WM-Abseits, Teil 2: GRIECHENLAND

 

Seid Ihr von Teil 1 mit hierher gekommen? Das freut mich!

Wie schon bei meinem Brasilienartikel habe ich einen Schwerpunkt, dieses Mal aber nicht alkoholischer Natur. Mir hat es die griechische Mythologie angetan, in der es schon fast alles gab, was auch heute noch die Kunst beschäftigt: Erotik, Ehebruch, Inzest, Mord und Totschlag, Rache, Zorn, Kannibalismus, Eitelkeiten…

Auch die Griechen der Antike hatten das Bedürfnis, höhere Wesen zu verehren. Im Gegensatz zu monotheistischen Religionen hatten die Hellenen für beinahe jede Gelegenheit einen zuständigen Gott oder auch eine Göttin, außerdem wurde der Kosmos durch Halbgötter (nicht in weiß) und Helden ergänzt. Am berühmtesten ist wohl der Göttervater Zeus, der mit Blitzen um sich warf und mit allerlei Gottheiten auf dem Olymp residierte.

Aber auch vor Zeus gab es schon Gottheiten. Am Anfang war das Chaos (welches überlebt hat, wie man nach einem Blick in meine Schränke weiß), danach betraten etliche andere Gestalten die Bühne. Der Titan Kronos wurde von seiner Mutter Gaia heimlich zur Welt gebracht, weil Papa Uranus seine Kinder, unter anderem auch die Kyklopen (Zyklopen) so sehr hasste, dass er sie in den Tartaros verbannte (Tartaros ist ein Teil der Unterwelt, noch tiefer als der Hades).

Kyklopen, das sind diese einäugigen Typen, von denen ich einige Nachfahren bei mir beherbergen darf:

Kyklopen

Zyklopenkugel und Zyklopen-Umpf!

Das aber nur am Rande…

Kronos jedenfalls entmannte seinen Vater mit einer Sichel. Gut, dass es damals noch keine Bild-„Zeitung“ gab, wir hätten wochenlang Berichte über einen „irren Sichelmörder“ lesen müssen. Kronos war nun der Herrscher und nahm seine Schwester Rhea zur Gattin. Er hatte aber furchtbar Angst, dass seine Kinder mit ihm das gleiche anstellen könnten wie er mit seinem Vater. Hätte es schon geriffelte Kondome gegeben, wäre das alles gar kein Problem gewesen, aber die hatte noch keiner erfunden, also musste er das tun, was wir alle in seiner Situation getan hätten: Er aß seine Kinder auf, immerhin fünf. Rhea, ganz die Mutterliebe, versteckte daraufhin ihren jüngsten Sohn Zeus auf Kreta. Kronos bekam statt dessen einen in Windeln gewickelten Stein, merkte den Unterschied aber nicht. Die Geschmacksnerven schienen bei Titans nicht so gut ausgebildet gewesen zu sein…

Zeus wuchs also unbehelligt auf und wurde groß und stark. Mit einer List gelang es ihm, seinen Vater dazu zu bringen, die anderen Kinder wieder auszuspucken. Wie er das anstellte, darüber gibt es mehrere Varianten. Eine davon erzählte, dass er von Honig so berauscht gewesen war, dass Zeus ihn fesseln und auf die „Insel der Seligen“, die Elysischen Gefilde, aussiedeln konnte. Honig!

Nun begann das Zeitalter der Olympier. Zeus musste erst mal seine schwangere Gattin Metis verschlingen, denn ansonsten wäre deren ungeborener Sohn an seine Stelle gerückt… Danach war er vermutlich erst mal gut gesättigt, bekam aber starke Kopfschmerzen. Also befahl er Hephaistos, was ich Migränepatienten nicht empfehlen würde: „Zerschmettere meinen Kopf!“ Sein Sohn tat wie geheißen. Als Kopfgeburt kam Athene (Athena), die Göttin der Weisheit zur Welt, komplett in voller Rüstung. Äußerst praktisch, kein Windelwechseln und all das. Trotzdem konnten sich Kopfgeburten nicht durchsetzen, vermutlich ist es noch schlimmer, sich den Kopf zerschlagen zu lassen, als Geburtswehen ertragen zu müssen.

