Paris…

Ich selbst möchte nicht viel dazu schreiben, wir wissen, wie viel Leid diese Anschläge verursacht haben. Nur so viel: So ähnlich geht es in vielen Ländern seit Jahren oder Jahrzehnten zu. In Israel lebt man schon wie lange mit regelmäßigen Selbstmordattentaten? Palästinenser müssen jederzeit Vergeltungsaktionen fürchten. Entsprechende Meldungen aus dem Irak sind in den Zeitungen mittlerweile zu Vierzeilern am Rand geschrumpft. Zu Syrien muss ich nichts weiter sagen.

Ich kann verstehen, dass uns diese Ereignisse ferner sind; abgesehen von der größeren Entfernung, anderem Kulturkreis etc. ist es ein Selbstschutz, denn ansonsten müssten wir jeden Tag so trauern und/oder entsetzt sein, wie die meisten von uns es zurzeit sind, und das hält keine Seele aus.

Trotzdem halte ich es für wichtig, dass wir uns diese Tatsache vor Augen halten und vor allem bedenken, dass die große Mehrheit der Flüchtlinge genau vor diesen mordenden Fanatikern auf der Flucht ist. Ja, vielleicht nutzt der IS die Flüchtlingsgruppen, um Attentäter einzuschleusen, vielleicht auch nicht, das wissen wir zurzeit alle nicht 100 %ig, aber eins ist klar: Die Terroristen werden immer einen Weg finden, ins Zielland zu gelangen, ggf. mit mehr Aufwand, aber man kann in den heutigen Zeiten der Globalisierung die Grenzen niemals so weit abschotten, um das „Einsickern“ dieser Mörder zu verhindern. Die Schlussfolgerung des reichen Europa (ein Teil dieses Reichtums fußt übrigens auf Waffenexporten, auch in Krisenregionen) kann doch nicht ernsthaft sein, gar keine Flüchtlinge mehr aufzunehmen? Nichts gegen bessere Registrierungsabläufe an den Grenzen, aber das ist es nicht, worum es Pegida, AfD und Konsorten geht…

Ja, es wird weitere Anschläge in Europa geben, höchstwahrscheinlich auch irgendwann in Deutschland, und davor habe ich Angst. Noch größere Angst habe ich aber vor dem Wiedererstarken der Rechten, die die Terroranschläge schon mit Wonne für ihre Zwecke instrumentalisieren. Was wiederum die Strippenzieher der Terroranschläge, deren Ziel es ist, für Instabilität zu sorgen, erfreuen dürfte.

Und nun übergebe ich an Herrn Ackerbau, dessen schräges Blog ich sowieso sehr mag. Er hat einen großartigen Artikel zu dem Thema geschrieben.

Nachher blogge ich noch was Schönes. Das wird mir hier ansonsten langsam zu düster, damit ist auch niemandem geholfen.

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36 Kommentare zu “Paris…

  1. Es ist alles sehr traurig. Ich muss immer an die Hinterbliebenen denken. Wie grausam sein Liebstes auf so eine schreckliche Art und Weise zu verlieren. Ich denke genauso wie du und mir wird wirklich Angst und Bange, wenn ich daran denke, dass sich Geschichte und gerade eine so dunkle wie die unsere – wiederholten könnte. Ich hoffe das es nicht so weit kommt und wir aus unseren alten Fehler gelernt haben! Die Rechten dürfen einfach nicht siegen! Ich versuche einfach zuversichtlich in die Zukunft zu blieben!
    LG
    Manu

    • Ja, es ist zum Heulen. Ich versuche diese Vorstellungen zu verdrängen, was es für die Hinterbliebenen heißt, dass ihre Lieben so plötzlich aus dem Leben gerissen wurden. Ich bekomme sonst das Heulen.
      Aber niemals dürfen wir den rechten Rattenfängern folgen, die für pauschale Menschenverachtung stehen und kein Stück besser sind als fanatische Islamisten.

