Rätsel der Menschheit

Schon vor einiger Zeit führte ich hier die Rubrik „Welterklärung“ ein, gemäß der Weisheit: Wer, wenn nicht die künftige Weltherrscherin, kann die Welt erklären? Millionen andere, aber die haben hier keine Schreibberechtigung. Heute habe ich also wieder ein brisantes Thema mitgebracht. Freut Euch, dass ich mit meinem Projekt „Kinder-Content in diesem Blog“ noch nicht weitergekommen bin. Das ist gar nicht so einfach. Ich hatte Lucius Malfoy in die engere Auswahl gezogen, aber nach dem Unfall mit Draco (Draco als solches war der Unfall) möchte er partout keinen Nachwuchs mehr zeugen. Und den alten Trick mit „Pille vergessen oder austauschen“ kann ich auch ad acta legen — er kennt einen wirksamen Verhütungszauber. (Diese Information war hauptsächlich für Gina bestimmt, die darum gebeten hat, auf dem laufenden gehalten zu werden…)

Mein heutiges Thema lautet:

Außerirdische entführen Menschen — was steckt wirklich dahinter und wie kam es dazu?

Fast alle von Euch kennen das Problem aus eigener Erfahrung: Ein Raumschiff zoomt die Person mittels eines Lichtstrahls ins Innere eines Ufos, der Proband wird ausgezogen und genauestens untersucht, meistens kommt es auch noch zu sexuellen Experimenten. Fast jedem schon passiert, und doch ahnt keiner die Ursache des ganzen, nicht mal Uri Knallgeller. Nur ich kenne die wahren Hintergründe. Das ist nämlich so:

Eines schönen Tages vor ca. 20 Jahren ging ich nachts spazieren. Ich war in meiner Menschengestalt unterwegs, denn damals, als ich mich entschloss, auf dem Planeten Erde heimisch zu werden, hielt ich das für angebracht. Dummerweise suchte ich mir eine ziemlich hässliche Hülle aus (das kommt davon, wenn man auf Rubens-Gemälde guckt und denkt: Oh toll, das sind wohl die Sexsymbole auf der Erde, so eine Gestalt nehme ich!), aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls flog auf einmal ein UFO über meinen Kopf hinweg und saugte mich mittels des berühmten Lichtstrahls ein, Ihr kennt das ja.

Die Entführer waren natürlich, wie konnte es auch anders sein, vom Stamme der Quabbelknurze. Ihr kennt diese Typen, riesige Augen und bleiche Erscheinung. In Area 51 liegt auch so ein Exemplar rum. Ich habe sie sofort erkannt, Knäcke IV hat eine Planetenfreundschaft mit den Jungs, aber sie hatten dank meiner menschlichen Hülle keine Ahnung, mit wem sie es zu tun hatten. Die Quabbelknurze fliegen im gesamten Universum herum, immer auf der Suche nach anderen Lebewesen, die sie analysieren und katalogisieren. Und da sie das besonders gründlich durchführen, ruhen sie nicht eher, bevor sie jede einzelne Kreatur eines Planeten untersucht haben. Das erklärt die Häufung der Vorfälle. Ich dachte jedenfalls: Verdammter Mist! Ausgerechnet!

Denn die Quabbelknurze wollten vor allem eines:

Rezepte.

Keine Rezepte für Arzneien. Kochrezepte. Ich dachte noch mal: Oberverdammter Höllenmist! Es reichte nämlich nicht, die Rezepte aufzuschreiben. Man musste vorkochen!

Also sprach der Oberquabbelknurz zu mir: „Koche! Oder Du wirst gekocht werden!“

Ich überlegte hin und her. Was sollte ich tun? Aber was hatte ich schon für eine Wahl? Ich musste wohl oder übel  (Betonung liegt in diesem Fall eindeutig auf ‚übel‘!) mein Können zeigen. Ich entschloss mich dazu, meine absolute Spezialität zuzubereiten:

Toastbrot. Trocken. Getoastet, nicht gerührt.

Ich bat also die Aliens, auch noch meinen Toaster und ein Paket Weißbrot (vorgeschnitten — Berndi, verzeih mir, ich kannte Dich damals noch nicht!) hochzubeamen. Die Quabbelknurze beäugten mich misstrauisch, aber ich konnte ihnen glaubhaft versichern, dass es sich bei dem Toaster um einen Kochtopf handelte.

