Dialoge (9)

Heute in der Handsprechstunde.

Ich rede mit der Ärztin über meinen knöchernen Stecksehnenanriss. Zwischendurch wird die Krankenschwester immer ziemlich panisch von einer Kollegin angerufen, eine Patientin, die operiert werden soll, dreht wohl etwas zu stark an der Panikschraube, weil ihr Arm mit einem Kreuz bemalt wurde. Hatte ich auch. So ein schöner runder Kreis mit einem Kreuz drin, wie auf einem Wahlzettel, wenn man es denn schafft, sich für eine der vielen tollen Parteien zu entscheiden. Während unseres ca. 10-minütigen Gesprächs kamen zu dem Thema drei Anrufe. Die Ärztin, eine sehr freundliche Person, wurde sogar leicht aggressiv. Beim dritten Anruf ging es dann auch noch um das Thema Vollnarkose.

Ärztin: „Die Patientin wird jetzt sowieso noch nicht operiert und eine Vollnarkose bekommt sie auch noch nicht in ihrem Zimmer.“

Ich: „Das wäre aber bei einigen Patienten doch eine gute Idee!“

🙂

Die Ärztin fand es witzig und bescheinigte mir einen guten Humor, obwohl das ja schon etwas gemein war.

Andererseits: Ist doch einfach so! Ihr erinnert Euch ja noch alle an meine Sprechstunden. Wie oft ich dem Berlusconi eine Vollnarkose mit der zehnfachen Dosis verpasst habe, weiß ich gar nicht mehr. Das Problem ist: Es brauchte nur das Dreibuchstabenwort mit S fallen (ausnahmsweise rede ich mal nicht von SAP), und der Kerl war schlagartig wieder wach! Da ich hauptsächlich Sexpsychos therapierte, war das schon ein Problem.

Ich meine, seht Euch allein das mal an:

  • sexgeschichten erna
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Damit könnte ich reich werden — wenn die Geizlüstlinge nicht meistens auf „kostenlos“ bestehen würden. Ach, es ist ein Elend. Aber weil Weihnachten ist, will ich mal nicht so sein. Erst mal die K.O.-Tropfen-Story:

An einem schönen Sommerabend fragte K.O.-Tropfen seine neue Bekanntschaft K.O.-Tropfline: „Zu mir oder zu Dir?“
„Ich komm noch mit zu Dir auf einen XXL-Caipi“, antwortete Tropfline entschlossen. Tropfen konnte sein Glück kaum fassen und trat das Gaspedal bei seinem Tropfomobil durch, um möglichst schnell seine Flaschenwohnung zu erreichen. Dort dann der Schock! Limetten waren alle! Und der Cachaca auch! Dabei kannte jeder in der K.O.-Tropfen-Community die eiserne Regel in Bezug auf Tropfline: „Ohne Caipi kein Sex!“ Es stand ja sogar dick auf ihrer Facetropfseite, die von Milliarden Tropfen verfolgt wurde! Was nun, armer K.O.-Tropfen? So kurz vorm Ziel, und dann das! Sein Blick fiel auf zwei Zitronen. Und wenn er …? Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! So malte er die Zitronen grün an und verwendete anstatt Cachaca K.O.-Tropfen, denn etwas anderes hatte er nicht im Haus, außer natürlich eine große Packung geriffelter Kondome. Stolz kredenzte er seiner Auserwählten den leicht modifizierten Caipi.
„Der Caipi schmeckt … irgendwie seltsam …“, murmelte Tropfline, bevor sie umkippte.
„Verdammter Mist“, fluchte Tropfen. So hatte er sich das nicht vorgestellt.
Er schritt sofort zur Wiederbelebung, indem er Tropf-zu-Tropf-Beatmung startete. Tropfline war ihm für die Reanimation sehr dankbar und danach hatten sie wilden Sex.
(Anmerkung: Das wirkliche Ende war viel unschöner. Tropfen wurde für das Panschen eines Caipirinhas zu lebenslänglichem Aufenthalt in der Wüste Gobi verurteilt, und Tropfline musste mehrere Wochen im Krankenhaus an den Cachaca-Tropf. Aber Ihr wollt ja immer Sex und Happy-End in den Storys, was soll ich machen?)

