… dem Broder eine ARD-Sendung anzuvertrauen? Mit XXL-Caipi wäre das nicht passiert. Das Machwerk heißt “Entweder Broder” (das “… oder schnell ausschalten” müsst Ihr Euch bitte selbst dazudenken) und ist noch in der ARD-Mediathek abzurufen. Ich verlinke nicht. Dass er sich wie ein selbstverliebter fleischgewordener Herrenwitz aufführt, ist seine Sache und nicht weiter überraschend, aber was er so von sich gibt, ist teilweise doch arg fragwürdig, hier erst mal einige Auszüge aus seinen Artikeln, wie man sie zuhauf z. B. bei der “Achse des Guten” findet:
… Wichtiger aber als das, was die Leute in Jamel tun, ist das, was die deutsche Antifa unterlässt. Die ist dermaßen damit beschäftigt, gegen den Faschismus in den USA, gegen die Ermordung von Ossama Bin Laden, gegen die Apartheid-Mauer in Palästina, für einen Dialog mit der Hamas und Hisbollah und für das Grundrecht auf das Abfackeln von Autos zu demonstrieren, dass sie gar nicht dazu kommt, sich darum zu kümmern, was die eigene bucklige Verwandtschaft so treibt. …
(Quelle, auch wenn ich extrem ungern dorthin verlinke…)
Aha, die deutsche Antifa kümmert sich also nicht um die Geschehnisse in Deutschland? Oh, und nun? Was waren denn das für Demos, die sich z. B. auch in Hamburg gegen die Neonazis richteten? Das waren vermutlich in Wirklichkeit Proteste gegen die knallgelbe Farbe von Kanarienvögeln. Mist. Wieder wurden so viele naive Gutmenschen in die Irre geführt. Gut, dass Broder den Durchblick hat.
“Schön” auch, wie der Herr Publizist einen Studenten als “Arschloch” und sogar als “ungebildetes Riesenarschloch” bezeichnete. Öffentlich und von ihm auch nicht abgestritten. Quelle. Solche heftigen Beleidigungen sind auch nicht damit entschuldbar, dass man ihm von Anfang an unsachlich engegengekommen ist. Woran das wohl liegt? Er möge doch mal seinen eigenen, nicht immer von Sachlichkeit geprägten Schreibstil (und das habe ich jetzt mal verdammt nett formuliert!) überprüfen… Vielleicht kommt er dann drauf?
Es ist nicht so, dass ich nie mit Broder einer Meinung bin, er schafft es nicht, ausschließlich Blödsinn zu schreiben. Aber leider oft genug, er ist jemand, der ganz gut versteckt hetzen kann. Gern nennt er Linke “linksreaktionäres Gutmenschenpack”. Träumen tut das Linkspack angeblich hiervon (in diesem Artikel über das Schweigen zu Gaddafi nachzulesen):
… Die Erklärung für das dröhnende Schweigen ist vermutlich sehr einfach. Das System-Gaddafi war genau das, in dem sie gerne gelebt hätten oder leben würden, eine sozialistische Versorgungsdiktatur, in der das dumme Volk mit ein paar kostenlosen Sozialleistungen bei Laune gehalten wurde und die Happy Few alles bekommen konnten, worauf sie Wert legen: französischen Cognac, spanischen Wein, italienischen Spumante. …
An sachlichen Diskussionen scheint der Gute eher weniger interessiert zu sein. Und dieser Herr bekommt nun also eine Sendung in der ARD. Ich hätte es nicht mitbekommen, wäre ich nicht im BildBlog darüber gestolpert. Nach einigem Hin- und Her-Überlegen habe ich dann beschlossen, mir die Sendung einfach mal anzugucken. Als HSV-Fan ist man ja Leiden gewohnt. Das, was ich dann aber zu sehen bekommen habe, war schlimmer als die letzten 8 HSV-Spiele zusammen.
Dabei fängt es mit Puscheligkeit an, weil sich wohl auch bis zu Broder herumgesprochen hat, dass Puscheligkeit pusht. Doch er versaut es natürlich von Anfang an. Broder steigt mit seinem “Sidekick” Hamed Abdel-Samad in ein bunt angemaltes Auto, ein wuscheliger Hund rennt hinterher und bekommt als Stimme den Text verpasst: “Typisch, die hätten mich glatt vergessen. Hunde sind eben doch nur Menschen zweiter Klasse. Aber was will man von einer jüdischen Nervensäge und einem moslemischen Besserwisser auch erwarten?” Und so weiter… Der Hund heißt Wilma.
