Gib nie einen Auftrag…

… an Erklärmonster. Nie, nie, nie. Lernt aus meinen Fehlern. Werdet lieber HSV-Fan, da müsst Ihr nicht ganz so doll leiden. Aber beginnen wir am Anfang.

Ihr kennt meine beiden Erklärmonster?

Erklärmonster

Sie heißen Rosaerklärmonstermitdreiaugen und Weißeserklärmonstermitdreiaugen. So weit, so gut. Sie verfügen allerdings nicht nur über drei Augen, sondern auch über drei Gehirne. Behaupten sie jedenfalls. Das befähigt sie angeblich dazu, alles besonders gut erklären zu können. Sie sind sehr gründlich. Vor einigen Wochen dachte ich noch, dass mir das nützlich sein könnte (ich arme irre, verwirrte Seele!) und schickte sie mit einem Auftrag fort:

„Erfolgreiches Regieren und an der Macht bleiben.“

Denn es ist ja nicht mit der Welteroberung getan. Danach erst folgt die schwierige Arbeit, nämlich dieser Regierungskram und das Bewahren der Macht.

Vor einigen Stunden kamen meine beiden Erklärmonster mit der Meldung „Auftrag ausgeführt“ wieder. Ich bereitete mir schnell einen XXL-Caipi zu und freute mich auf einige lehrreiche Informationen.

Der Einfachheit halber nenne ich die Monster Monster 1 (das rosafarbene) und Monster 2 (das weiße, das habt Ihr vermutlich schon geahnt, oder? Habt Ihr vielleicht auch drei Gehirne?)

Monster 1: „Wir haben ein Interview sehr gründlich, über mehrere Wochen, analysiert, deswegen hat es ein bisschen länger gedauert.“
Ich: „Das ist nicht schlimm, ich habe so lange meine Sammlung grüner Gummibänder katalogisiert. Um was für ein Interview handelt es sich?“
Monster 1: „Die deutsche Bundeskanzlerin, Angela Merkel, hat der „ZEIT“ am 11. Juli ein Interview gegeben…“
Monster 2: „Wenn ich hier kurz unterbrechen darf. Das Interview hat sie schon eher gegeben, der 11. Juli ist das Veröffentlichungsdatum.“
Ich: „Das Interview kenne ich.“
Monster 1: „Oh, dann haben Sie schon Ihre Schlüsse gezogen?“
Ich: „Vor allem habe ich mich über einige Minuten verschwendeter Lebenszeit geärgert. So etwas nichtssagendes!“

Beide Monster gucken entsetzt.

Monster 2: „Daraus kann man so viel lernen! Das ist doch keine Zeitverschwendung!“
Ich: „Dann man los. Erklärt es mir.“
Monster 1: „Der Interviewer fragte die Bundeskanzlerin zum Beispiel, ob sie nicht überrascht sei, in welchem Ausmaß wir von den ausländischen Diensten ausgespäht werden. Sie antwortete darauf unter anderem, dass sie von Programmen wie Prism durch die Berichterstattung Kenntnis genommen hätte und dass nun überprüft werde, inwieweit die Berichte zuträfen.“
Ich: „Ja, toll, weltklasse. Was soll ich daraus lernen? Doof und unwissend stellen? Das kann ich. Es gibt ja sogar Menschen, die behaupten, ich SEI doof und unwissend.“
Monster 2: „Ich hätte es nicht so despektierlich formuliert, aber im Prinzip: Ja, bloß nichts zugeben.“
Monster 1: „Kommen wir nun zu einem Glanzstück der Antwortkunst. Frau Merkel wird gefragt, ob der Verzicht auf Freiheit der Preis für Sicherheit ist.“
Monster 2: „Anstatt konkret mit ‚ja, natürlich‘ zu antworten, verwendet sie Begriffe wie ‚Verhältnismäßigkeit‘, ‚Balance‘ und so weiter. Dann der Hinweis, dass die Diskussion ständig geführt werden müsse, um zum Schluss darauf hinzuweisen, dass Schutz vor Terrorismus ohne Telekommunikationskontrolle nicht möglich sei. Sehen Sie es? Kontrolle anstatt Überwachung! Ständige Diskussion! Wie vernünftig und demokratisch das doch alles klingt.“
Ich: „Ich fühle mich schon ganz eingelullt, aber mal ernsthaft, Ihr wollt nicht das ganze Interview mit mir durchkauen, oder? Euer Auftrag hieß doch, Informationen zum Thema erfolgreiches Regieren zusammenzutragen!“
Monster 2: „Und an der Macht bleiben! Wir wollen hier schön präzise bleiben, nicht wahr?!“

