Caipi. XXL-Caipi!

Gestern blaue Fragmente im Himmel über Hamburg gesichtet. Was soll das? Wo war das trübe graue Wetter hin, ich war doch noch nicht fertig damit, die verschiedenen Grautöne am Firmament zu katalogisieren und auswendig zu lernen. Heute ist meine Welt wieder in Ordnung. Grau. Nieselregen. Perfekt.

Festgestellt, dass Rasputin, seines Zeichens Wohnzimmersatanswolf, Mandarinen mag. Nun auch beim Mandarinenessen einen aufmerksamen Hundeblick als Gesellschaft, der fragt: Fällt noch ein Stück runter?

Von Gina lobend erwähnt worden, doch harrt die Frage:

Wie kann einem nur täglich so viel Schwachsinn einfallen?

noch einer Beantwortung. Hier muss ich um etwas Geduld bitten, denn mir ist bis dahin gar nicht aufgefallen, dass ich Schwachsinn verzapfe, mir kam hier alles völlig normal und durchschnittlich vor. Es liegt an der Irrenanstalt. Gina sagt das auch. Dort flöße ich übrigens einer Kollegin mit meinen Selbstgesprächen Angst ein. Verstehe ich nicht, alle  potentiellen Psychopathen, Amokläufer und Welteroberer führen Selbstgespräche! Da bin ich mir ganz sicher! Warum also Angst vor mir haben? Seltsam. Wo war ich? Wer bin ich? Egal. Zurück zum Schwachsinn. (Ich war niemals richtig fort.) Die Lösung verbirgt sich in Ginas Artikel: Kindercontent! Also verkündete ich in ihren Kommentaren großmäulig folgendes:

Memo an mich: Schnell ein, zwei oder drei superintelligente, genauer gesagt schlaueste Kinder von Welt (bei den Genen ein Kinderspiel!) anschaffen, vielleicht wird’s dann normaler… 🙂 Bevor ich mich diesbezüglich an die Arbeit mache, wünsche ich Dir ein paar schöne, erholsame Weihnachtstage, damit Du im neuen Jahr voll angreifen kannst bei den Rennen.

Das mit den Weihnachtstagen wünsche ich natürlich allen Lesern, und denen, die mit Weihnachten nichts anfangen können, wünsche ich, dass sie die Tage einigermaßen gut überstehen und zumindest die freie Zeit genießen können. Der Kern der Aussage ist aber ein anderer, wie mir erst klar wurde, nachdem Gina folgendes antwortete:

@ Fellmonsterchen: Angesichts Deines Arbeitsplatzes ist das gaaaanz normal, keine Sorge. Viel Spaß beim Kinder machen! Halt uns öffentlich auf dem Laufenden, okay? :-))))

Mir wurde schlagartig bewusst, dass ich da reichlich unüberlegt ein neues Projekt gestartet habe. Eine kurze Recherche im Internet ergab, dass der Weg, auf einen Engel zu warten, der einem eine Schwangerschaft ankündigt, vor ca. 2012 Jahren zuletzt von einer gewissen Maria beschritten wurde. Daraus leiten wir folgende Erkenntnis ab: Es wird nicht nur auf meine Gene ankommen, sondern auch auf die des Mannes, denn ein Engel wird mir sicher nicht erscheinen. Und hier fangen die Probleme an. Ich kann nicht automatisch davon ausgehen, dass sich meine Gene so welteroberungslustig wie ich zeigen und alle anderen Gene übertrumpfen, also brauche ich für dieses Projekt einen exzellenten männlichen Projektmitarbeiter. Zunächst dachte ich: Kein Problem, ich habe ja eh im Januar/Februar mein Praktikum im White House (danach übernimmt Lakritz und Schokolade, falls sie dann noch will), und das Erbgut von Barack Obama kann so schlecht ja nicht sein. Dann fiel mir ein, dass er ja verheiratet ist. Das ist zwar im biologischen Sinn unwichtig wie nur irgendwas, z. B. eine Neujahrsansprache von Frau Merkel, aber für meine künftigen Themen hier ein großes Problem, denn dann werde ich nicht bloggen können, dass der Vater mit unserem  Kind Fußball spielt oder welche Gute-Nacht-Geschichten er vorliest. Die Suche geht also weiter.