Irgendwas von “Wilma ist plötzlich weg gewesen, ich hatte schon Angst, sie ist lesbisch geworden”, sagt der Broder auf die Frage Hameds, was in der Zwischenzeit seiner Abwesenheit mit Wilma war. Einblendung irgendeiner Tänzerin, die von Wilma beobachtet wird. Humor à la Broder, an Mario Barths Stelle würde ich mir langsam mal Sorgen machen, da wächst Konkurrenz heran.
Broder lernte außerdem Indira kennen. Ich kenne die auch, die war im Dschungelcamp. Auf die Frage von Hamed, was Indira habe, was er nicht habe, kam die brodersche Antwort: “Argumente. Zwei Argumente. Und was für welche.” An dieser Stelle war ich kurz davor abzuschalten. Egal, Indira bringt uns jedenfalls bei, dass Cola light koscher ist, Cola zero aber gar nicht. Indira, das ehemalige Playboy-Model, ist nämlich vor Jahren zum Judentum konvertiert. Eine Bootsfahrt mit ihr wird von ihm selbst als Höhepunkt der broderschen Existenz gelobt. Broder versucht zu flirten. Argh! Selbstverliebt ist er, aber das wusste ich vorher, kommt noch mal was Spannendes?
“Ich habe gestern eine Doku über 9/11 gesehen, da wurde mir klar, dass das jetzt zehn Jahre her ist! Mir kommt es vor wie gestern!” (Total erstaunter Unterton.) Ach. Die beiden, also Hamed und Broder, nicht die Indira, gehen “zum Türken” zum Essen. Und da das Thema der Sendung “Guck mal, wer sich da verschwört” heißt, werden die beiden Türken gefragt, wer hinter dem 11. September steckt. Theorie: Die Juden, denn in den Türmen waren an dem Tag keine Juden — sagen die. Haben die irgendwo nebenbei gehört. Okay, wenn jetzt jeder seinen Unsinn im deutschen Fernsehen verbreiten darf, verstehe ich nicht, warum ich noch immer keine TV-Show angeboten bekommen habe. Na ja, liegt wohl daran, dass ich meinen eigenen TV-Sender habe. Werde demnächst auch einige bahnbrechende Erkenntnisse veröffentlichen, z. B., wer hinter der Verschwörung, dass der FCB auch 2012 wieder nicht die Champions League gewinnen wird, steckt. Jedenfalls zurück zur Sendung, Verschwörungstheoretiker: “Es ist schon scheiße, die ganze Welt schaut zu, und die Amis werden immer reicher.” Broder widerspricht eher indirekt oder stellt nur Fragen, die seinen Gesprächspartner wohl bloßstellen sollen. Bildungsauftrag erfüllt, wir wissen nun, dass es auch unter den türkischen Mitbürgern welche gibt, die Unsinn reden. Sarrazin wird daraus vermutlich wieder eine Statistik basteln, die belegt, dass das eh alles an den Genen liegt.
Dann mal wieder Schwenk zu Indira. Die perfekte Frau? Nein, am Ende fiel auf Broders Begeisterung ein kleiner Schatten. Vermutlich, weil sie nicht mit ihm ins Bett gegangen ist, aber das sagt er natürlich nicht. Erste Frage Broder: “Glaubst Du auch, dass die Juden an 9/11 schuld sind?” Indira: “Neeeiiiinnn! Auf keinen Fall!!!” Indiras Theorie: Die Amerikaner selbst stecken dahinter, denn an dem Tag seien kaum Amerikaner in den Türmen gewesen. Einwand Broder: “Nur fast 3000.” Indira: “Ja… aber mehr Ausländer.” Broder möchte wissen, woher Indira das hat. Sie habe es von Amerikanern selber. Die Amis hätten sich ja Osama selbst gezüchtet. (Insofern ja nicht ganz falsch, dass die Taliban damals im Kampf gegen die Russen von den USA Unterstützung erhielten.) Broder: “Ich glaube, Du kannst Amerika wirklich nicht leiden.” Indira, kichernd (es wird überhaupt viel gekichert in dieser Sendung): “Ich hasse Amerika.” Aaaha. Ganz Amerika oder nur die USA? Man weiß so wenig und es fragt auch keiner, so werden wir nie herauskriegen, ob Indira überhaupt den Unterschied zwischen Amerika und USA kennt. Indira brabbelt dann noch irgendwas davon, dass man gar nicht wählen zu gehen brauche, man hätte eh keinen Einfluss etc. (Wenn man sieht, wie die Politik viele Handlungsmöglichkeiten an die Wirtschaft abgegeben hat, ist da auch ein bisschen was dran, aber in der Schwarz-Weiß-Philosophie doch eine erbärmliche Theorie.)