An diesem Punkt mixte ich mir einen zweiten XXL-Caipi.

Ich: „Okay, okay, okay, aber mal ehrlich, ich entsinne mich, dass Angie ganz viele konkrete Antworten schuldig geblieben ist. Ich als Wähler fühlte mich gelinde gesagt nicht ernst genommen. Wie soll ich mich denn bei der Wahl entscheiden, wenn ich nicht weiß, wofür die Parteien und ihre Spitzenkräfte stehen? Eh?!“
Monster 1: „Aber Sie sind doch Angela Merkel.“
Ich: „Keine Beleidigungen, bitte! Nun wird’s aber lustig!“
Monster 2: „Meine Güte, seien Sie doch nicht so begriffsstutzig. Mein Kollege meinte damit die Perspektive. Sie sind doch nicht die Wählerin, sondern die Herrscherin.“
Ich: „Ach so, ja, klar. Also soll ich die Wähler mit nichtssagenden Sprechhülsen abspeisen? Aber das merken die doch?!“
Monster 1: „Darüber können wir uns ja nach der Bundestagswahl noch mal unterhalten. Wie lange ist Frau Merkel schon Bundeskanzlerin?“
Ich: „Zu lange.“
Monster 2: „Das war eine rhetorische Frage! Was antworten Sie auf die Frage, ob wir Deutschen manchmal etwas überempfindlich seien?“
Ich: „Ich bin nicht Deutsch, ich stamme vom Planeten Knäcke IV. Vielleicht fehlt mir deswegen das Fensterputz-Gen?“
Monster 1: „Sie sagen: Wir sind, wie wir sind, und andere sind, wie sie sind.“

Ich staunte, dass der XXL-Caipi schon wieder alle war.

Monster 2: „Und immer darauf hinweisen, dass die USA unser treuer Bündnispartner sind!“
Ich: „Ja, okay, das wird Rahm freuen… Aber wenn die Amis Mist bauen, darf ich doch…“
Monster 1: „Wenn Botschaften oder EU-Einrichtungen abgehört werden, dürften Sie die Stirn zumindest in Falten legen. Wenn es nur um das Abhören von normalen Bürgern geht, reden Sie aber nur um den heißen Brei, deswegen werden Sie ja wohl keinen Streit suchen?!“
Ich: „Ist das Brei mit Nougatgeschmack? Ansonsten…“
Monster 2: „Weiter im Takt! Nehmen wir mal das Beispiel Snowden.“
Monster 1: „Gutes Stichwort. Viele sympathisieren bekanntlich mit Snowden.“
Ich: „Er hat ja auch sehr mutig gehandelt…“
Monster 1: „Das sagen Sie so gefälligst nicht! Damit treten Sie wieder unseren amerikanischen Freunden auf den Schlips.“
Monster 2: „Völlig richtig! Die diplomatische Antwort lautet, ich zitiere die Bundeskanzlerin: ‚Ich erlaube mir kein persönliches Urteil über einen Mann, über den ich lediglich das eine oder andere lese.‘ Brillant, nicht wahr? Weder die Fans noch die Gegner wurden so verärgert.“
Ich: „Nur die Bürger, die sich eine klare Stellungnahme wünschen… Darf ich mir nun eigentlich auch kein Urteil mehr über Politiker bilden, denn über die lese ich ja auch nur das ein oder andere? Gelegentlich, weil ich es häufiger gar nicht ertrage? Kein Monster kann so viel Caipi trinken!“

Die Monster ignorierten meine Frage. Ich trank noch einen XXL-Caipi.

