In dieser in großen Abständen erscheinenden Reihe erzähle ich Wissenswertes über die Monsterhaltung für Monsterbesitzer oder solche, die es werden wollen. Wobei der Glaube, dass man die Monster besitzt, in die Irre führt. Es ist umgekehrt. Alles andere ist eine nette Illusion…
Heute betrachten wir aus aktuellem Anlass das Thema Aufklärung, sprich Monstersex. Eigentlich ist das alles kein Problem. Das Monster an sich wächst heran und hat irgendwann Sex, Aufklärungsgespräche sind nicht notwendig, sie erforschen alles allein.
Eigentlich.
Es sei denn, man hat ein spezielles Monster. Ein Monster, welchem eingeredet wurde, dass ein Aufklärungsgespräch nötig sei. Natürlich besitze ich so ein besonderes Exemplar. Es ist Ralphsroteslieblingsmonster. Ralph erwähnte neulich, dass es Zeit für ein entsprechendes Gespräch wäre.
Nun denn, je eher daran, desto eher davon. Also schnappte ich mir das Monster.
Ich: “Das ist jetzt das Aufklärungsgespräch, das Du unbedingt haben wolltest.”
Rotes Monster: “Aber ich würde das Gespräch lieber mit Ralph führen!”
Ich: “Nein, er hat gesagt, ich solle das erledigen.”
Rotes Monster: “Wenn Ralph das gesagt hat, ist das natürlich völlig in Ordnung.”
Ich: “Also… Da sind die Bienen und die Blüten, und die Bienen fliegen zu den Blüten…”
Rotes Monster: “Wieso reden wir denn jetzt über Imkerei?”
Ich: “Imkerei ist ein großartiges Hobby! Und wichtig. Vor allem muss man daran denken, die Bienen vor der Varroamilbe zu beschützen, da gibt es mehrere Methoden…”
Rotes Monster: “Aber wir wollten doch über Sex reden!!!!”
Ich: “Ach so, ja… Ich habe eine Idee! Ich kenne da jemanden, der Dich aufklären wird, so von Mann zu männlichem Monster! Das wird was!”
Und wer ist derjenige, der mir vorschwebte? Es kann nur einer sein! Der Mann der von allen Sexgöttern des Universums bewundert wird. Der Berlusconis Drei-Stunden-Sex-Angeberei süffisant mit “Drei Stunden, das reicht ja gerade für einen Quickie” kommentierte (bevor Panik ausbricht: Er meinte das witzig. Ein bisschen). Der Mann, der nach einem Triathlon… und davor sowieso… aber lassen wir das.
Ihr alle wisst, von wem ich rede. Es ist natürlich *trommelwirbel-tusch-tadaaa*
Rahm Emanuel!
Wie es der Zufall will, bin ich ja seine persönliche Beraterin, was lag also näher, als ihn um dieses Gespräch zu bitten. Natürlich sagte er sofort bereitwillig zu.
Rahm: “Jetzt? Mitten in den Budgetplanungen für 2012? Das ist sehr ungünstig!”
Ich: “Bei den Budgetplanungen kann ich Dir ja helfen! Wir können unsere nächste Besprechung etwas verlängern.”
Rahm: “Kennst Du Dich überhaupt mit Budgetplanung aus?”
Ich: “Klar! Ich bin doch Deine Beraterin, da werde ich mich ja wohl mit Budgetdingsdazeuchs auskennen! Das ist nicht nur meine Welt, sondern mein Universum! Hachz, Budget… äh… dingens!”
Rahm: “Hm… Sicher? Es geht hier um ein Thema, das sehr von Zahlen geprägt ist. Zahlen mit vielen Stellen.”
Ich: “Zahlen! Super! Ich bring Excel mit! Das wird großartig!”
Rahm: “Na gut, wir verlängern die nächsten 10 Besprechungen um jeweils 2 Stunden, also schick das Monster vorbei.”
Gesagt, getan! Und während das Monster bei Rahm war, griff ich mir schnell die Bücher
- “Was ist was? Budgetplanung für dumme Monster ganz einfach erklärt” und
- “Was ist was? Zahlen mit ganz vielen Stellen richtig ausgesprochen, für dumme Monster ganz einfach erklärt”
Sucht diese Bücher nicht im Handel. Das ist eine Sonderedition, die extra für mich geschrieben wurde.