Einige Wochen lang ging das gut. Es schmeckte den Quabbelknurzen nicht schlecht, aber die mögen eigentlich eh fast alles, denn sie waren mal zu einem Festmahl auf Knäcke IV eingeladen, und seitdem sind sie nicht mehr so leicht zu schockieren, zumindest diejenigen, die überlebt haben. Dann der Schicksalstag. Für mich und für Euch. Den Quabbelknurzen gelang es nach relativ kurzer Zeit, das Fernsehprogramm der Menschen zu empfangen. Da damals noch nicht auf jedem Kanal -zig Kochshows liefen, passierte zunächst gar nichts. Bis sie Biolek beim Kochen erwischten. Beim richtigen Kochen. Der Quabbelknurz-Boss stellte mich entschieden zur Rede.

Quabbelknurz: „Die Töpfe in dem TV sehen anders aus als dieser Topf!“ Er wies auf meinen geliebten Toaster.

Ich: „Ähm… ja. Ich habe ein Avantgarde-Gerät im Einsatz. Das haben auf der Erde nur ganz wenige. Das ist das Neueste vom Neuen, direkt aus der Zukunft! Ihr solltet stolz darauf sein!“

Quabbelknurz: „Wir wollen auch, was der da macht! Hier! Wir haben einige Töpfe hergebeamt.“

Ich: „Super. Mit so altem Equipment soll ich mich herumschlagen? Und was ist mit den Zutaten?“

Quabbelknurz: „Guter Einwand…“

Ich schrieb den Quabbelknurzen eine Liste mit Zutaten auf, die sie besorgen sollten. Ich notierte zehnmal das Wort „Miracoli“, in der Hoffnung, dass sie nicht merkten, dass es sich immer um das gleiche Gericht handelte. Und es klappte, sie besorgten mir hunderte Pakete. (Zählen ist keine Stärke der Quabbelknurze.) Es gelang mir, die Guten mit Spaghetti einige Tage bei Laune zu halten, und das, obwohl ich auf die anspruchsvolle Zubereitung der Tomatensoße verzichtete. Es gab Spaghetti pur mit ohne alles.

Dummerweise lief eine Woche später wieder diese verfluchte Kochsendung mit Biolek. Und die Quabbelknurze begriffen, dass die langen dünnen Dinger, die sie jeden Tag auf ihren Tellern vorfanden, überhaupt keine Ähnlichkeit mit den Gerichten im Fernsehen aufwiesen. Daraufhin folterten sie mich, und obwohl ich lange durchhielt, brach ich irgendwann doch unter dem Druck zusammen.

(Die CD „Jopi Heesters summt die schönsten Reden Helmut Kohls mit der Kelly Family als Background-Chor“ immerhin 2 Minuten lang ertragen! Tapfer!)

Ich gestand alles. Die Sache mit dem Gemüse. Dass es unterschiedliche Fischsorten gab. Dass man sogar einige Pilze essen kann. Ich warf mit Fachbegriffen wie „schmoren“, „dünsten“, „braten“,  „würzen“, „Kamasutra“ und „Abseits“ um mich. (Mir gingen irgendwann die kochspezifischen Worte aus, deswegen nahm ich Zuflucht zu anderen Begriffen.)

Die Quabbelknurze beschafften umgehend alles, was sie in Feinkostläden vorfanden und plünderten außerdem mehrere Haushaltswarenabteilungen großer Kaufhäuser. Ihr erinnert Euch vielleicht noch an die Schlagzeilen: „Jahrhundertraub! Tausend Steakmesser geklaut!“ usw. Ich versuchte den Quabbelknurzen verzweifelt klarzumachen, dass ich eigentlich ein Fellmonster von Knäcke IV war, aber sie weigerten sich, mir zu glauben und zwangen mich zum Kochen. Zum richtigen Kochen. Ich prügelte also eine Flunder mit einem Steakklopfer flach, schnippelte aus Kartoffeln kleine Pershing-II-Raketen und dünstete die Gurken, während in einem Kochtopf leckeres Sushi vor sich hinköchelte. Die Melonen im Backofen sahen auch richtig lecker aus, zum Anbeißen. Zumindest bis sie explodierten und das ganze UFO-Innere mit Melonenpampe verzierten (das Auge isst schließlich mit, argumentierte ich, und das kann man bei den Quabbelknurzen sogar wörtlich nehmen, denn die essen tatsächlich mit ihren Augen). Egal, Hauptsache, es sah fachmännisch aus. Biolek hätte das auch nicht besser gekonnt.

Ergebnis: Operation geglückt, Aliens tot, Fellmonster gerettet. Sie konnten allerdings vorher noch eine Warnung ins All  senden: Nutzt Menschen nicht für Kochexperimente, sondern nur für anatomische und sexuelle Versuche.

Was lernen wir daraus? Ich bin unter anderem auch deswegen für die Weltherrschaft geeignet, weil ich in der Lage bin, Invasionen feindlich gesinnter Aliens wirkungsvoll entgegenzutreten. (Und eine kleine Krötenarmee ist erst recht kein Problem für mich.)

