Och nöööö…

 

… ich habe den ersten Tag vom Promi-Big-Brother verpasst. Und den zweiten auch. Dabei ist doch Ronald Schill dabei!

Für Nicht-Hamburger: Who the fuck ist Ronald Schill?

Ronald Schill war einer der peinlichsten Politiker, die Hamburg je hervorgebracht hat. Von 2001 bis 2003 war er Innensenator und zu allem Überfluss auch noch Zweiter Bürgermeister. Vorher erlangte er zweifelhaften Ruhm als “Richter Gnadenlos”. Die Bild-“Zeitung” liebte ihn.

Ole von Beust, unser damaliger Bürgermeister, schmiss ihn 2003 raus, weil Ronaldchen ihn angeblich gedroht hatte, zu veröffentlichen, dass Ole Roger Kusch nur zum Innensenator ernannt hätte, weil er sein Lebensgefährte gewesen wäre. (Ich kenne einige Leute, die mit der CDU nichts im Sinn haben, aber Ole von Beust mögen. Das fällt mir schon aus dem Grunde schwer, weil er damals dem unsäglichen Schill überhaupt erst die Regierungsbeteiligung ermöglicht hatte.)

So, nun wisst Ihr in groben Zügen Bescheid. Warum ich Euch das alles erzähle? Weil ich muss. Mein Enthüllungsjournalistenmonster hat damit gedroht, alle Limetten auszupressen und daraus Limettenpudding ohne Alkohol zu machen.

Enthüllungsjournalistenmonster

Das ist Enthüllungsjournalistenmonsti mit seinem Haustier, einer Zeitungsente

Der Schill, der zwischendurch mal Deutschland verließ, ist nun leider wieder aufgetaucht, und das nicht nur, um in den Deppencontainer von Sat.1 zu ziehen. Zu allem Überfluss hat er ein Buch geschrieben, so eine Art Autobiographie, die aber anscheinend hauptsächlich aus seinen Sexabenteuern besteht. (Ich hoffe aber, dass er nach dem Container wieder nach Brasilien zurückkehrt. Sorry, Brasilien.)

Die Bild-“Zeitung” veröffentlichte Auszüge. Daraus wiederum schnappte sich “Stern.de” einen Teil, der von einem HSV-Fan in einem Forum verlinkt wurde, weswegen ich drauf klickte. Manchmal sollte man Links links liegen lassen, doch nun war es zu spät!

Ich zitiere einen kleinen Teil:

“Sie kam viermal zum Orgasmus und ihre Schreie tosten durch den Wald. (…) Später trieben wir es zur Perfektion, und sie kam zwanzig Mal innerhalb einer Stunde. Bis sie einen Hörsturz erlitt.”

(Anmerkung Rahm: “Nur zwanzig Mal? Arme Frau! Manche Männer lernen es nie!”)

Enthüllungsjournalistenmonsti las diesen Artikel ebenfalls, und nun wird es sämtliche Romantik dieses Berichts gnadenlos zerstören, denn in Wirklichkeit war es anders! Enthüllungsjournalistenmonsti war nämlich dabei! Sagt es zumindest. Und so sah die gnadenlose Wahrheit aus:

Professionelle: “Okay, 20.000 Euro für eine Stunde inkl. Anfahrtszeit, aber wir gehen in den Wald! Ich will nicht mit Ihnen gesehen werden!”
Ronald McSchillig: “Ja, aber dann musst Du ganz laut schreien, um das ganze Getier im Wald zu vertreiben. Ich habe Angst vor den Marienkäfern und was es da sonst noch so gibt!” (Vermutlich fürchtete er, dass eine Ameise sein bestes Stück abbeißt — ein Biss und es ist weg. Anm. der Red.)
Professionelle: “In Ordnung.”

20 Sekunden später nach viel Gebrüll und vollzogener Dienstleistung (SchilliMcSilly verwechselte wohl Sekunden mit Orgasmen, kann ja mal passieren! Das ist wie mit den ominösen 20 Zentimetern.):

Professionelle: “Oh, was ist denn da runtergefallen? Sieht aus wie ein winzig kleines… Gehirn?”

Da haben wir es, es war kein Hörsturz bei der Prostituierten, sondern ein Hirnsturz bei SchilliMcMerktnix.

Ich bedanke mich bei meinem Enthüllungsjournalisten für Infos, die wir niemals haben wollten, und wünsche mir, dass jemand bestimmtes nächstes Jahr ins Dschungelcamp geht…

(Jetzt habe ich mir eben noch zwei kleine Filmchen, sog. “Highlights” (müssten eigentlich korrekterweise “Lowlights” heißen), aus der Sat.1-Mediathek angetan. Der Wendler ist ja auch dabei! Nee, das gebe ich mir nicht, so viel Selbstverliebtheit auf einem Haufen ertrage ich nicht.)