  2. Liebes Felli,
    ich kann dir nur zustimmen, das ist doch klar, sonst würde ich doch nicht dafür sein, dass du endlich bald die Weltherrschaft übernimmst!!!
    Beim Lesen im Blog des Herrn Ackerbau habe ich doch einen Seelen – Verwandten
    meines Herrchens entdeckt 🙂
    Liebes Wuffi Isi,
    deren „Leute“ einfach positiv denken!!!!!

    • Liebe Isi,
      Herr Ackerbaus Blog ist eine sehr gute Entdeckung, skurril, aber auch oft gute Literaturtipps, das ist sooo nach meinem Geschmack.
      Ich habe eben einen positiven Blogartikel veröffentlicht. Musste mich erst mal überwinden, ging dann aber ganz gut.
      Liebe Grüße und Schlabberküsschen von den beiden Wölfchen

  3. Ich bin derselben Meinung wie Herr Ackerbau und du –
    und ich bin fassungslos und mir fehlen die Worte, wenn ich im Fernsehen die schrecklichen Bilder sehe …

  4. Danke für Deinen Artikel und für den Link zu Herrn Ackerbau.
    Ihr bringt es auf den Punkt.
    Mir fehlen die Worte.
    Versuchen wir,positiv zu denken,wie Isi es ausdrückt.

  5. Zumal es ja auch das gibt: Muslimische Jugendliche mit DEUTSCHEM Pass fühlen sich in Deutschland ausgeschlossen, missverstanden, misstrauisch beäugt und reisen in die Türkei um von dort über die syrische Grenze zu gehen und sich dem IS anzuschließen. Teilweise ja sogar solche, die erst zum Islam konvertiert sind. Und die könnten selbst mit Passkontrollen problemlos wieder nach Deutschland kommen. Und da beißt sich die Schlange in den Schwanz, denn sollte tatsächlich mal ein Anschlag dieser Art verübt werden, wäre es trotzdem für alle unsere lieben besorgten Bürger eine weitere Ausrede, noch mehr Misstrauen gegen Muslime zu hegen. Aber, ich glaube, das wissen die nicht mal so genau.

      • Es sollen ja ein paar 100 sein, mittlerweile auch viele Frauen dabei, die zwar nicht selbst Terroristen werden, aber IS-Krieger heiraten.
        Die Simpeldenker werden die Muslime aller über einen Kamm scheren, dagegen an zu argumentieren ist mühselig.
        Auch die Aussagen „dann sollen sich die Muslime endlich mal distanzieren“ ist so ein Fall. Zum Einen: Warum eigentlich?; zum Anderen tun es mittlerweile viele.

        • Ich hatte mal von der Politik-AG einen Wust von Blättern zu genau dem Thema. Und ich kann es nicht eindeutig sagen, weil ich den Stapel wahrscheinlich diesen Sommer weggeschmissen habe, zu viel Schulmaterial, das rumlag und von dem ich glaubte, dass ich es nie wieder lesen würde. Aber zumindest insgesamt, wenn man auch noch Franzosen, Tunesier, Briten, Amis etc. dazunimmt, dann sind es noch viel mehr.
          Es gibt sogar einen Hashtag auf Twitter von Muslimen die sich davon distanzieren, ich weiß aber nicht mehr wie der genau lautet.

          • Okay, also <a href"http://m.spiegel.de/politik/ausland/a-1001193.html#spRedirectedFrom=www&referrrer=http://r.duckduckgo.com/l/?kh=-1&uddg=http%3A%2F%2Fwww.spiegel.de%2Fpolitik%2Fausland%2Fis-islamischer-staat-zehntausende-auslaendische-kaempfer-machen-mit-a-1001193.html&quot; hier findet man einen Artikel zu dem Thema. Ironisches Halswürgen, wenn man dran denkt, dass der IS auf seine Art und Weise auch multikulturell ist. <a href"http://m.spiegel.de/politik/ausland/bild-1001193-782535.html&quot; Und hier eine Grafik mit den Ländern und Zahlen. Demnach sind 550 Deutsche nach Syrien zum IS gegangen. Euphemistisch ausgedrückt.

