Kunst in der Anstalt — sie lebt noch!

 

Dieses Mal muss ich etwas weiter ausholen. Ihr kennt ja mittlerweile alle die Toilettenpapierhalter in der Anstalt:

2014-08-25 15.05.05

Neulich ergab es sich, dass eines dieser Teile nur noch sehr locker an der Wand hing. Eine arglose Toilettengängerin, deren Namen hier nichts zur Sache tut, riss das Teil aus Versehen ganz zu Boden. Mit einem wunderbaren Kladäääng natürlich. Die Feder des Druckknopfes schoss allerliebst unter der Toilettentür durch und fand sich an der Wand des Vorraumes wieder. Zurück blieb eine nackte Wand und drei nun nutzlose Schrauben:

Foto1

Das allein ist natürlich kein Kunstwerk, denn das habe ja nur ich… ähm, die Toilettengängerin, die nicht genannt werden will, kreiert. Viel interessanter war die Tatsache, dass die Anstalt ca. 2 Monate brauchte, um einen neuen Toilettenpapierhalter zu installieren. Zeit genug für die anonyme Künstlerin, dieser Installation das Leben zu schenken:

Foto2

Toilettenpapierrollenpappkern auf Kunststoffgehäuse eines Durchlauferhitzers vor und hinter Chromröhrchen und neben blank geputzen Kacheln, frühes 21. Jahrhundert, Künstlerin unbekannt

 

Man beachte auch die diversen Spiegelungseffekte, nicht nur an der Kachelwand, sondern auch an den Chromröhrchen. Große Kunst, noch größere Kunst, Anstaltskunst!!!!

Mittlerweile gibt es nun wieder einen Toilettenpapierhalter in diesem Raum, moderner sind wir aber nicht geworden. Retrodesign ist wohl in.

2014-07-23 12.09.20

Ich möchte mich ganz herzlich bei den zuständigen Facility Managern in der Anstalt bedanken, dass sie sich so viel Zeit mit dem Ersatz ließen, denn nur so schufen sie den Freiraum, den ein großer Geist wie die anonyme Künstlerin zwingend benötigt! Danke, danke, danke! Darauf eine Runde scheiß Herzchen: ♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥

Anmerkung für neue Mitleser: Hier ist nichts gestellt, diese Objekte fand ich wirklich so im Damen-WC vor. Ich bin lediglich die Chronistin, die die vergänglichen Kunstwerke fotografisch festhält.

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21 Kommentare zu “Kunst in der Anstalt — sie lebt noch!

  1. Ich habe dich durchschaut. Du versuchst hier – sehr elegant – die Leser in die Irre zu führen, aber die kunstbeflissene Leserschaft versteht natürlich, was hier passiert.
    Wir sehen hier drei Bilder (das erste zählt ja nicht im künstlerischen Kontext), in denen jeweils die Dreizahl eine wichtige Rolle spielt. Zunächst die Wand mit drei Dübellöchern, die ein Dreieck bilden, das auf der Spitze steht. Dann eine Rolle zwischen drei Wasserleitungen (warm/kalt/Abwasser). Schließlich als Conclusio drei Rollen, hierarchisch gestuft. Der Künstler bietet drei Meditationen über die Dreiheit: einmal drei geometrisch auf sich bezogene Punkte, einmal drei funktional getrennte Leitungen, schließlich drei gleiche Vorrichtungen, hierarchisch gegliedert. Man könnte es als ironischen Kommentar zur Kleinfamilie (Vater, Mutter, Kind) sehen, allerdings hat es ja einen Grund, dass die Blogbetreiberin diese Installationen am Trinitatis- Sonntag in den Blog einstellt. Die Anstalt quasi als sakrales Örtchen. Chapeau!

  2. Bild 3 – Design selbsterklärend! Ich bin da vom Fach… lach

    Bild 2 – Der blanke Hohn! Künstlerisch perfekt in Szene gesetzt…

    Bild 1 – Die nacke Wahrheit. Anstaltskunst, wie wir sie lieben…

    Hygienische Vernissage – es war uns wie immer ein Vergnügen…

    Andrea und Linda

    • Wie schön, dass auch dieses Kunstwerk bei Euch Anklang findet. Ich… ähm… diejenige Person, die den alten Halter zu Boden geschickt hat, war ja sozusagen Geburtshelferin dieses Kunstwerkes. Ich… ähm… meine, dass sich die Person darauf ein bisschen was einbilden kann.