Monströse Presseschau (1)

Eine neue Serie im Blog. Ich werde in unregelmäßigen Abständen oder vielleicht auch gar nicht einige Zeitungsmeldungen kommentieren, natürlich nur das Wichtigste vom Wichtigsten. So seid Ihr für jeden Small und Big Talk künftig bestens gerüstet.

Schauen wir als erstes mal eine Meldung aus der Weltgazette “Bergedorfer Zeitung” von vor ein paar Tagen an.

Die Diddlmaus ist Geschichte!

Das als solches ist nicht die riesengroße Nachricht, auch wenn Depesche-Boss Schiötz das Aus der Maus bedauert:

“Was mir unverständlich ist, ist die Entwicklung, dass Diddl bei Kindern und Jugendlichen heute kaum noch eine Rolle spielt.”

Viel wichtiger ist, was uns der Firmenchef sonst noch so verrät:

“Wir haben neue Figuren erarbeitet und mit denen auch Erfolg.”

Heißt genauer: Die Konsumentinnen von vier bis sieben Jahren werden mit der “Style Princess” gelockt, die älteren Mädchen beschäftigen sich bitte intensiv mit dem Thema “Topmodels”.

Das hört sich schon mal richtig gut an. Unerschrocken, wie ich als künftige Weltherrscherin nun mal bin, habe ich recherchiert, was sich hinter “Style Princess” und “Topmodels” verbirgt.

Zuerst die Prinzessinnen. Ich lud mir direkt auf der Depesche-Website die Produktinfo in PDF herunter. Wer auch will, bitte sehr. Erst mal sieht alles schön rosa-pink aus, das gefällt. Textauszug:

Kreativer Spaß für die Kleinen! In dieser Kollektion für kleine Mädchen ab 3 Jahren dreht sich alles um die süße Prinzessin Mimi und ihre vielen wunderhübschenKleider!

Doch schon ab drei, das ist richtig so! Wollte schon bemängeln, dass es laut Zeitungstext erst ab vier Jahren losgehen soll, aber ich sage Euch, liebe Eltern: Mit Sinn für wunderhübsche Kleider und Adelskram kann man gar nicht früh genug anfangen! Man muss doch Prioritäten setzen! Auch wichtig:

Eine Taschenserie und Produkte wie das Badehandtuch oder Kuschelkissen in verschiedenen Farben runden das Programm ab.

Eine Taschenserie! Taschen sind das Doping der Frauen, das weiß man ja. Und was ist mit Schuhen?! Von Schuhen steht hier aber nichts! Wir merken: Nichts ist so gut, dass es nicht noch verbessert werden könnte.

Von Kleinauf mit dem Wesentlichen vertraut gemacht, steht den etwas älteren Mädchen die nächste Stufe, die sie erklimmen müssen, bevor. Topmodel! Hierfür wurde sogar eine wunderschöne Website gestaltet. Weltklasse, phänomenal, phantastisch, exorbitant! Hier lernen die Mädels wichtige Begriffe wie “Sedcard” und “Boutique” kennen. Aus Zeitgründen und nur deshalb (nicht, dass hier jemand denkt, mich hat das Intro verscheucht), ist es mir leider nicht möglich, die Geheimnisse dieses Webauftrittes näher zu erforschen, aber Ihr alle seht, dass die Spieleindustrie in die richtige Richtung läuft… ähm, pardon, schreitet, so sagt man ja wohl in der Modewelt zu dem Catwalk-Gelatsche. Kleidung, Style, Fashion, die weiblichen Erdenbürger werden — zumindest in Schlaaand — perfekt auf das Erwachsenwerden vorbereitet. Ich bin so glücklich!

Liebe Eltern, sollten Eure süßen Prinzessinnentöchter trotzdem Berufswünsche wie Astronautin, Tierärztin oder womöglich sogar Autoschrauberin (ih-gitt, das ist doch das mit dem Schmieröl und macht Flecken auf der Kleidung!) werden wollen, ist bei der Erziehung gehörig was schiefgelaufen, aber das lässt sich alles in Ordnung bringen, einfach einmal quer durch das ganze rosapinke Sortiment kaufen und glücklich werden! Wenn dann nicht Berufswünsche wie Model, Pop-Chartdudel-Sängerin, Glamour-Schauspielerin oder Spielerfrau ganz oben stehen, weiß ich auch nicht weiter, ich kann hier ja nicht alle Probleme lösen.