Stunden später kam das Monster mit einem riesigen Packen Papier zurück. Rahm ist also nicht nur in der Praxis, sondern auch in der Theorie sehr gründlich. Das rote Monster war recht aufgeregt und plapperte sofort los.
Rotes Monster: “Der hat ja eine unheimliche Ahnung, der Mann! Vermutlich fast so viel wie Ralph. Ich weiß jetzt jedenfalls richtig gut Bescheid!”
Ich, die despektierliche Vermutung des Monsters überhörend: “Schön. Ich wünschte, ich könnte das über Budgetplanung auch sagen.” Genervt schmiss ich das “Was ist Was”-Buch in die Ecke und notierte mir, eine neue Edition mit dem Titel “Was ist was? Budgetkrempel ganz einfach erklärt für besonders extrem dumme Monster” in Auftrag zu geben.
Rotes Monster: “Ich brauche einige Sachen! Ein paar 1000er Packungen geriffelte Kondome, ein Büro ohne Fenster, ein Büro mit Jalousien vor den Fenstern, einen stabilen Schreibtisch, einen Konferenzraum, einen stabilen Konferenztisch, alle Räume abschließbar, ein geräumiges Auto mit getönten Scheiben, ein Kornfeld, eine lauschige Hütte im Wald, einen…”
Ich: “Ja, bekommst Du alles, kein Problem.” (Es ist also nicht nötig, vorwurfsvoll zu kommentieren: “Was, mein Monster hat dies und das und jenes nicht?”, Herr DarkJohann.
)
Während ich der Aufzählung lauschte und einige der Zeichnungen anschaute, die Rahm angefertigt hatte, kam Ralphsroteslieblingsmonster irgendwann tatsächlich mal zum Schluss. “Was ich aber laut Rahm ganz dringend, am allerwichtigsten und überhaupt brauche, das ist eine persönliche Beraterin!”
Ich: “Das ergibt Sinn. Wozu sonst der Konferenzraum, hm?”
Rotes Monster: “Ich habe auch schon eine Anzeige aufgegeben! Guck mal!”
“Rotes Monster sucht persönliche Beraterin für Besprechungen.”
“Gut, oder?”
Ich: “Hm… ja.”
Ich gebe zu, dass ich skeptisch war, denn die Annonce lief in der Rubrik “Stellenanzeigen”, so dass die Gefahr bestand, “Besprechungen” missverständlich zu interpretieren, doch meine Bedenken waren unbegründet, denn schon wenige Tage später trudelte eine Bewerbung ein. Kurze Rede, langer Sinn: Eine Bewerberin, aber was für eine! Absoluter Knaller! Volltreffer! Epochal! Wir luden sie sofort zu einem Vorstellungsgespräch ein. Leider verließ Ralphsroteslieblingsmonster der Mut, aber das ist ganz natürlich, es ist ja noch so jung. So stellte also ich die Fragen, um die Kompetenz zu ermitteln.
Ich: “Zählen Sie drei Dinge, die bei Besprechungen wichtig sind, auf.”
Bewerberin: “1. ein stabiler Schreibtisch, 2. kein PowerPoint, sondern nur Power, 3. die Länge. Also die Dauer der Besprechung, meine ich natürlich.”
Ich: “Perfekt! Sie sind für eine Probezeit eingestellt.”
Was für eine Freude. Ralphsroteslieblingsmonster testete gerade den Konferenztisch, den ich beschafft hatte, als ich die gute Nachricht überbrachte:

Aber nun wollt Ihr bestimmt erst mal ein Foto seiner persönlichen Beraterin sehen, stimmt’s? Okay, hier ist sie!

Ist die gigantisch? Habe ich zu viel versprochen? Diese glubschigen Augen! Der Riesenmund! Einfach genial! Monströs! Sie heißt übrigens Stanislava Stielauge.
Tja, wie ich bereits sagte, ein Volltreffer. Es läuft gut zwischen den beiden, Stanislava ist sehr angetan von der Kreativität des roten Monsters, aber das ist ja auch kein Wunder — bei dem Lehrmeister.
Apropos Lehrmeister, ich bin dann mal in einer Besprechung…