Broder, dieser humorige Charmeur, hat eine allerletzte Frage zu “Wahn und Wirklichkeit und die Welt als Wille und Vorstellung”: “Dein Busen ist echt?” Antwort: “Nö. Kann so ein Busen echt sein?” Charmeoffensive, die Weißnichtwievielte: “Können solche Augen lügen?” Es wird gegessen, zum Schluss der Hammerspruch von Broder: “Wenn man sich vom Essen den Busen vergrößern lassen könnte, hätte ich Titten wie Du.” Ich finde mittlerweile: Mario Barth ist so was von raus. Bucht dem Broder sämtliche Stadien! Indira jedenfalls verspricht ihm nach albernem Gekicher, ein gutes Wort für ihn in ihrem Nachtgebet einzulegen. Das hat er sich ganz anders vorgestellt, völlig klar.
Zurück im Auto, mit Hamed, ohne Indira. “Stell Dir vor, sie ist Pro-Israel und Anti-Amerika!” Hamed kann es aber auch nicht schlecht, denn seine Antwort: “Pro Israel und Anti-Amerika? Geht das überhaupt? Sonst sind die beiden immer zusammen wie zwei Busen in einem BH.” Es wundert uns nicht, dass Broder antwortet: “Ich liebe das Bild!”
An dieser Stelle war ich fast so weit, eine Spendenaktion ins Leben zu rufen, damit wir dem Broder mal ein paar Luxusprostituierte bestellen könnten, natürlich nur unter der Voraussetzung, dass er uns versprechen müsste, nie, nie, niemals wieder im Fernsehen aufzutreten. Nur Mitleid mit den Damen hielt mich letztendlich davon ab.
Broders Lieblingsverschwörung ist übrigens: “Elvis lebt.” Schade. Wenn wenigstens Kröten vorkämen, das hätte die Theorie wesentlich interessanter gestaltet. Hamed hat nicht mal eine Lieblingsverschwörungstheorie.
Nächster Auftritt. Sieht nach Kleinstadt aus, ein Brunnen. Und ein Broder mit einem Packen Bücher. Das Wasser plätschert vor sich hin und schafft es, intelligenter als der Broder zu klingen. Broder packt die Bücher auf den Brunnennrand. Alles zum Thema 9/11, verkündet er. “Das Schweigekartell. Widersprüche und Fragen zum 11. September” und ähnliche Buchtitel. “Mossad” kommt auch irgendwo vor. Einige Titel deuten in der Tat auf haarsträubende Verschwörungstheorien hin. Broder hätte aber vermutlich auch mit kritischen Fragen, WARUM es überhaupt dazu gekommen ist, so seine Probleme. Zumindest ist bis zu diesem Zeitpunkt in der Hinsicht nicht eine kritische Anmerkung von ihm gekommen (wir sind immerhin bei Minute 13:38).
Die Bücher werden mit Schwung in den Brunnen geschubst. Alle, die wissen, welcher Spruch nun kommt, gewinnen einen virtuellen Keks, der wie Broder kichert.
“Jetzt bist Du aber ein Brunnenvergifter, offiziell”, stellt der Hamed fest. Broder guckt stolz wie Bolle und stupst grinsend ein Buch unter Wasser. Hamed sabbelt unbeirrt weiter: “Früher haben die Nazis die Bücher verbrannt, die Juden werfen sie jetzt in den Brunnen.” “Genau”, antwortet der Henryk. “Das ist die berühmte Bücherversenkung!” Niemand kann es mir verübeln, dass ich an dieser Stelle große Sehnsucht nach hochprozentigem Alkohol entwickelte, oder? Ich habe dem Verlangen aber nicht nachgegeben, für so etwas werde ich doch meinen Cachaca und die Limetten nicht verschwenden.
Währenddessen klärt Broder uns Deutsche auf. Es gäbe da im deutschen Gemüt eine tiefsitzende Kränkung, weil wir von Amerikanern befreit wurden. Denn: Der Studienrat, der über Goethe promoviert hat, wurde von einem Kaugummi kauenden Neger aus Alabama befreit und das hinterlasse eine Kränkung in der Seele. Deshalb diskreditieren wir die Amerikaner nämlich, damit sie nie wieder eine Rolle in der internationalen Politik spielen werden. Ahaaa! Soso! Und überhaupt. Wisst Ihr Bescheid, darum also das ganze Gemecker über George W. Bush. Wir wollen Amerika köpfen und die Beine abschneiden, sagt Broder. (Dem ganzen Amerika? Oder doch nur den USA? Das wird wieder nicht so richtig deutlich.) Mit dem Torso wollen wir Deutschen dann “irgendwas anstellen”. Huuuh, wie gruselig! Vielleicht können wir daraus ein Monster basteln?