Das nächste Mal erfahrt Ihr die Wahrheit über das Bermuda-Dreieck.

P. S.: Karotten in einen Toaster zu stopfen, ist keine gute Idee. So wird ein Möhrchensoufflé wohl doch nicht zubereitet. Schade, sollte ’ne Überraschung für meinen Hasengeneral werden…

P. P. S.: Die Quabbelknurze, mit denen ich mich übrigens mittlerweile ausgesöhnt habe, haben mich um etwas gebeten. Ich soll Uri Knallgeller folgendes ausrichten:

„Uri, hör auf, im Weltall rumzufunken, das stört unsere Frequenzen. Und wenn Du uns das nächste Mal via Fernsehshow rufst, kommen wir wirklich runter, fesseln Dich und befestigen Dich als Kühlerfigur auf unserem UFO. Mit freundlichen Grüßen, Volk der Quabbelknurze.“

alien

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13 Kommentare zu “Rätsel der Menschheit

  1. @Fallen Angel: Aber so ist es doch viel besser. Alle, die bisher an den Experimenten teilnehmen durften, waren voll des Lobes. Vor allem die Hausfrauen, die sowieso jeden Tag kochen müssen, sind doch für etwas Abwechslung dankbar, stell Dir mal vor, die werden von Aliens entführt, und was sollen sie machen? Wieder nur kochen… Die Quabbelknurze haben im ganzen Universum einen extrem guten Ruf als Liebhaber.
    Sollte jemand schlechte Erfahrungen gemacht haben, waren das nicht die Quabbelknurze, sondern irgendwelche anderen Außerirdischen, damit habe ich aber nix zu tun. Die hat vermutlich der Uri Geller angelockt.

  2. Großartig! Zum Niederkniend 😀

    Wieder ein großes Rätsel der Menschheit gelöst, ich freue mich auf die Fortsetzung der Reihe!

    Ach, und die neuen Icons sind super, ich habe mir das des Eliteteams gleich stolz ins Blog geklebt!

  3. Danke für die Info.
    Wie wäre es denn mit Brad Pitt als Vater?
    Nur so’n Gedanke. Also ich könnte bei ihm schon schwach werden – und das heißt was!!! 😀

  4. @Markus und WeltdesWissens: Gern geschehen. 🙂
    @Gina: Brad Pitt, das ist der von dem Brangelina-Duo oder wie die genannt werden, stimmt’s? Kann Brad kochen? Ich habe mir nämlich folgendes überlegt: Um den Schwachsinnsquotienten dieses Blogs NOCH WEITER zu reduzieren, möchte ich nicht nur Kinder-, sondern auch Kochcontent, also Rezepte, anbieten. Ein erster Meilenstein in diese Richtung war mein XXL-Caipi-Rezept, aber vielleicht mal was Essbares wäre ja auch nicht schlecht. D. h. also neues Anforderungsprofil:
    Hohe Intelligenz, gutes Genprofil
    Kochkünste
    Bitte recherchieren, ob Brad kochen kann. Danke. 🙂

  5. Das klingt vertraut.
    Lecker ist auch Fladenbrot und dazu leckeres Tzatziki.
    Das ergibt immerhin zwei Blogbeiträge. Nicht schlecht. Ich werde diese genialen Rezepte am Besten verteilt übers Jahr hier reinsetzen. Ganz große Küche!

  6. Ich glaube nicht, das Brangelina kochen kann… Und das mit dem Kindermachen… Hm… Die sind doch alle adoptiert, oder? Mir scheint, da klemmt’s irgendwo bei Herrn Pitt. Also ziehe ich meinen Vorschlag zurück und empfehle statt dessen einen der schnuckligen Fernsehköche. Nein, nicht LAFER!!! Jünger. Hübscher.

  7. Pingback: Links of the Week (2008/52) :: cimddwc

  8. @Gina: Hm, ich mag ja die Stimme des einen Kommentators von „Das perfekte Dinner“ (ja, ich gebe zu, dass ich das eine Zeit lang geguckt habe, hat aber nicht geholfen, allerdings hatte ich immer guten Gesprächsstoff für die Mittagspause mit einer Kollegin.) Der hat so eine leicht ironische Stimme. Damit weiß ich allerdings noch nicht, ob er intelligent ist und gut kochen kann. Aber der muss ja mittlerweile tausende Sendungen geguckt haben, da ist bestimmt was hängengeblieben. Falls der überhaupt noch dabei ist, ich habe das jetzt schon mehrere Monate lang nicht mehr geguckt. Wo war ich stehengeblieben? Egal. Ich weiß nicht, ob bei den Berufsköchen, die ja auch noch von TV-Kameras bestrahlt werden, eventuell zu viele Hirnzellen weggebruzzelt wurden.

Ehrerbietungen hier rein, bitte ;-)

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