Spielerfrau ist mein Stichpunkt! Wir gucken uns die nächste Perle deutscher Presseerzeugnisse an. Vor ein paar Tagen gab es mal wieder eine kostenlose

Bild-“Zeitung”,

und ich hatte leider vergessen, den schönen Ruthe-Aufkleber an meinen Briefkasten zu pappen:

Aufkleber_von_Ralph_Ruthe

Also hatte ich das potentielle Hundekotaufsammelpapier in meinem Kasten. Wenn es schon mal da ist, gucke ich doch mal rein, sagte ich mir. Wegen der Unerschrockenheit und so. Diese Ausgabe beschäftigt sich mit der Fußball-WM. Ich möchte der Bild-“Zeitungs”-Redaktion einen kleinen Tipp geben, ganz kostenlos:

Lasst doch einfach das nächste Mal Euren Inhalt ganz weg und nur die Werbung drin! Das würde die Qualität ungemein steigern!

Vielen Dank. Und nun zu den Spielerfrauen, die eine ganze riesige, dessous-getränkte Bilderseite in Beschlag nehmen dürfen (seht Ihr, liebe Mädchen, dafür lohnt sich die Beschäftigung mit dem Thema “Topmodels” ungemein, vielleicht werdet Ihr auch mal Spielerfrau und taucht in der Bild-“Zeitung” auf). Cathy Fischer, das ist die Freundin von Mats Hummels, ist gar nicht mal dumm, wie sie betont. Abitur mit der Note 2,0 und BWL-Studium mit 2,3 abgeschlossen, sogar ein Auslandsjahr in den USA hat sie unbeschadet überstanden. Das ist alles toll, toll, toll, aber liebe Mädchen: Um dann als TV-Moderatorin und Mode-Kolumnistin zu arbeiten, braucht Ihr den Abi- und BWL-Quatsch nicht zwingend, sondern vor allem gutes Aussehen und einen berühmten Fußballer als Freund. Lasst Euch nichts anderes einreden!

Nun glaube ich Cathy Fischer wirklich, dass sie nicht dumm ist, aber zum Glück merkt man es dem Artikel nicht an. Wäre ja noch schöner, wenn ich beim Bild-“Zeitungs”-Lesen denken müsste! Sie berichtet kurz und knapp über einige andere Spielerfrauen, und das ist ungefähr so interessant wie ein leeres Caipiglas. Entweder sind die Spielerfrauen extrem lieb, super hübsch oder bodenständig, manchmal auch grazil wie eine Elfe, Müllers haben ein Gestüt und Cathy würde sich trotz Pferdehaarallergie an die Tiere rantrauen, aber nur, wenn Lisa ihr hilft. Anscheinend kann Lisa dafür sorgen, dass Pferdehaarallergie in ihrer Nähe verschwindet?! Auch eine schöne Superkraft. Meine Superkraft ist ja, Caipi in meiner Nähe ganz schnell verschwinden zu lassen, das nur am Rande.

Ihr seht, es ist ungemein wichtig für Mädchen, die richtigen Berufe anzustreben. Für diesen superlieben, zuckersüßen, bodenständigen Artikel hat Cathy Fischer vermutlich mehr Geld bekommen (beinahe hätte ich “verdient” geschrieben, hahaha, ich kleines Scherzkeksmonster, ich) als eine Krankenschwester für 50 Nachtschichten.

Ich hoffe, mit dieser Zusammenfassung der wichtigsten Pressemeldungen seid Ihr nun gut für was auch immer gerüstet.

Liebe Grüße

Eure fürsorgliche, mega-bodenständige Weltherrscherin

Das war ja mal…

… ein merkwürdiger “Tatort” gestern Abend in der ARD. Ist dem Sender das Geld für Actionszenen ausgegangen? Nichts gegen Experimente, aber 90 Minuten lang 2 Verdächtige von 4 Ermittlern verhören zu lassen, das war schon etwas langatmig. Auch hätte man die Charaktere der Kommissare besser herausarbeiten können. Typ einsamer grauer Wolf, okay, nichts gegen einzuwenden, aber so müde? Den beiden Frauen fehlte es an Biss, und der Typ ohne Krawatte — sollte der für den Humor sorgen? Es ist noch ein langer Weg bis zu Thiel & Boerne…  Und alle waren sie so lieb zu den Verdächtigen. Kein “good cop, bad cop”-Prinzip zu erkennen.

Auch vermisste ich die Leiche, wobei zumindest im Laufe der Sendung klar wurde, wofür die beiden Verdächtigen in die sanfte Mangel genommen wurden: Sie sollen die gute Politik gemeuchelt haben. Schon nach kurzer Zeit, wenn nicht sogar vorher, war klar, dass die Ermittler die richtigen Verbrecher im Verhörzimmer sitzen hatten. Für Freunde des gepflegten Mitratens war dieser “Tatort” definitiv die falsche Wahl.