Und was das alles mit Caipirinha zu tun hat? An diesem Punkt beschloss ich schlicht und einfach, dass es Zeit für einen XXL-Caipi sei. Und nun kommt die Premiere: Der erste nicht schwachsinnige Beitrag in diesem Blog, das Rezept für einen Monster-XXL-Caipi! Tusch, Triumphmarsch, Konfettiregen!

Was wir brauchen:

1. Einen Stößel, möglichst in XXL-Größe

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Links: Ein herkömmlicher Stößel, 15 cm lang (oder besser: kurz). Daneben: Ein XXL-Stößel mit einer stattlichen Länge von 24 cm. Natürlich kann man auch den kleinen verwenden, aber wir werden noch sehen, warum es mit dem längeren besser funktioniert.

2. Zwei Limetten

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Bitte keine Zitronen verwenden. (Kein Witz, ich habe das mal erlebt.)

3. Ca. sechs Teelöffel brauner Rohrzucker

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Die verwendete Menge ist Geschmackssache, hier muss man zu Anfang etwas experimentieren. Ich habe mit sechs Teelöffeln meine ideale Menge gefunden.

4. Ein Gefäß zum Dosieren des Zuckerrohrschnapses

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Ich verwende ein Schnapsglas. Fragt nicht nach Größe und cl, das geht hier alles nach gesundem Augenmaß. Ich nehme 3 – 4 Gläser, auch hier gilt: Geschmackssache und vielleicht ein bisschen eine Frage des erwünschten Pegels. Heute habe ich mir 3 1/2 Gläser gegönnt.

5. Cachaça (Zuckerrohrschnaps)

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Über die beste Sorte kann man sich wie immer trefflich streiten, sicher ist Pitú nicht die hochwertigste, aber mir schmeckt’s damit. Wie ich oben schon schrieb, ist die Menge Ansichtssache. Meine Meinung: Nicht weniger als drei und nicht mehr als vier Schnapsgläser.

6. Viel Eis (unbebildert, Foto vergessen)

Am Besten Crushed Ice. Es geht auch mit ganzen Eiswürfeln, aber in der zerkleinerten Form kann man besser rumrühren. Ich bereite mir allerdings ab und zu einen Caipi mit ganzen Eiswürfeln zu, so auch heute. In Brasilien ist das so üblich, der Caipirinha verwässert dadurch nicht so schnell.

7. Das Wichtigste! Das XXL-Glas!

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Links: Ein herkömmliches Caipiglas, 0,3 l (oder 0,35? Jedenfalls winzig). Rechts: Ein XXL-Glas!!! 0,5 Liter!!! Längerer Genuss!! Es geht hier ja nicht darum, möglichst viel Alkohol in möglichst kurzer Zeit in sich hineinzuschütten. Aber wenn man mit netten Leuten zusammensitzt und andauernd aufstehen muss, weil der Caipi schon wieder alle ist, stört das die Gemütlichkeit doch sehr. Von so einem XXL-Caipi hat man einfach länger etwas.

Und nun zur Zubereitung. Zunächst werden die Limetten abgewaschen und diese komischen Gnubbel an den Enden abgeschnitten. Danach werden die Guten geachtelt (also so ganz ohne Rechenkünste geht’s nicht, endlich habe ich den Sinn des Mathematikunterrichts erkannt) und ins Glas geschmissen. Danach wird der Rohrzucker ins Glas geschüttet. Nun kommt der XXL-Stößel zum Einsatz. Das Ganze wird ordentlich zermantscht, immer feste druff, damit die Limetten möglichst viel Saft spenden. Beim Stampfen hat sich eine drehende Bewegung sehr bewährt. Das alles geht mit einem XXL-Stößel einfach besser. (Übrigens: Ich glaube, dass Profis erst die Limetten zerstampfen und dann den Rohrzucker hinzufügen, aber meine Methode ist halt die, den Rohrzucker gleich beim Stampfen mit unterzurühren.)

Danach wird das Glas bis zum Rand mit Eis aufgefüllt. Dann die Krönung und auch sonst das Wichtigste: Zuführung des Cachaças. Zum Schluss spendieren wir dem Getränk noch einen oder mehrere Cocktail-Strohhalme (es gibt Menschen, die nicht unter zwei Strohhalmen anfangen zu trinken) und etwas, mit dem man das herrliche Getränk gut verrühren kann.  Geht zur Not auch mit dem Strohhalm, wenn man nix anderes hat. Das Ergebnis könnte so aussehen (hier mit ganzen Eiswürfeln):

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Danach heißt es: Prost! Am Besten entweder in netter Gesellschaft oder bei guter Lektüre genießen. Dazu passt leckerer Knabberkram, zum Beispiel Nachos mit scharfem Dip oder ähnliches.

