Die WC-Künstlerin und die populäre Kunst

Jaaa, die anonyme WC-Künstlerin kann auch Genres, die man gemeinhin nicht mit hoher Kunst in Verbindung bringt, bereichern. Schaut Euch bitte dieses Werk an!

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Ihr erkennt nichts? Okay, dann von vorne:

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Das ist doch eindeutig ein Superheld in Toilettenpapierrollenpappkernform! Man sieht es an dem im Wind wehenden Cape, und das, obwohl im Damen-WC kein Windhauch herrscht. Wenn das keine Superkraft ist, dann ist nichts eine Superkraft! Und im ersten Bild sehen wir unseren Held in Hochgeschwindigkeit zu seinen Einsätzen fliegen. Nun seht Ihr es auch klar und deutlich, nicht wahr?

Nun fragt Ihr Euch bestimmt: Was für Aufgaben soll denn bitte ein Toilettenpapierrollenpappkernsuperheld haben? Die Menschheit retten? Was interessiert ein Toilettenpapierrollenpappkern die Menschheit? Richtig gedacht. Aber glaubt mir, auch andere … ähm … Kreaturen bedürfen der Hilfe eines Superhelden. So fand ich kurze Zeit später dieses hier auf dem Anstaltsgelände:

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Schweiget, was die Fotoqualität dieses Bildes betrifft, lasst stattdessen die Aussage auf Euch wirken. Wir sehen hier eine von allen guten WC-Geistern verlassene Toilettenapierrolle mit nur noch ganz wenig Papier um ihren Pappkern. Dramatik pur! Ich vermute, dass die anonyme Künstlerin dieses Stillleben arrangiert hat, um zu verdeutlichen, worum es hier geht.

Dass sie aber auch in Treibhäuser schleicht und dort weitere Objekte platziert, verleiht der Kunstform der verstreuten Ausstellungsstücke eine neue Dimension:

P1030209

Ja, es ist das, wonach es aussieht! Moment, ich zoome näher ran:

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Eine noch ziemlich vollständig bestückte Toilettenpapierrolle und sogar mit Muster! Eine mittelmäßige Künstlerin hätte hier zu einer schlichten Form gegriffen, doch unsere Meisterin kennt natürlich auch das Spiel mit Ornamenten (sozusagen)! Ich war und bin ergriffen!

Um dem Kunstwerk die nötige Dramatik zu verleihen, wurde es im Herbst um folgende Installation ergänzt:

Herbst

Es ist Herbst. Es ist kalt. Der Toilettenpapierrollenpappkern hat keinen weichen Mantel aus Tissue, nackt bis auf die Pappe liegt er auf dem Gehweg. Sollte mit dem vorletzten Bild etwas wie Heimelig- und Puscheligkeit über den Betrachter gekommen sein, so wird dieses Gefühl nun stürmisch hinweggefegt. Meine Freunde der Kunst, mir fehlen weitere Worte. Diese Meisterleistung, ausgedehnt in einem Umkreis von 6 Kilometern und zeitlich um mehrere Monate versetzt, so etwas gab es noch nie!

Anmerkung 1 für neue Leser: Hier wurde nichts fingiert, ich habe diese Objekte in genau der Form vorgefunden und lediglich fotografisch festgehalten.

Anmerkung 2 für neue Leser: Ja, dieses Blog ist bekloppt. Sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt. Wenn auch unfairerweise erst am Ende des Artikels. Irgendwas ist ja immer.

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24 Kommentare zu “Die WC-Künstlerin und die populäre Kunst

  1. Die Superkraft im Scheißhaus wacht – neee, mir fällt natürlich nichts sinnvolles ein am frühen Morgen und schon gar nichts passendes zum 4. Advent!

    Auf weitere Ornamente

    Andrea und Linda

    • Um die Zeit würde mir auch nichts Sinnvolles einfallen. Böse Monster sagen, mir fiele eh nur selten Sinnvolles ein, aber das streite ich ab, erwähnte ich nicht neulich erst ganz sinnvoll, dass… ähm, ich muss weg, die Hunde müssen raus, ist schon eine halbe Stunde her, dass sie draußen waren…

  2. Ich bin wirklich ergriffen. Das ist wahre Kunst! Aber zu der Rolle auf dem Asphalt muss ich anmerken: Ich befürchte, es ist der abgestürzte Superheld. Sicher wollte er die Welt retten. Seine Mission war aber wenig erfolgreich…
    LG Susanne