Irgendwie kamen mir die beiden Verdächtigen übrigens bekannt vor…

Da das alles andere als ein packender Krimi war, zappte ich ein bisschen durch die Programme. Qualitätsmedienleistung auf Privatsender, da ist ProSieben ja immer erste Wahl. Dort lief gerade “Schlag den Raab”, und zwar die Kandidatenauswahl. War recht langweilig: Die Jury, bestehend aus vier Personen, stellte einer Frau und einem Mann harmlose Fragen. Ab und zu wurde ein Zeitmesser eingeblendet. Vermutlich ging es darum, wer mehr oder weniger oder schneller oder weiß-der-Geier-was phrasig daherquatschen kann. Strategie der Frau war es wohl, den Raab komplett einzulullen und so die Million (oder wie viel gibt es dort zu gewinnen, ich habe keine Ahnung) zu gewinnen. Der Mann dagegen verweigerte teilweise Auskünfte. Ob das eine kluge Strategie ist? Selten so eine langatmige Kandidatenauswahl gesehen. Kein Wunder, dass der Raab seine Sendungen immer mehrere Tage überzieht.

Irgendwie kamen mir die Kandidaten übrigens bekannt vor…

Ich habe dann weitergeschaltet, RTL lohnt ja auch immer einen genaueren Blick. Aha, da lief eine Talkshow, anscheinend ein neues Konzept: Vier Moderatoren, zwei Gäste. Da es sich um RTL handelte, hieß das Thema vermutlich “Ich hatte einmal Sex mit dieser Frau, und nun habe ich rausbekommen, dass 9 ihrer 10 Kinder nicht von mir sind! Diese Schlampe!” Oder so ähnlich. Während sich die Frau bemühte, ihren Ex-Lover mit unkonkreter Politik (!!!) in den Schlaf zu reden, sah dieser eher so aus, als wäre er bereit, mindestens neun Kinder bei lebendigem Leib zu verschlingen. Oder zumindest ein kleines Kotelett. Das war bestimmt so ein Reality-Script-Gedöns, so etwas gibt es doch nicht in echt.

Irgendwie kamen mir die beiden Gäste bekannt vor…

Das war mir gestern alles zu viel, man kann doch das Wochenende nicht so unharmonisch ausklingen lassen. Worauf kann man sich verlassen, wenn einem der Sinn nach Romantik steht? Das gute alte ZDF. Da läuft Sonntag abends doch immer was von Pilcher & Co. Und ja, so auch dieses Mal! Ich wurde nicht enttäuscht. Das Setting war etwas seltsam, ein Studio, vier Moderatoren, das Paar, das sich noch finden musste, gegenüber. Ein flapsiger Mann bemühte ständig die Begriffe “Große Koalition” und bemühte sich herauszufinden, was denn getan werden müsse, damit es zu einer solchen käme… Ich vermisste so ein bisschen das Cornwall-Ambiente, aber man kann nicht alles haben, diese exotischen Drehorte kosten ja auch immer wahnsinnig viel Geld. Mann und Frau sträubten sich jedenfalls sehr gegen ihre Liebe, aber wir wissen ja, dass bei Pilcher & Co. immer alles gut wird. Leider schlief ich ein, bevor das Happy End gesendet wurde, aber man kann nicht alles haben.

Irgendwie kam mir das Liebespaar in spe so verdammt bekannt vor…

Highlight des Abends, auch für die Fashion-QUEEN (also mich): Die Schlandkette! Sie war in jeder Sendung vertreten, es handelt sich hierbei um ein absolutes Must-Have-Accessoire! Darauf eine Runde scheiß Herzchen: ♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥

Zum Schluss noch der Hinweis, dass der FDP ein kleiner Fehler unterlaufen ist — kommt selten vor bei der Partei, normalerweise sind die Fehler ja groß. Dieses Wahlplakat ist unvollständig:

plakat

Zum Glück gibt es ja mich, die FDP-Freundin, die den Fehler sofort ausgebügelt hat. Hier die korrekte, vollständige Version:

FDP_Plakat_optimiert Kopie

Nix zu danken, liebe FDP. Ich helfe, wo ich kann.

Bescheuert

Ich hoffe, Ihr guckt auch gerade brav den oberwichtigsten Brennpunkt aller Zeiten, der gerade läuft:

Wetterbrennpunkt

Oh, es ist Sommer. Oh, es ist warm. Oh, teilweise sogar sehr warm. Oh, wat ‘ne Überraschung. Oh, es gibt sogar teilweise heftige Gewitter. Oh, wat bin ich überrascht.