Dann kommt so’n bisschen Zeugs über Jürgen Elsässer. Der hat ein Buch geschrieben, geht auch um den 11. September. Ich stelle fest, dass ich schon über die Hälfte der Sendung überstanden habe und rufe mir ein aufmunterndes “Come on, den Rest schaffst Du auch noch!” zu. Broder stellt dem Autor die Frage, ob Osama ein CIA-Agent gewesen sein könnte. Der grinst, obwohl Broder darum bittet, das wirklich ernstzunehmen. Lachen im Publikum. Er bekommt eine Ausgabe von “Compact” geschenkt. Jürgen Elsässer habe übrigens zugenommen, sagt Broder. Gut zu wissen!
Geschwafel im Auto. Meine Aufmerksamkeitsspanne lässt nach. Irgendwas mit Hinterzimmern und Mainstream und komischen Dokumentationen über 9/11, die im Fernsehen gelaufen sind. Ich bin nun in der 26. Minute. Ich habe es fast geschafft! Ich stehe kurz davor, mir einen Cuba Libre mixen zu dürfen!
Hamed öffnet die Klappe des Handschuhfaches im Auto und zieht einen Playboy heraus. Nein, so was aber auch! Natürlich folgt ein denkwürdiger Dialog.
Hamed: “Wat is dat denn?” — Broder: “Dat is der Playboy!” — Hamed: “Und wer ist drauf?” — Broder: “Mmmh, Indira!” — Hamed: “Deine Indira?” (Hält das Cover in die Kamera.) — Broder: “Jaaa… jaa…” — Hamed blättert drin rum, auf der Suche nach einer Kolumne über den Ost-West-Konflikt. Sagt er. Findet aber ein Foto einer nackten Indira mit Widmung: “Für Henryk! Mein bestes Date!” Broder offenbart Hamed und uns, dass er uns etwas verschwiegen habe, er habe sich nämlich noch mal mit Indira getroffen. Hat er da endlich den lang ersehnten Sex bekommen? Zumindest sagt er: “Ich hab mich geopfert.” Also doch kein Sex? Denn dann wäre es ja wohl eher Indira, die sich geopfert hätte. Er hat ihre Seele gerettet, das ist es nämlich. Wer eine Seele rettet, rettet die ganze Welt. Sagt Broder. Was jetzt kommt, kann ich kaum beschreiben: Indira badet in einem Fluss. Broder glotzt vom Ufer aus. Indira entsteigt den Fluten wie weiland Venus, die Schaumgeborene, allerdings ist Indira nicht nackt. Sie rennen aufeinander zu. “Indira!” Henryk breitet seine Arme aus. “Henryk!” schmachtet Indira zurück, ebenfalls mit ausgebreiteten Armen. Kurze Kameraeinstellung mit Großaufnahme der Brüste. Freude bei Broder, der sich diese Szene bestimmt mittlerweile zweimillionenmal angeguckt hat. “Sei mir nicht böse”, fleht Indira, “ich habe das gar nicht so gemeint. Gibst Du mir noch eine zweite Chance?” Ich frage mich, was ich verpasst habe. Warum sollte er ihr böse sein? Weil sie nicht mit ihm ins Bett gegangen ist? Verwirrung, ich muss an irgendeiner Stelle der Sendung unaufmerksam gewesen sein! Oder ist es nur, weil sie Amerika hasst? Jedenfalls wird alles gut, denn Broder antwortet: “Indira, wer könnte Dir böse sein?” Er stellt fest, dass sie friert und legt ihr mit den Worten “ein kleines Geschenk von Obama” eine US-Flagge um den Körper. Arm in Arm spazieren sie aus dem Bild, Indira noch ein “Ich liebe Amerika!” schmachtend. Zurück im Auto. Hamed betrachtet immer noch sinnierend das Indirafoto und meint: “So eine Seele möchte ich auch mal retten.” Broder: “Lieber Gott, warum bin ich nicht mehr dreißig??” Einblendung: Fortsetzung nächsten Montag. Aber eins ist mal ganz klar: Ohne mich!
War das hartes Brot. Ich habe mir nun meinen Cuba Libre redlich verdient. Und glaubt man nicht, dass ich nur die kleine Version trinken werde!