              • Ich glaube, da geht es weniger um Sinn, sondern um Ordnung. Weil eine Ordnung ja nicht unbedingt Sinn ergeben muss. Und ich weiß es ja nicht so genau, aber wahrscheinlich kommen sie nicht aus einem Umfeld, in dem Greenpeace ein Thema ist. Die meisten haben offenbar vorher auch weniger mit ihrer Religion zu tun gehabt und Drogen und Alkohol konsumiert und mit Verbrechen zu tun gehabt. In einem Fall gab es einen, der immer irgendwo dazu gehören wolle, zu den Kurden, zu den Salafisten, ein Gangster, ein Rapper, hauptsache irgendwo, egal auf welcher Seite. Und heute rappt er Propagandavideos für den IS. Da ist es ihnen dann egal, wem sie sich überhaupt anschließen, hauptsache sie sind dabei. Sowas ist dann schwierig zu diskutieren, wenn einem sonst immer erzählt wird, dass man man selbst sein soll und sich von niemandem was sagen lassen sollen, dabei ist die Wahrheit, dass man trotzdem irgendwo dazugehören will. Wenn man dann überall auf glatte Wände stößt.

              • Ich denke, dass es nicht die eine Konstellation gibt. Einige möchten irgendwo dazu gehören, es gibt aber auch die Menschen, die vorher in Cliquen etc. durchaus mittenmang dabei waren, aber irgendwann mit Partys etc. nicht mehr zufrieden waren. Ich erinnere mich selbst noch, als ich in dem Alter war und unbedingt irgendwas Sinnvolles machen wollte, diese Gedanken begleiteten mich auch noch zu Anfang meines Berufslebens — allerdings wollte ich niemanden erschießen, religiös war ich nie, sondern meine Gedanken gingen in Richtung Umweltschutz, aber Zorn war auch dabei (der ist mir auch heute noch nicht fremd, aber damals war für mich vieles schwarz-weiß). Egal, ich bin ja gar nicht das Thema, ich glaube aber, dass bei einigen etwas Ähnliches reinspielen könnte, nur, dass sie ihre Religion für die Erlösung der Menschheit halten… Letztendlich dürften die Ursachen und Motive aber recht vielfältig sein. Vom Außenseiter, der endlich eine Gemeinschaft entdeckt hat bis zum tiefen Sinnsucher ein weites Feld…

              • Nee, die eine Konstellation gibt es eigentlich nicht. Aber die meisten haben ein Problem mit der eigenen Identität und kommen mit der modernen Welt, in der man eigenverantwortlich ist nicht zurecht. Ich geb zu, einen Teil davon habe ich in aller Müdigkeit vor mir hingeschrieben. So wie jetzt.

    • Das werden sie nicht, ich rechne damit, dass solche Anschläge hier in Westeuropa noch häufiger vorkommen werden. 😦 Sehr bitter und traurig, so viele unschuldige Leben einfach ausgelöscht.
      Liebe Grüße

  6. Ich habe dieser tage selbst versucht, einen Post zu dem Thema zu verfassen, fühlte mich aber aus verschiedenen Gründen letztlich nicht in der Lage dazu.
    Daher möchte ich deinen Beitrag wenigstens unterschreiben, gerade, was die Flüchtlinge betrifft. Aber es ist ja immer so, dass als allererstes ein Sündenbock gesucht wird – und den sucht man selten in den eigenen Reihen, bzw. schaut auf das eigene Zutun.

    • Habe mich auch schwer damit getan, dann den Artikel bei Ackerbau gelesen und gedacht, ja, der muss verlinkt werden. So ganz ohne eigene Gedanken wollte ich das dann doch nicht, aber mir kommt es immer so vor, als würde ich mit so wenigen Sätzen der Komplexität des Themas nicht gerecht.
      Ja, Sündenböcke, so manche Parallele zu finsteren Zeiten in Deutschland kommt mir oft in den Sinn. 😦

Ehrerbietungen hier rein, bitte ;-)

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