Allerdings ist dieses nicht der überflüssigste Brennpunkt aller Zeiten, das war wohl der, in dem über Ballacks Verletzung vor der WM in Südafrika berichtet wurde. Und das sage ich als Fußballfan.

Arrgh, einfach nur arrgh.

Geschichtsunterricht

Hefte raus, wir halten jetzt mal eine Geschichtsstunde ab. Unser heutiges Thema:

Das Frauenbild im Wandel der Zeit.

Ganz modern, wie wir hier in diesem Wissenschaftsblog nun mal sind, bedienen wir uns der Videoanalyse.

Eine alte Dr.-Oetker-Werbung aus den Fünfzigern:

Wir fassen zusammen:

“Backen macht Freude!” “Sie hat es viel besser als er, sie darf backen!” (Hm, hm, mir bereitet Backen überhaupt keine Freude, im Gegenteil, ich finde Backen sehr langweilig, und selbst Fertigbackmischungen überfordern mich.)

“Eine Frau hat zwei Lebensfragen: Was soll ich anziehen und was soll ich kochen?” (Meine Lebensfrage ist eigentlich eher: Welchen Cocktail trinke ich heute? Caipi? Cuba Libre? Mojito? Es sind noch Limetten da!)

“Und das Allerwichtigste für ihn ist der Pudding!” (Hat Rahm nie erwähnt! Ich melde daher leise Zweifel an.)

“Kuchen macht Männer sanft und verträglich!” (Ha! Wenn ich zu Rahm sage, dass ich ihm einen Kuchen backen möchte, wird er nicht sanft und verträglich, sondern versucht mich mit allen Mitteln, davon abzuhalten! Irgendwas stimmt doch hier nicht!)

Resümee: Die Frauen in den Fünfzigern waren anders als ich. Bestimmt haben die auch regelmäßig ihre Fenster geputzt, diese Vogelkillerinnen!

Doch es ist nicht alles Friede, Freude, Oetkerkuchen gewesen. Auch nicht in der Wirtschaftswunderzeit. Denn manche Frauen waren durchaus gestresst. Wir blicken auf diesen Werbespot:

Da lehnt sich die Frau doch tatsächlich gegen den Chef auf! Aber: “Frauengold nehmen!” Schon steht Madame demütig vor dem Herrn Direktor und entschuldigt sich kleinlaut.

Ich brauche diesen Stoff! Am besten gleich in der Größe einer Nebukadnezar-Flasche! (Oder bin ich mit 15 Litern noch zu zaghaft rangegangen?) Alles andere reicht für die Anstalt nie und nimmer aus!

Noch einer zum Thema:

“Bist Du etwa nicht mehr so hübsch wie damals?” (Do-hoch, ich halte meine Hässlichkeit auf hohem Niveau!)

“Frauengold schafft Wohlbehagen — wohlgemerkt an allen Tagen!” (“Wohlbehagen”, welch schönes, altes Wort…)

Bevor Ihr nun alle in die Apotheke rennt, vergesst es. Das Zeuchs gibt es nicht mehr. Anfang der 80er wurde der Stoff aus dem Handel genommen, da er krebserregende Stoffe erhielt. Nee, dann doch lieber die Nervenzusammenbrüche in der Anstalt durchstehen…

Wir springen in der Zeit vorwärts in die siebziger Jahre:

Der gute alte 7. Sinn. Nein, es handelte sich hierbei nicht um eine Satiresendung! Es war alles ernstgemeint!

“Frauen fahren meist vorsichtiger, weil ihnen die Übung fehlt. Sie behindern dann den fließenden Verkehr.” (Ja, da ist es mir viel lieber, wenn ein männlicher Autofahrer bei Rot mit mindestens 120 Sachen ohne Rücksicht auf Fußgänger drauflos kachelt und mich beinahe überfährt, wie vor einigen Tagen erst erlebt, denn immerhin: Er hat den fließenden Verkehr nicht aufgehalten! Alleine das zählt! “Alles fließt” wussten schon die alten griechischen Philosophen.)

“Viele Frauen scheuen das Anlegen des Sicherheitsgurtes, weil sie Angst um ihren Busen haben.” (Das wird’s sein… Männer haben sich damals, als es noch kein Bußgeld kostete, bestimmt immer brav angeschnallt.)

Resümee II: Das Frauenbild hat sich entscheidend gewandelt, welch ein Glück, dass heute diese Klischees der Vergangenheit… Ähm, Moment, meine Emanzenmonsterin weist mich da gerade auf etwas hin:

KlischeealarmDiese Werbung ist aktuell auf deren Website zu bestaunen. Im Jahre 2013.

Oder hier:

Arrgh

Arrrgh! Früh übt sich, was perfekt in Schubladendenken werden will (muss).