Was noch? Sexgeschichten mit Erna? Die wurde sogar vertont, hier, bitte schön:

Die Sekretärin, die nackt durchs Großraumbüro läuft? Stellen Sie einfach auf jeden Schreibtisch einen XXL-Caipi. Aber nicht in der Anstalt, da herrscht strengstes Alkoholverbot, und nackt durch Großraumbüros darf man dort auch nicht laufen. Mir fehlt deswegen die Inspiration für eine Geschichte.

Exhibitionistische Sexgeschichten — habt Ihr auch immer so ’ne Angst, dass hinter dem nächsten Busch eine exhibitionistische Sexgeschichte hervorspringt? Ich erschrecke mich immer ganz dolle, wenn die mir plötzlich alle ihre Buchstaben zeigt!

„sexgeschichten -entführung gefesselt die indianer“: Das mit den gefesselten Indianern ist aber doch falsch? Wurden nicht immer die Cowboys an den Marterpfahl gefesselt? Egal, völlig egal! Ich habe da was entdeckt, das gleichzeitig die Dirndlfetischisten beglückt:

Cheerleadersexgeschichten, ja, da geht was!

Neulich, irgendwo in Chicago. Eine 87-köpfige Cheerleadergruppe bildete eine ihrer berühmten Körperpyramiden und wedelte mit ihren Puscheldingern herum (Pompoms oder wie die heißen, ich recherchiere jetzt nicht auch noch großartig rum, ist ja nur eine Sexgeschichte). Da lief der Bürgermeister Chicagos, Rahm E., vorbei, der mal wieder für einen Triathlon trainierte, und grüßte die Mädels freundlich winkend. Die Cheerleaderin an der Spitze kreischte laut „RAAAAAAHM“, sofort fielen die anderen 86 ein, und die Pyramide stürzte in sich zusammen. Rahm konnte sich gerade noch mit einem beherzten Zehnmetersprung retten, um nicht unter einer Traube aus wild gewordenen Cheerleadern begraben zu werden. Er blickte sich um und sah 87 kreischende Frauen, die sich die wenigen Klamotten vom Leib rissen. Sie brüllten „Rahm, ich will Sex mit Dir!“ und ähnliche unanständige Avancen. Während auf dem Polizeirevier die ersten Anzeigen wegen Lärmbelästigung eintrafen, beschloss Rahm, Fersengeld zu geben. Natürlich hätte er die 87 Frauen spielend beglücken können, aber er hatte in einer halben Stunde eine Besprechung mit seiner pünktlichkeitsfanatischen persönlichen Beraterin und wollte auf keinen Fall zu spät kommen.
Nach zehn Kilometern drehte er sich um und stellte kritisch fest, dass es mit der Fitness der Chicago-Cheerleader-Zunft nicht zum Besten stand, denn es folgten ihm nur noch eine Handvoll kreischender Puschelschwingerinnen, und das, obwohl seine Beraterin doch immer sagte: Puscheligkeit pusht! Diese so schnell außer Atem zu bringenden Frauen wollten ausgerechnet mit ihm Sex? Rahm flitzte noch schnell in ein Geschäft, um Limetten, Cachaca und eine tausender Packung Kondome, natürlich die geriffelten, zu kaufen. „So, für eine Woche sollte das reichen“, stellte er zufrieden fest. Vor dem Geschäft lauerten ihm noch fünf keuchende Cheerleaderinnen auf, die er mit einem eleganten Sprung über ihre Köpfe hinweg stehen ließ, ganz der elegante, ehemalige Balletttänzer. Er steuerte 121 N LaSalle Street an, wo seine persönliche Beraterin bereits in dem fensterlosen Besprechungsraum …

Moment mal bitte eben, ja, was ist denn? Wie, das ist keine Cheerleadersexgeschichte, sondern droht eine Rahm-Persönliche-Beraterin-Story zu werden? Oh… Okay, das tut mir leid, aber immerhin kann ich mir jetzt schenken, die ganzen vier Stunden, die die Besprechung dauert, zu schildern. Das macht mein kaputter Finger eh nicht mit.