Monster 1: „Wenn Sie nach Sachen gefragt werden, ist es auch immer gut zu sagen, dass Sie die Hintergründe nicht kennen und deshalb auch nicht bewerten würden.“
Ich: „Schon klar. Aber jetzt frage ich Euch mal was. Bei einigen Fragen hat Merkel doch tatsächlich klare Antworten gegeben. Sie hält die Vermögenssteuer für falsch, und die Rente mit 67 sei unvermeidlich. Wann muss ich denn Eurer Meinung nach klar antworten und wann totes Gehirn spielen? Ich bin total verwirrt.“
Monster 1: „Nun ja…“
Monster 2: „Das hängt von den Umständen ab, in denen man sich bewegt.“
Monster 1: „Immer was von Wettbewerbsfähigkeit einfließen lassen! Das ist jedenfalls wichtig!“
Monster 2: „Genau! Und grundsätzlich ist so was unvermeidlich. Nie einfach, dass Sie dafür seien. Es muss immer unvermeidlich sein, ansonsten gehe die ganze Gesellschaft dem Ruin entgegen. Gern auch alternativlos, aber der Begriff ist etwas in Verruf geraten, deswegen lieber unvermeidlich verwenden.“
Ich: „Ach, das ist mir alles zu dumm. Ich erobere einfach erst mal die Welt und sehe dann weiter.“
Monster 1: „Wir sind aber noch lange nicht fertig mit unseren Erläuterungen! Hier, wir haben das Interview als PowerPoint-Präsentation aufbereitet! Haben Sie mal einen Beamer da?“

Oh, nur 432 Seiten, da waren die Monster aber echt mal zurückhaltend!

Ich: „Äh… Nein, der ist in Reparatur, das war leider unvermeidlich, um die deutsche Wettbewerbsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Caipi?“
Monster 1 und 2: „Oh jaaaa, Caipi!!!“

Es kostete mich reichlich Caipis, aber das war eine alternativlose Maßnahme, um die Monster von der Präsentation ihres Vortrages abzubringen. PowerPoint macht mich immer so müde im Gehirn. Nun habe ich sie mit einer neuen Recherche losgeschickt, die sie sicher monatelang beschäftigen wird: „Warum sind Schlümpfe blau, weshalb ist Uli Hoeneß, der Steuerbetrüger, immer noch Präsident der Sepplhosen und was ist mit Berlusconis Gehirn passiert (falls es jemals eins gab)?“

Ich muss mich nun erst mal ausruhen. Falls Ihr das ganze Merkel-Interview lesen möchtet: Bitte sehr. Ich habe Euch aber gewarnt. Es kann nicht schaden, Caipi griffbereit zu haben… Viel Caipi. Vertraut mir. Ich weiß, wovon ich rede.

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15 Kommentare zu “Gib nie einen Auftrag…

  1. Hättest Du mein rotes Lieblingsmonster mal recherchieren geschickt – nebenbei: sag mal nach drei XXL-Caipis: recherchieren geschickt 😀 – dann wärst Du nicht mit Angie belästigt worden. JLo hätte zudem sicher viel mehr zur Weltherrschaft zu sagen; zumindest könnte sie ad hoc 50% der Bewohner becircen. Gut, mich – aber immerhin … :mrgreen:

    • Das habe ich ja, aber es hatte andauernd nur „Besprechungen“ mit seiner persönlichen Beraterin, so dass es keine Ergebnisse lieferte, jedenfalls keine aus dem Bereich „Regieren und Macht erhalten“. Statistiken, dass es mittlerweile immerhin halb so lange wie Rahm durchhält, interessieren mich eher weniger. :mrgreen:
      Und nun muss ich also 3 XXL-Caipis trinken, um Deiner Bitte mit drei mal „recherchieren geschickt“ zu sagen, nachzukommen? Was tut man nicht alles für die Wissenschaft?
      JLo — sach mal, ist es nicht etwas übertrieben, sich bei ihr im Poolhaus einzuquartieren, becircen hin oder her? Ich mein ja nur… Isses denn wenigstens ein schönes Anwesen, da, wo sie wohnt? :mrgreen:
      http://www.spiegel.de/panorama/leute/jennifer-lopez-einbrecher-lebte-tagelang-auf-anwesen-der-saengerin-a-918146.html