Allenthalben weiß man voll Bescheid:

Jungsgesöff

Jungs sind also gern mit Freunden unterwegs und treiben gern Sport. So weit, so super.

Und was ist mit Mädchen?

JungeMädchen

Die leben lieber in Märchenwelten. Das hat eine Trend-Tracking-Studie (kotz… ähm, tschuldigung) eindeutig ergeben, dann wird es ja wohl stimmen, denn bekanntlich sind alle Studien und Statistiken immer korrekt, selbst die, die sich widersprechen.

Mich erinnert das an meine Kindheit: Ich bekam immer Puppen geschenkt, obwohl ich mit Puppen überhaupt nichts anfangen konnte. Die staubten schön im Zimmer vor sich hin, während ich neidisch auf die tollen Spielsachen meines Bruders war. Aber, Ihr Werbefritzen und Marketingverantwortliche, das war in den 70ern!!! (Die tollen 70er… 1977 wurde übrigens endlich das Gesetz abgeschafft, dass Frauen ohne Zustimmung des Mannes nicht arbeiten gehen durften!)

Denen hier möchte ich ja zumindest noch einen gewissen Sinn für Ironie zugutehalten. Nicht so ganz gelungen, aber na ja… Die Werbung für die ARD-Sportschau in den letzten Jahren fand ich noch missglückter, da hat man wohl nicht mitbekommen, dass mittlerweile auch viele Frauen Fußballfans sind…

Wer noch mehr Beispiele haben möchte, kann hier bei “Ich kauf das nicht” mal gucken, daher habe ich auch meine Beispiele, die sonst womöglich an mir vorbeigegangen wären, so wenig, wie ich noch von Werbung mitbekomme…

Yippie-yippie-yeah, ich ziehe mich nun zurück in meine rosaplüschige Märchenwelt und träume davon, dass ein Märchenprinz kommt und mich aus der Anstalt befreit! Diamantenschmuck! Shopping! Nie mehr SAP! Und keine autofahrenden Frauen, die mich via Türaufreißen vom Rad holen, denn ich werde natürlich dann immer von einem Chauffeur in die Shopping Malls dieser Welt kutschiert… *trääääummmmm*

Was ist das?

Pengpengpengbummfuckknallwummsfuckpengpeng

Richtig, Ihr habt es alle erkannt: Der “Tatort” vom letzten Sonntag, zusammengefasst in 42 Zeichen. Ja, genau, der Til-Schweiger-Tatort. Ich habe ihn geguckt, denn ich bin nun mal ein neugieriges Monster. Hat jemand von Euch ihn auch gesehen?

Ich sach mal so: Ich bin zumindest dran geblieben. Der Assistent von Schweiger bzw. von Nick Tschiller, wie er im Film hieß, war noch das beste. Til Schweiger ist halt Til Schweiger, entweder man mag ihn oder nicht. Ich werde wohl kein Fan mehr… Ich meinte einen flüchtigen Augenblick lang, den Anflug eines zweiten Gesichtsausdrucks bei ihm entdeckt zu haben, vielleicht war es aber auch nur eine kurze Augenmigräne. Man weiß so wenig.

Dass er immer mindestens eine seiner Töchter mit unterbringen muss, scheint unvermeidbar zu sein. Wozu bloß? Reicht das Geld in der Familie nicht?

Die Szene mit “Ich kann keine weichen Eier kochen” hat mich zumindest etwas zum Grinsen gebracht. Vielleicht, weil ich mich seelisch aufgebaut fühlte — es gibt jemanden, der noch schlechter als ich kochen kann! (Jetzt sagt nicht, dass das nur im Film so sei. Demotiviert mich bitte nicht! Ich brauche Streicheleinheiten, keine Kloppe!) Wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich weiche Eier könnte, denn ich esse meine immer hartgekocht. Dieses Labberzeuchs, womöglich noch fast flüssig, mag ich nicht.

Immerhin: Die Elbphilharmonie-Baustelle war mal zu was nütze! Wenn der NDR die jetzt ca. 1 Million-mal für gutes Geld als Kulisse bucht, hat die sich vielleicht sogar in 87 Milliarden Jahren amortisiert.

Mit “Kommissarin Lund” konnte dieser “Tatort” jedenfalls nicht mithalten, mag auch daran liegen, dass ich nicht so viel Wert auf Action lege. Wobei ich bei “Lund” das Ende irgendwie unbefriedigend und unlogisch fand, aber ansonsten waren es wieder fünf spannende Folgen. Leider die letzten…

Ach ja: Wer bringt Til freiwillig schonend bei, dass häufiges “Fuck”-Sagen leider nicht dazu führt, Rahm Emanuel ähnlicher zu werden? Eine brutale Wahrheit, ich weiß. Blöd, dass er in diesem Blog über Rahms ständige Flucherei gelesen und diese falsche Schlussfolgerung gezogen hat, aber damit konnte ich nun wirklich nicht rechnen, oder?