Nach dieser medizinisch erfolgreichen Behandlung zeugte Zeus mit seiner Schwester Hera vier Göttergören. (Gewalt! Inzest! Habe ich zu viel versprochen?) Wie erwähnt, war Berlusconi im Vergleich zu Zeus ein Waisenknabe, was auch daran zu erkennen ist, dass Zeus etliche weitere Nachfahren mit diversen anderen Göttinnen zeugte. Und damit nicht genug! Auch Menschenfrauen hatten es ihm angetan! Sex, Drugs (Honig!) & Leiermusik!

Weil Tarnung alles ist, wechselte Zeus häufig die Gestalt, so näherte er sich zum Beispiel der verheirateten Leda als Schwan. Interessant ist auch die Affäre mit Europa. Als ich gerade in einem Buch las, um die Geschichte in meinem Hirn aufzufrischen, ertappten mich meine Monster dabei. Es passierte, was bei solchen Gelegenheiten eigentlich immer geschieht:

„Können wir das nachspielen? Rübenbrei TV wartet schon!“ Und so weiter und so fort. Die Monster haben große Zuneigung zu den darstellenden Künsten (passende Musen: Melpomene und Thalia). So kam es zum Casting, ich brauchte die Besetzung für:

  • Zeus
  • Europa (nicht der Erdteil, sondern die phönizische Königstochter)
  • Hera, Gattin des Zeus‘
  • Athene, Göttin der Weisheit und noch so einiger anderer Dinge

Mit dem Argument: „Ich bin Ralphs Lieblingsmonster und wurde außerdem von Rahm aufgeklärt“ setzte sich Ralphsroteslieblingsmonster für die männliche Hauptrolle durch. Somit war seine persönliche Beraterin Stanislava als Europa gesetzt. Hera wurde irgendein anderes Monster, das nicht schnell genug weglaufen konnte.

Richtig Kopfschmerzen bereitete mir als Produzentin, Drehbuchautorin, Regisseurin, Kameraassistentin und Kaffeekocherin fürs Team die Besetzung der Athene. Meine Monster strahlen alles mögliche aus, Weisheit gehört jedoch leider nicht dazu. Es ist mir aber gelungen, eine Schauspielerin von Weltformat zu gewinnen! Ich bin so stolz! Das erste Mal mit einer Rolle in einer meiner Fotostorys! Aber lasst Euch überraschen, noch verrate ich nichts!

Ab jetzt geht es mit Bildmaterial weiter. Das muss man gesehen haben, das glaubt einem sonst keiner. Klick auf das Foto vergrößert. Und mit einem weiteren Klick kann man den Kram sogar gut lesen! Der Wahnsinn! Sensationell!

1 2 3 4 5Habt Ihr SIE erkannt? Ach, was frage ich? Natürlich! Isi, die berühmte Isi! Ich bin so stolz, dass sie eine Rolle in meiner Fotostory übernommen hat! Das hätte sie nicht müssen! Sie ist immerhin Oscar-Preisträgerin! Alle anderen Filmpreise hat sie natürlich auch gewonnen, sei es den Goldenen Knochen von Cannes oder das Goldene Bärenschnitzel von Berlin! Einfach alles! Ich bedanke mich sehr bei Isi für ihr Mitwirken. Sie verleiht dieser Geschichte erst den nötigen Glanz! Gage folgt. 🙂

Noch eine Anmerkung zum Schluss: Die griechische Mythologie mit ihren vielen Geschichten ist nicht festgemauert in Erden Stein, für viele Ereignisse gibt es mehrere Varianten. Diese hier ist historisch genauso wenig belegt wie all die anderen. Ich bitte das bei Hausaufgaben u. ä. zu berücksichtigen. Ich übernehme keine Verantwortung für schlechte Noten!

Zum Schluss möchte ich mich für die Überüberüberlänge meines Beitrages entschuldigen. Man hätte mir niemals Griechenland anvertrauen dürfen! Ich wusste selbst nicht, dass es so ausufern würde, sondern dachte, dass mich der Zeitmangel zu Bescheidenheit zwingen würde. Doch weit gefehlt, da war das lange Wochenende nicht mit eingerechnet. Ich hoffe, dass der Artikel Euch trotzdem gefallen hat. Ansonsten schickt mir ruhig die Erinnyen auf den Hals. 😈

Apropos Rachegöttinen: Wer noch nicht genug hat, dem lege ich dieses Gedicht von Schiller ans Herz: „Die Kraniche des Ibykus“. Passt auch zum Thema Griechenland.

