergs Dissertation abzuschreiben?”
Weltherrscherin: “Sicher nicht! Wer sollte das gewesen sein?”
Fellmonster: “Das weiß ich doch nicht!”
Weltherrscherin: “Sehen Sie? Vielleicht haben wir es auch nur vergessen. Das ist doch jetzt nicht mehr wichtig. Ob nun ein oder zwei Leute den Überblick verloren haben, spielt keine Rolle.”
Fellmonster: “Ganz wie die Weltherrscherin meinen. Welches Verhältnis hatten Sie zu Ihrem Doktorvater?”
Weltherrscherin: “Zu wem? Kenne ich nicht. Kennen Sie Vader Abrahams Lied der Schlümpfe? Mit dem hatte ich aber auch kein Verhältnis! Schlumpfschlumpf!” (trinkt einen weiteren Schluck Caipi)
Lesen Sie im nächsten Teil: Weitere knallharte Fragen, die keine Ausflüchte erlauben! Hat die künftige Weltherrscherin womöglich auch die zweite Arbeit nicht abgeschrieben, sondern ihre Zeit mit Selberdenken verplempert? Hier zuerst informiert!
EDIT: Das Interview erscheint natürlich in meiner Monatszeitschrift ZEITMANGEL, die ich mittlerweile extra dafür gegründet habe.