Wird mal wieder Zeit für einen “Tatort” aus Münster. Das sind die besten! (Auch wenn der letzte etwas zu sehr gewollt klamaukig gestrickt war, aber selbst ein etwas schwächerer Münsteraner “Tatort” steckt noch viele andere in die Tasche.)

Realsatire

In der “ZEIT” von letzter Woche wurde das Thema “Zukunft des Journalismus” durchgekaut. Unter anderem wurden Medienmanager und Journalisten gefragt, wie guter Journalismus überleben kann:

Guter Journalismus wird immer überleben, egal auf welcher Oberfläche er die Menschen erreicht. Denn sie dürsten nach Informationen, Einordnungen, Geschichten. Frei nach Mathias Döpfner: Eine gute Geschichte ist eine gute Geschichte ist eine gute Geschichte…

Auch interessant ist die Antwort auf die Frage, wie man sich denn dafür einsetzen würde:

Wie in den vergangenen zwölf Jahren werde ich meine Redaktion auch in der Zukunft antreiben, ermutigen, quälen, provozieren, herausfordern und niemals lockerlassen – mich also nie mit dem Erst-, Zweit- oder Drittbesten zufriedengeben.

Das klingt ja beim ersten Lesen alles gar nicht so unvernünftig. Zur Realsatire wird das Ganze, wenn man weiß, wer sich derartig geäußert hat:

Kai Diekmann. Genau. Der Chefredakteur der Bild-“Zeitung”.

Wobei der letzte Satz mit dem “… nie mit dem Erst-, Zweit… blabliblubb… zufriedengeben” an Ehrlichkeit nicht zu übertreffen ist. Der Gute ist bekanntlich erst zufrieden, wenn seine “Zeitung” mit dem Allerletzten gefüllt ist…
(Quelle.)

Und dann war da noch die 22-jährige Studentin, die in dem “Bunga-Bunga”-Prozess gegen Silvio “3,5 Zentimeter” Berlusconi als Zeugin aussagte, dass sie auf den Partys nie “Szenen sexueller Natur” gesehen habe. Statt dessen hätte sich Berlusconi gern über Politik unterhalten.

Sag ich doch. Der Berlusconi hatte das Licht ausgeschaltet, damit die Frauen das kurze Elend (hier als “Szenen sexueller Natur” bezeichnet) nicht sehen können! Und dann noch die perfide Methode, die Frauen mit Gefasel über Politik abzulenken!

Hallo, Herr Berlusconi! Bevor Sie wieder in meine Sprechstunden kommen, besuchen Sie bitte unbedingt die Penispedia! Und nehmen Sie den Diekmann gleich mit.

Und da sage noch mal einer, die Erde sei kein Irrenhaus. Es wird wirklich Zeit für meine Weltherrschaft. So kann es ja nun wirklich nicht weitergehen!

(Fast) ausgeglichen…

Im letzten Spiegel war ein Test, ob man eher introvertiert oder extrovertiert ist. Bei mir ist das quasi fast ausgeglichen:

Von 15 “Introvertiert”-Fragen habe ich nur 13 ankreuzen müssen, dafür bei den “Extro”-Fragen (auch 15), die Wahnsinnsmenge von 1. Also alles im schönsten Gleichgewicht. ;-)

So in etwa war mir das vorher schon klar, ich weiß ja einigermaßen, wie ich ticke. Das ist doch wenigstens mal ein deutliches Ergebnis, nicht so’n Wischi-Waschi-Kram. :-)

Und jetzt können wir darüber nachdenken, wohin der Weg des ehemaligen Sturmgeschützes der Demokratie hinführen wird, wenn die jetzt auch mit solchen Tests anfangen… Manchmal frage ich mich, was Augstein sagen würde, wenn er aus dem Grab springen könnte und ihm jemand einen aktuellen Spiegel in die Hand drücken würde. Wobei der Artikel über “die Unauffälligen” ansonsten nicht so schlecht war, einiges war recht interessant. Immerhin wurden mal solche Aktivitäten wie Brainstorming und Gruppenarbeit kritisch beleuchtet. Das ständige Gefasel von Teamwork ging mir schon immer auf den Keks… Häufig passt das gar nicht, aber Hauptsache, es steht in jeder Stellenausschreibung, selbst, wenn man hinterher sein eigenes Aufgabengebiet beackert und nur in Ausnahmefällen in einer Gruppe arbeitet. Idiotisch.