Morgen geht’s nach Portugal, Susanne stellt uns das Heimatland von José Mourinho und CR7 vor.

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32 Kommentare zu “WM-Abseits, Teil 2: GRIECHENLAND

  1. Ich wusste, dass ich viiiiiel zu lange lesen muss, um bis zum Schluß durch zu halten. Morgen lese ich BEIDE Beiträge noch einmal.
    Nachti und Bussi Isi,
    die stolz ist, auch HIER eine Rolle spielen zu dürfen 🙂
    Schmatzer für Raspu!

    • Meine Warnung, am besten erst bei Teil 2 zu beginnen, kam leider zu spät… Ich schieb die Schuld mal auf Raspu, mit ihm musste ich nämlich erst mal eine Nachtrunde drehen, bevor ich eine Warnmail rausschicken konnte. 🙂
      Liebe Grüße und ein Nachtschlabberbussi vom müden Raspu

  2. Griechische Mythologie! Ich liebe griechische Mythologie! Was Zeus reingetan hat: Ouzo, Senf mit Honig (Das muss wohl etwas ekliger sein als Honig), Speck mit Honig ist auch relativ eklig. Und vom Ouzo war er naürlich berauscht. Nee, natürlich weiß das keiner. In einer meiner Geschichten kommen die zwei Musen Melpomene und Thalia auch vor, aber eher in ernshafteren Rollen…
    Aber vielleicht heitere ich die Geschichte etwas auf, schließlich muss die Muse der Komödie auch mal lachen 😀

    • Ja, griechische Mythologie ist spannend, da braucht man eigentlich keine Fantasyromane mehr. Großartig finde ich ja auch den Höllenhund Kerberos. Rasputin ist ein Nachfahre, allerdings hat er seine diversen Köpfe innerlich und bei ihm geht es mehr um Futterbewachung (und Futter kann man am besten bewachen, wenn man es im Magen aufbewahrt)…

      • Oho, im Magen, ja, da bewahre ich mein Futter auch immer auf. Allerdings ohne die drei Köpfe. Aber wo wir schon dabei sind, den Magen von innen zu bewachen: Ich habe mich schon immer gefragt, ob Argus auch in seinem Inneren (also z.B. im Magen) Augen hatte und so sein Futter immer im Blick hatte…

        • Eine interessante Frage. Wie praktisch es wäre, auch im Körper Augen zu haben… Apropos Argus, ich habe ja auch Vielaugenmonster, und ich hielt es mal für eine gute Idee, diese meine Limetten und den Cachaca bewachen zu lassen (rätselhafter Schwund), aber leider lieben die auch Caipi… So viel zum Thema Bewachung — es war ganz schnell nichts mehr zum Bewachen da.

          • Hmm, dann bleibt nur die Möglichkeit, die Datenbanken der NSA anzuzapfen und direkt in deine Gehirnströme einzuspeisen, schließlich haben die womöglich bei dir in der WEZ (Übrigens ein Thema für dein „Inside Monsterblog“) Kameras installiert.
            Nee Spaß, ich habe ja keine Sekunde die absolute Sicherheit in der WEZ angezweifelt 😉
            Aber die NSA als Zielort solltes du dir unbedingt mal ins Auge fassen, schließlich überwachen die ja schon die Welt und für eine Weltherrschaft ist das gar nicht so unpraktisch, findest du nicht?

            • Die NSA liest hier bestimmt aufmerksam mit. Sollen sie, vielleicht können sie einiges Barack erzählen, damit der was von mir lernt. 😈 Ob ich, wenn es mit der Weltherrschaft so weit ist, viel mit der NSA anfangen kann, weiß ich noch nicht, teilweise gehen die doch recht stümperhaft vor. Andererseits: Die vielen Arbeitsplätze!
              Schnell mal WEZ auf die Liste der zu erklärenden Insidedinger setzen…

  3. hahaha… herrlich … das ist zwar ganz schöner Lesestoff, den du uns hier lieferst … aber ich bin begeistert … einfach nur klasse und wirklich genial .. macht Spaß deine Bildergeschichten zu lesen 😉

    LG Bibi

    • Ein Ouzo oder auch gleich zwei wären natürlich sehr stilgerecht gewesen, ich hatte allerdings beim Schreiben auch keinen (überhaupt keinen Alkohol, unglaublich, aber wahr…). Wer weiß, wie lang das sonst noch geworden wäre? 😯
      Danke auf jeden Fall, es ist gut, dass der Beitrag doch tatsächlich auf Gegenliebe stößt. 🙂
      LG
      Katrin