  3. Ich bin beeindruckt von den Interpretationen der Werke der Künstlerin. Sie scheint ihren Wirkungskreis erweitert zu haben, denn neulich fand ich interessantes in der Fabrik. Womöglich auch ein dreister Plagiatsversuch! Man weiss ja so wenig.

    • Das wäre ja grandios! Ihre Kunst sollte überall wirken! Vor allem in Anstalten des Wahnsinns und Fabriken des Grauens. Fotografisch festgehalten haben Sie das Werk aber nicht? Wir könnten unsere Kunstsachverständigen prüfen lassen, ob es sich doch nur um Plagiate handelt.
      Währenddessen installiert meine Hauskünstlerin ein weiteres bahnbrechendes Kunstwerk. Ihre Fachrichtung sind verstreute Schuhe. Damit drückt sie das Verlorensein der Menschen, die viele Schritte laufen und doch nie ankommen, aus. Denke ich. Nelly redet nicht viel darüber.

  4. Haha, was für eine Kunst! So lebendig, so einmalig, so anstaltsmäßig! Wir sind begeistert und erwarten schon voller Spannung, die erste Vernissage der Anstaltskunst.

    Wuff-Wuff dein Chris

  5. Ich bin einfach überwältigt von so viel Kunst! Ich hoffe Du bleibst dran, an der unbekannten Künstlerin??? Das Ersatzhandtuchmodel ist eindeutig Retro-Kunst. Da hat ein Facility Manger sicher alle Hebel in Bewegung gesetzt, um an so eine Rarität ran zu kommen. Das dauert natürlich seine Zeit… 😉
    LG Susanne

  6. Wow, Kunst ist halt Kunst, egal, um WAS es sich handelt 🙂
    Da mein Herrchen Lehrausbilder für Gas-Wasser Schei… war, möchte ich mich hierzu nicht äussern 🙂 Aber sch.. ❤ ❤ ❤ gibt es trotzdem, weil die Anstalt nach nur 2 Monaten einen so tollen Ersatz vorzuweisen hatte…
    Liebes Wuffi Isi,
    die für Socks & Nelly Schlabberbussis schickt.

  7. Bevor wir auf unserem Anstaltsklo hygienisch korrekte Papierhandtücher bekommen haben, gab es echte Stoffhandtücher. Die gewaschen wurden (theoretisch). Was glaubst du, was das für ein Potenzial hatte! Vor allem in der neuen Kunstgattung Geruchskunst! Leider ist jetzt aus hygienischen Gründen nur noch konventionelle Klokunst bei uns möglich, aber wie man oben sieht, hat die ja auch was!

    • Stoffhandtücher haben wir in der Küche. Eines für Geschirr, eines für Hände. Und beide sehen sie so aus, als könnten sich dort bald welterobernde Bazillen und Viren erheben. Ekelhaft! Ich trockne mir damit nicht die Hände ab, dann lieber an der Hose trockenwischen. Oder halt die Papierdinger auf’m WC benutzen…
      Auf die nächsten Derbys, sie bleiben uns erhalten, yeah!

  8. Ein wahrlich beeindruckendes Sanitärkunstwerk von beachtlicher Epochalität !
    Allerdings ist meiner Meinung nach der Puscheligkeitsfaktor etwas zu sehr in den Hintergrund gerückt.
    Liebe Grüße

    • Die anonyme WC-Künstlerin verzichtet in der Regel auf Puscheligkeit, um die Kälte des Daseins besser zu illustrieren. Vielleicht lege ich in den nächsten Tagen mal einen Zettel auf die Kloschüssel: „Bitte einen Hauch Puscheligkeit für Ihre Bewunderer einbauen, untertänigsten Dank!“ Ob das helfen würde?
      Liebe Grüße und Stupser von dem Höllenhündchenduo

Ehrerbietungen hier rein, bitte ;-)

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