  2. Neee, nee, das ist mal wieder nix für Hundi’s, da schicke ich nur ganz liebe Wuffis, und für Molly dicke Schlabberbussis!
    Wuff, die Isi, die keine Erklärmonster, sondern Xynthilia losgeschickt hätte 🙂

    • Sei froh, dass Du nichts mit Politik am Hut hast und auch nicht wählen musst. Du hast es gut!
      Xynthilia wollte den Auftrag nur annehmen, wenn sie, ich zitiere „Blut aus dem Schädel der Kanzlerin“ hätte trinken dürfen… Das wollte ich nun doch nicht. Es ist ja nicht mal so, dass Angie mir privat unsympathisch wäre; ihr Verhalten und Auftreten ist mir eigentlich sympathischer als das von z. B. Schröder. Aber leider, leider ist die Regierung so schlecht, und das sollte nun mal maßgeblich für eine Wahlentscheidung sein.
      Jedenfalls war Xynthilia der Auftrag letztendlich zu langweilig. Ich bin nun am Überlegen, ob sie Lust auf die Schädel von einem gewissen Thorsten F. und einem Oliver K. hätte… Dazu ein paar leckere Knochen von Carl-Edgar J. und einigen unfähigen Aufsichtsräten — aber an sich verabscheue ich ja Gewalt.
      Molly schickt Dir viele Schlabberbussis. Heute hat sie mich nach Tagen mal wieder an der Tür begrüßt. ♥ Hoffentlich, hoffentlich, hoffentlich ergibt die Gewebeprobe etwas, das man bekämpfen kann.

      • Na DAS finde ich dann doch etwas ausverschämt von Xynthilia!!
        Ich halte meine Tatzen für MOLLY!!! Sie ist sooo stark! Aber mit Chemo würde ich mich selbst auch nicht quälen lassen wollen….
        Ganz viele Schlabberbussis für DICH UND Molly,
        wuff, die Isi

        • Xynthilia ist halt eine Top-Dämonin, sie war nicht umsonst Stabschefin des Teufels. Ich muss ihr nach und nach nahebringen, dass es nicht immer so blutrünstig laufen muss.
          Chemo würde ich Molly auch nicht antun. Aber hoffentlich ist es nicht so schlimm. Bald werden wir es wissen.
          Liebe Grüße und Knuddelattacke!

  3. Schick deine Erklärmonster mal nach Lateinien. Da können sie dann lebende Schlümpfe anthropologisch erforschen. Vielleicht sind sie ja dann eine Weile beschäftigt und finden heraus, warum die Schlümpfe blau sind.

    • Die Idee finde ich gut. Also sprach ich zu meinen Erklärmonstern, sie mögen alles über die Schlümpfe ermitteln. Zu Recherchezwecken gingen sie erst mal ins Internet, stießen auf dieses Video:

      und lehnten den Auftrag ab… Das erste Mal in ihrem Leben, dass sie eine Mission verweigern…

  4. Ach ja, die Erklärmonster können ja noch ins Frauengefängnis gehen und nach BerLustconi suchen. Der hat bestimmt extra Bestehung gezahlt, damit er dort landet, so wie der inzwischen abgesetzte Hoeneß geblecht hat, damit er sich seine Sträflingsnummer aussuchen darf.

    • Gute Strategie, daraufhin haben die Erklärmonster sofort gefragt, ob sie sich nicht doch lieber um den Schlumpfauftrag kümmern sollten…
      Darf Ulichen einen rot-weiß-blauen Sträflingsanzug tragen?

  5. Pingback: Warum die Schlümpfe trotz allem KEINE Nazis sind. (Und auch keine Kommunisten. Oder vielleicht doch Kommunisten?) – Traumberuf Schriftstellerin

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