Lecker, lecker…

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30 Kommentare zu “Caipi. XXL-Caipi!

  1. Caipi zum Fest? Lecker. 🙂

    Dir wünsche ich wunderschöne Weihnachtsfeiertage. Und möge der Caipi nie ausgehen. 🙂

    Herzliche Grüße,

    Frau W.

  2. In Brasilien trinkt man es mit Eiswürfeln!? Endlich. Hat mich immer gestört diese Crushed-Eis-Suppe. Ab sofort bestelle ich immer das Original!

  3. Darf ich in der Küche die Reste aus den Gläsern schlürfen und Eiswürfel ablecken? Ach, ich habe Caipi geliebt… Und diese Kokospampe. Wie hieß die doch gleich? Naja, mal ein paar Wochen und Monate auf die Sauferei zu verzichten, kann nicht das Schlechteste sein.

    Alsdenn: Cheers!

  4. @all: Danke, Ihr Lieben! Ich mache jetzt erst mal wieder ein paar Tage Caipipause, am 29.12. bekomme ich dann sicherlich einen (oder zwei) bei meiner besten Freundin, wir treffen uns zum Raclette-Essen.
    @Verschnaufpause: Hoffe, dass Du damit Erfolg hast. Oder Du machst Dir selber einen, ist ja zum Glück nicht so aufwendig. Oder man könnte direkt nach Brasilien fliegen, auch ’ne Möglichkeit.
    @Gina: Meinst Du Pina Colada?
    (Ihr glaubt es mir wahrscheinlich jetzt nicht, weil ich so oft von Caipi rede, aber ich schwöre, dass ich auch oft wochenlang gar keinen Alkohol trinke oder nur mal ein Glas Wein oder Sekt. So bleibt Caipi, wenn es ihn dann gibt, immer ein kleines Highlight.)

  5. @Gina: Ich werde hier bald mit meinen Suffthemen 😉 durch sein, allerdings muss ich noch einen caipilastigen Beitrag schreiben. Ich habe da ein Weihnachtsgeschenk bekommen, das ich zeigen muss. Und dann wende ich mich wieder nicht-alkoholischen Themen zu. Nacktheit wäre mal so ein Schwerpunkt, den ich hier angehen könnte, damit die Suchenden auf ihre Kosten kommen… 🙂

  6. @WeltdesWissens: Oh, dann komme ich ja gar nicht mehr zu den wesentlichen Dingen, die da heißen: Vermessung des Barack Obama. Aber ich werde so nebenbei mal die Augen offen halten, ob was Gescheites dabei ist. Vielleicht nehme ich auch einfach eine kleine Jury mit? Der Bohlen hatte sich ja auch schon mal fürs Elite-Team beworben. Muhahahaha, er hatte tatsächlich geglaubt, dass er Chancen hätte.

  7. Ohne jetzt sagen zu wollen was besser schmeckt, wollte ich einfach mal schreiben wie in Brasilien Original Caipi getrunken wird. Wie erwähnt ist meine Freundin Brasilianerin und ich war auch schon mal dort, habe also Beweise 😉

    „Leider“ stimmt es nicht dass die Caipi in Brasilien mit ganzen Eiswürfeln getrunken wird. Des Weiteren wird auch kein Rohrzucker benutzt. Ich weiß, das hört sich seltsam an, der Rohrzucker kommt ja bekanntlich von dort und trotzdem hat meine Freundin mir bestätigt: desto weißer und reiner der Zucker umso besser. Beim Cachaça kann man sich, wie hier erwähnt drum streiten, aber 51 ist da hinten sehr beliebt, dass ist dieser hier: http://www.hipersuper.pt/wp-content/uploads/2008/06/cachaca-51-para-verao.jpg

    Ansonsten gibt es eigentlich nicht viel zu sagen was hier nicht schon erwähnt wurde, vielleicht noch dass eine Limone pro Glas benutzt werden soll. Normalerweise schneiden sie die Limone auch in 8 Teile, aber da kann jeder machen wie er will, geht wahrscheinlich nur einfacher. Übrigens kann man nach belieben die Schale von den Limonen trennen ehe man sie zerdrückt, wird halt dann weniger bitter, ist aber Geschmackssache, wird eher seltener gemacht. Mit dem Alkohol sollte man so umgehen dass sie beim Geschmack nicht die überhand nimmt, man trotzdem in ihren Genuss kommt.