Ich bin ja so froh…

… dass die “Tagesthemen” (geht um die Sendung, die eben in der Halbzeitpause lief) wissen, was die wichtigste Nachricht im Lande D ist. Nein, nicht das bisschen Aufstand in Syrien. Oder diese kleinen Unstimmigkeiten zwischen Israel und Iran. Die winzige Wirtschaftskrise ist es natürlich auch nicht. Sondern:

Kfz-Kennzeichen! Ramsauers Idee, den Städten und Gemeinden hier künftig freie Hand zu lassen.

Mal ehrlich: Es ist schon schlimm genug, dass sich diese Regierung mit derartig unwichtigem, überflüssigem Scheiß beschäftigt und dafür Zeit und Geld verbrennt. Dass aber in den “Tagesthemen”, immerhin öffentlich-rechtliches Nachrichtenfernsehen, auf das man dort doch so stolz ist, dieser Schwachsinn die allererste Meldung ist — das haut mich um.

Muss die Hitze sein… Hoffentlich.

Wirre Träume (6)

Heute Nacht war es mal wieder so weit: Ich habe einen meiner wirren Träume einigermaßen gut in Erinnerung behalten.

Ein Fernsehsender, welcher weiß ich nicht, aber es muss einer der Schrott-Privatsender gewesen sein, hatte mal wieder ein Trash-Format allerletzter Güte präsentiert. Es ging darum zu zeigen, wie Menschen reagieren, wenn sie einen anderen aus einer gefährlichen Situation retten sollen. Natürlich alles gestellt, was aber der unfreiwillige Hauptdarsteller nicht wusste. Folgendes Szenario: Ein Junge, ca. 10 – 11 Jahre, wird in ein großes Kellergewölbe gesperrt. Sein Nachbar soll ihn retten. Der Nachbar sieht in etwa aus wie Otto Rehhagel, nur viel kleiner (schätze so ca. 1,50 m) und mit sehr solariumgebräunter Haut. Der Junge mag den Nachbarn nicht, weil der seine Mutter angebaggert hat, nichtsdestotrotz eilt der Nachbar dem Söhnchen zu Hilfe.

Erste Szene: Ein schummriger Kellerraum mit einem großen Schrank und mehreren kleinen Schränken. Der Typ sucht in allen Schubladen, in denen ein Mensch aber gar nicht reinpassen würde — es sei denn, kleingeschnetzelt –, nur in den großen Schrank, dem einzigen geeigneten Versteck im Raum, guckt er nicht. Eine Stimme flüstert: “Schrank! Schrank!” Nun endlich öffnet Winz-König-Otto-Double diesen Schrank, dort befindet sich der Junge aber leider auch nicht.

Dann wird gezeigt, wie er durch das Kellergewölbe irrt, letztendlich kommt er zu einem großen Raum. Als er die Tür öffnet, wird er von einer ganzen Horde fröhlicher Kinder begrüßt. Danach bin ich aufgewacht.

Ein interessantes neues Fernsehformat, ich sehe schon die einschlägigen Produzenten bei mir Schlange stehen. Zwar gibt es Logiklücken — wie überzeugt man einen Menschen glaubhaft, dass sein Heldenmut gefragt ist, warum stutzt er nicht, wenn im Keller flüsternde Stimmen zu hören sind? — aber das ist ja völlig egal. Leichtgläubige Menschen, die man vorführen kann, finden sich immer, siehe Schwiegertöchter oder Schwiegersöhne gesucht oder wie das heißt. Nachdem es aus der Mode gekommen ist, körperlich stark von der Norm abweichende Menschen als Monster auf Jahrmärkten zur Schau zu stellen, musste ja dringend für Ersatz gesorgt werden, oh lasset uns dem Müllfernsehen aus tiefstem Herzen danken, dass wir auch heute noch etwas zum Begaffen haben…

(Auf die Gefahr hin, damit dem einen oder anderen auf die Füße getreten zu haben: Es gefällt mir nicht, dass naive Menschen dem Unterhaltungsmoloch zum Fraß vorgeworfen werden. Wenn Viertelpromis für 50.000 Euro in den Dschungel gehen und ordentlich veräppelt werden, ist das völlig okay, aber mit den Hoffnungen von Menschen, die im Leben eh schon die Arschkarte gezogen haben, zu spielen, finde ich armselig. Ich habe dieses Schwiegerdingens-gesucht zwar noch nie gesehen, aber mir reichen schon die Kommentare, die ich in den Facebook-Statusmeldungen teilweise mitverfolge, um zu ahnen, woher der Wind weht… Und dass der Fernsehsender einfach nur helfen will, möge mir bitte keiner erzählen…)