Was die fremd Geschwängerten betrifft, dann mal viel Spaß, aber bitte passt auf, dass Ihr an den Richtigen geratet. Man stelle sich mal vor, frau ließe sich von einem FDP-Politiker fremdschwängern! Hallo?! Immer an die Gene denken!

Zum Schluss möchte ich noch betonen, dass mir die Regencapefetischisten schon irgendwie ans Herz gewachsen sind. Die hätten bestimmt auch Gefallen an den widerlichen Thromboseprophylaxe-Strümpfen, die ich im Krankenhaus tragen musste (um mal wieder den Bogen zu meinem knöchernen Strecksehnenanriss zu schlagen), gefunden, das war auch so’n ekliges latexartiges Material. Bah! Ach so, da fällt mir doch noch eine Frage an das Plenum ein: Warum zur Hölle darf man bei einer OP nicht mal seinen eigenen Slip anhaben? Hat das was mit Hygiene/Keimfreiheit zu tun? Ich finde das nicht sehr überzeugend, vor allem, wenn man bedenkt, dass der KH-Schlüpper eher ein netzartiges Teil ist (Kinder der 80er, wer erinnert sich noch an die Netz-Shirts? So ähnlich). Da flutschen Keime, die ja eh auch am Körper wären, noch viel eher durch. Ich guckte jedenfalls sehr irritiert, was die Krankenschwester zu der erstaunten Frage „Wurden Sie denn noch nie operiert???“ veranlasste. Doch, Ende der 80er oder Anfang der 90er wurde am Fuß ein Muttermal weggeschnippelt, da wurde aber nicht so’n Zinnober zelebriert. Später fragte ich zwei andere Krankenschwestern nach dem Sinn, die beide antworteten: „Fragen Sie mich nicht“, in genau dem Tonfall, den ich auch anwende, wenn mich Kollegen in der Anstalt nach dem Sinn völlig schwachsinniger Prozesse/Anweisungen fragen. GENAU SO! Ich könnte mir folgendes Szenario vorstellen: „Lieber Einkäufer, wenn Sie uns von diesen formunschönen Unisex-Höschen 87 Millionen Stück abkaufen, geben wir Ihnen einen Rabatt von 3 %!“ Manch Einkäufer reagiert auf solche Angebote wie der Hursch auf ein Schweineohr: HABEN WILL!!! Nun sind 87 Millionen Stück ziemlich viele Stück, und wenn die Lagerkapazität dafür nicht vorhanden ist, muss halt der Verbrauch beschleunigt werden. Aber ich möchte niemandem etwas unterstellen, das ganze hat sicher einen medizinisch einwandfreien Sinn, der dem Krankenhauspersonal bloß nicht bekannt ist, bestimmt aber dem Management. Die haben dort auch Supermanager, die andauernd Prozesse neu strukturieren, das wurde mir erzählt, weil doch das ein oder andere am OP-Tag sehr kraus ablief, aber das wird ein anderer Blogartikel… (Das soll aber nicht gegen die Mitarbeiter gerichtet sein, die bisher, soweit ich mit ihnen zu tun hatte, alle sehr nett und freundlich waren.)

Ach so, da war noch was Interessantes in den Suchbegriffen:

  • wie heisst der horrorfilm in dem rosa kugelförmige fellmonster

Das hört sich interessant an! Kennt jemand den Film? Ich könnte mir vorstellen, dass das ein schönes Geschenk für

wäre. Bedenke: ROSA!!! 😈

Ach so, noch was, Ihr wollt ja bestimmt noch unbedingt ganz doll wissen, was nun mit dem Finger ist, noch ’ne OP, ja/nein/vielleicht. Es ist so, dass sich das Teil, das mit der Schraube befestigt wurde, wieder abgesprengt hat. Ja, abgesprengt, das ist O-Ton der Ärztin. Cool, es hat sich abgesprengt. Haben die Ärzte nicht nur eine Schraube, sondern auch eine Mini-Dynamitstange mit eingebaut? Jedenfalls ist die Entzündung auf dem Rückmarsch. Der Oberarzt würde eine erneute OP empfehlen. Die Ärztin meinte aber, das eben maximal die Fingerspitze krumm bleibt. Auf die Frage, ob die Schraube denn auch so drin bleiben könne (was ja eh geplant war), meinte sie, das sollte man beobachten. Wenn die raus muss, kann man natürlich auch gleich den Kram noch mal richtig befestigen. What ever. Die soll drin bleiben, das ist voll das coole Inbody-Piercing! Die Fashion-QUEEN wird diesbezüglich demnächst einen neuen Trend ausrufen. Inbody-Piercing ist das neue Must-Have, da geht kein Weg dran vorbei!

(Liebe Titanschraubenhersteller, die Fashion-QUEEN wird Sie demnächst wegen einer kleinen Umsatzbeteiligung kontaktieren.)

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8 Kommentare zu “Dialoge (9)

  1. Boah, welch abendfüllendes Programm, da habe ich mir doch glatt das TV Schauen erspart 🙂
    Erna kommt hat DER EGON übrigens nur „nachgemacht“, das hat Lippi „erfunden“…
    Deine Sprechstunde ist sehr spannend 🙂
    Liebes Wuffi Isi

    • Ja, ich war etwas in Schreiblaune. 🙂 Und das trotz laaahmen Schreibtempos momentan.
      Na, das ist ja ein Ding, dass Egon einfach was nachmacht… Aber Lippi wird’s ja wohl hoffentlich erlaubt haben.
      Liebe Grüße und viiiiele Knuddeleinheiten!

  2. Erstmal: schön, dass es Ihnen besser geht. Und das mit der OP klingt ja wirklich nicht so dringend.

    Das mit den KH-Schlüppern habe ich mich auch schon gefragt, darauf hätte ich wirklich gern eine medizinische Antwort – obwohl Ihre Erklärung die plausiblere ist 😉

    Auf Erna hab ich vorsichtshalber nicht geklickt, sonst singe ich das wieder den ganzen Tag, das kann ja keiner wollen.

    • Dann ist das also überall so mit den KH-Schlüppern? Ich habe mich schon gefragt, ob das vielleicht eine Besonderheit dieses Krankenhauses wäre. Das ist aber nur, wenn man operiert wird, oder? Als ich wg. des Augenflimmerns ins KH musste, wurde das nicht verlangt. Diese komischen Krankenhaushemden sind auch schon Zumutung genug, finde ich.
      Gute Entscheidung, nicht auf Erna zu klicken. Ich habe das heute immer noch als Wurm im Ohr. Grrmpf.

        • In diesem Internet steht was von keimfrei und steril. Hm. Ich bin nicht überzeugt. Dann müsste doch bitte der ganze Patient desinfiziert werden. Wenn schon, denn schon, denn wo kommen die Keime her? Es scheint in einigen Krankenhäusern auch Usus zu sein, auf das Netzhöschen ganz zu verzichten. Groß ist der Unterschied eh nicht, ich seh da Einsparpotential. Muss mal eben den Bahr anrufen… Ach so, hat Feierabend, der Typ. Jetzt schon. FDP halt…

          Erna ist böse. Und ich habe sie geweckt. Schande über mich.

  3. Ich frage mich immer warum die alle bei dir landen, da gibt es genug XXX kostenlose Hoster, damit die Jungs ihr drängendes Problem selbst in die Hand nehmen können 😛 .

    Ach JUNGS das wird so oft wiederholt, MERKT es euch doch endlich mal, damit sich das Monster mit den Schweren Sexpsychos beschäftigen kann und nicht immer nur Wichser beraten muss.

    @Fellmonsterchen
    Ja so eine 24/7 Narkose wäre bei manchen Leuten ein Segen.

Ehrerbietungen hier rein, bitte ;-)

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