    • Ja, ich bin von Künstlern umgeben, in der Anstalt die anonyme Künstlerin, bei Dir Susa Septembers Meisterwerke… Ich scheine große Kunst wie ein Magnet anzuziehen. 🙂
      Die Theorie mit dem abgestürzten Superhelden hat viel für sich. Ich erkenne eine gewisse Ähnlichkeit. Das verleiht diesem Werk so eine düstere Grundstimmung, die mich etwas deprimiert…
      LG

  3. *kicher* wie schön, dass da was anderes steht als „heute ist der 4. Advent“ und so weiter.
    Ich wünsche dir weitere Erfolge beim Aufspüren genialer Installationen !

  4. Wie oft sind T-Papier-Rollen alle, wenn man auf einer öffentlichen Toilette ist.
    Aber die Rolle im Gewächshaus, die ist von Al*i-Nord. 4-Lagig, sehr, sehr gut.
    Wer wirft nur die verbrauchten Rollen draußen hin?
    Dir einen guten 4. Rest-Advents-Sonntag
    Bärbel

    • Öffentliche Toiletten, brr… Schön ist anders. Eigentlich müsste man immer Toilettenpapier bei sich tragen, wenn man in die Gefahr gerät, auf so ein Örtchen zu müssen.
      Oha, da hat die Künstlerin also ein Qualitätsprodukt verwendet. Sehr gut! 4-lagig, das ist flauschig.
      Tja, wer die verbrauchten Rollen draußen hinschmeißt, würde ich auch gern mal wissen, das ist schon etwas seltsam.
      Liebe Grüße

  5. Oh wie schön und klinisch rein deine Künstlerin da arbeitet.
    Wenn ich mir mal überlege, wie mache Frauen bei uns die Toilette verlassen … das Männer Flächen effektiv besprenkeln und befeuchten können ist ja bekannt, aber was Frauen auf dem Gebiet leisten können ist doch erwähnenswert.

    • Da kenne ich auch was von. Eine Kollegin malte vor einigen Jahren eine Klobürste auf einen Zettel, schrieb dazu: „Das ist eine Klobürste und man kann sie benutzen“ oder so ähnlich, und klebte das in die Damen-WC-Räumlichkeit. 🙂
      Ich wollte zuerst noch drunterschreiben: „Bitte um eine genaue Anleitung in Bildern ergänzen“, habe es aber doch sein gelassen. Aber vielleicht braucht manche Dame tatsächlich eine kleine Einweisung zu dem Thema…

  6. Ich schwöre, ich hab an „Superheld“ gedacht, als ich das Foto sah – noch bevor ich das darunter Geschriebene gelesen hab ^^
    Aber ist ja auch eindeutig. Interpretationsspielraum lässt hingegen die Gewächshaus-Rolle. Ob der Baum, aus dem das Papier gemacht wurde, in diesem Gewächshaus beheimatet war und nun nach seiner Transformation heimgekehrt ist? Wenn ja, hat unsere Künstlerin wohl eine sentimentale Ader.
    In jedem Fall aber ist es wie immer epochal.

    • Ihr seid Schwestern im Geiste, die Künstlerin und Du! Das Superhelden-Genre, in der großen Kunst eher selten beachtet, hier im Glanze erstrahlend wie 1000 Weihnachtsbäume…
      Die Theorie mit dem Baum finde ich wunderschön, sie passt zu Weihnachten. Eigentlich ist das Gewächshaus zu klein für große Bäume, aber es geht ja um die Symbolik.

  7. Dreilagig – oder?
    Mit dir kann man sich aber auch über jeden Sch… unterhalten, oder:
    „Du machst aus Sch.. Bonbon – äh Klorollen einen Post ❤
    Liebes Wuffi Isi,
    die den WEZ Wölfchen Bussis schickt.

    • Warte erst mal ab, wenn ich meine neue Blogserie starte. Die ist seit über 1 1/2 Jahren in Planung, und ich habe auch mehr als genug Material, aber immer denke ich, erst einmal allen alten Blogstoff abarbeiten, aber das klappt irgendwie nie. Jedenfalls wird die neue Serie auch recht bekloppt.
      Liebe Grüße und Schlabberküsschen von Bell-Nell und Schlummer-Socksi (nun weißt Du, was die beiden gerade machen)

Ehrerbietungen hier rein, bitte ;-)

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