    Prost, bei welchem Caipi auch immer 😉

  8. @deGünn: Danke für die Info! Sehr interessant.
    Das Thema mit den ganzen Eiswürfeln ist mir schon hin und wieder auf irgendwelchen Webseiten begegnet, aber ich habe mir die Seiten natürlich nicht abgespeichert; ich kann mich dunkel an eine Diskussion erinnern, wo jemand, der in Brasilien lebt (oder dieses zumindest behauptete), diese Variante vehement verteidigte. Im Wikipedia-Artikel steht das übrigens auch drin, dort gehen die Diskussionen teilweise hoch her. Ich mag beide Varianten, von daher sehe ich die Sache völlig entspannt. Ein bisschen kommt bei mir auch Faulheit dazu, wenn ich nur für mich mal einen Caipi zubereite, zumal mein Eiscrusher öfter mal spinnt.
    Die Sache mit dem Zucker habe ich auch schon häufiger gehört, aber selbst noch nie ausprobiert und deswegen nicht erwähnt. Könnte ich eigentlich mal testen.
    Gibt es in Brasilien eigentlich andere Caipi-Varianten, z. B. mit Mango? So eine hatte ich neulich getrunken, war auch ziemlich lecker.
    Für das Schälen der Limetten würde vielleicht auch die Schadstoffbelastung sprechen… Ob das wirklich der ganz große Bringer für die Gesundheit ist, lasse ich mal dahingestellt. Das ganze Getränk als solches ist ja nicht das gesündeste. 🙂 Hauptsache, es schmeckt.
    Ach, hier habe ich gerade noch was Interessantes entdeckt, wenn auch etwas veraltet.
    http://www.tagesschau.de/schlusslicht/caipirinha100.html
    Einige nehmen die Sache schon sehr ernst.

  9. Ui, Mangocaipi, das klingt lecker 😀

    Warum sollte das in Brasilien auch einheitlich sein, ist ja ein großes Land. Und die regionalen Besonderheiten kennen wir in D ja auch. Das mit dem weißen Zucker finde ich interessant, würde das Mixen doch erleichtern, oder? Zumindest daheim 😀

  10. Das mit dem weißen Zucker werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren.
    Der Mangocaipi war wirklich lecker. Den gab’s in dem von mir eigentlich nicht so geschätzten „schweinischen“ Restaurant. Caipis können die da wirklich gut, jedenfalls in unserem Bergedorfer Schweini. Und dank Happy Hour geht’s preislich auch so einigermaßen.

  11. Interessanter Artikel, muss ich meiner Freundin mal unter die Nase halten 😉 Sie kommt ja aus dem Staat Sao Paulo, also eher südlich. Macht bestimmt auch wieder unterschiede. Aber ich weiß dass ihr Vater eine Korrektion verlangt wenn die Caipi im Restaurant nicht so ist wie er sie kennt bzw. mag. Die schummeln ja oft um Geld zu sparen, sogar in Brasilien.

    Das mit den ganzen Eiswürfeln werde ich ihr heute Abend aber mal berichten.

    Übrigens dass es verschiedene Caipis gibt habe ich schon gehört, kommt in Brasilien immer mehr auf. Die wären auch teilweise, wie hier bestätigt, sehr lecker, aber es geht halt nichts über ein Original. So ist es halt, ob in Deutschland mit dem Bier oder in Brasilien mit der Caipi. 😀

  12. hey
    haben heute einen super caipi getrunken in eíner bar in lagos (portugal)… ^^ leider wissen wir nicht was drin war…
    kennt einer von euch einen black caipirinha bzw. schwarzen caipi???? wär schön wenn uns jemand helfen könnte.. sind danach nämlich schon süchtig… ❤
    (vllt war da ja brombeer drin aber sind uns da nicht sicher.. hat iwie nach brause oder so geschmeckt….)
    lg ronja und annika

Ehrerbietungen hier rein, bitte ;-)

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