        • Das kann ja nicht schaden. 🙂 Wobei mir derartiges noch nicht zu Ohren gekommen ist. (Vielleicht trauen sich Kritiker dieses auch nicht, im Anbetracht, dass es hier um einen Artikel der künftigen Weltherrscherin geht…)
          Dafür scheint uns ja heute die Elfenbeinküstenartikel abhanden gekommen zu sein… Bisher hat ja ansonsten alles reibungslos geklappt.
          LG
          Katrin

  4. Huiuijui – ein echter Monsterbeitrag 🙂 Klar, dass mein Lieblingsmonster sich nichts vorschreiben lässt und Drehbücher ignoriert – und sich im übertragenen Sinn auch keine Hörner aufsetzen lässt :mrgreen:

    Ansonsten: Grandios – ich muss meine ohnehin bescheidenen Kenntnisse in griechischer Mythologie völlig neu sortieren – dank dieses großartigen Bildungsblogs hier. Doch bei aller Kultur: Die WM interessiert mich fast noch gar nicht. Seltsame Begleitumstände. Sowohl hier als auch in Brasilien. Naja, mit Caipi und Ouzo könnte es aber noch etwas werden 😀

    • Ich soll Dir von Deinem Lieblingsmonster ausrichten, dass er sich sehr über Deinen Zuspruch freut, und ob Du nicht auch fändest, dass alle griechischen Sagen mit ihm in der Hauptrolle verfilmt werden müssten?
      So ganz ungetrübt ist meine Freude auf die WM auch nicht mehr. Anfangs dachte ich ja noch, super, eine WM in einem fußballverrückten Land. Aber selbst das hat die FIFA, zusammen mit der brasilianischen Regierung, ja irgendwie ruiniert. 😦 Allein schon, was aus dem Maracanã gemacht wurde… Mir ist schon klar, dass Stadien auch mal modernisiert werden müssen, aber das… Von anderen fragwürdigen Entscheidungen mal ganz zu schweigen.
      Aber Vorfreude ist bei mir trotzdem da, wenn auch nicht so stark, aber immerhin habe ich zeitgleich mit der WM Urlaub.
      Was Deutschland bei der WM schafft (oder auch nicht), da bin ich sehr gespannt. Für mich ist das Wundertüte pur.

  5. Je länger je besser, zum Thema griechenland bist du ja richtig cool in Hochform aufgelaufen. Ultracool!!!! Vom Hades geht es noch nach unten??? Du machst mir Angst 😉

    • Nimm einfach ein paar Leckerlies mit, dann schickt Zerberus Dich nicht noch weiter nach unten. 🙂 Aber denk dran, es müssen viele Leckerlies sein, denn es sind ja viele Mäuler zu füttern.
      Es freut mich, dass Dir die Überüberüberlänge nichts ausgemacht hat. Sehr tapfer.

  6. Liebes Fellmonsterchen,
    auch hier habe ich nochmals ALLES durchgelesen – welch eine Leistung von mir! Ich hoffe, du erkennst das an 🙂
    Aber ein so epochaler und dazu noch lehrreicher und spannender Bericht, der hat es verdient, dass man zweimal kommentiert.
    Liebes Wuffi Isi,
    mit anerkennenden Worten von Heidi

  7. Griechische Mythologie ist einfach klasse und deckt alles ab, was es so an göttlichen und menschlichen Miteinander nur so gibt.
    Ich bin auch ziemlich begeistert von der Rübenbrei-TV-Folge, will aber nicht weiter darüber nachdenken, wie anstrengend das für die Produzentin war (incl. Hangover), weil dann vielleicht die nächste Kopfgeburt fällig wird.

    • Ein toller Artikel, der passt ja wie die Faust aufs Auge. Die Moiren wollte ich zuerst in meinem Artikel auch noch mit einbauen, aber erwähnte ich schon die Überüberüberlänge? 🙂 Ich musste auf so viele interessante Gestalten verzichten.
      Dass Du nicht auf eine Katrin-Monster-Göttin gestoßen bist, liegt nur daran, dass ich zu jung für die griechische Götterwelt bin. :mrgreen:

Ehrerbietungen hier rein, bitte ;-)

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