Leseeindruck: “Winter der Welt” von Ken Follett

 

Leute, Leute, hier stapeln sich so langsam die gelesenen Bücher, nun geht es endlich mal los mit den Beiträgen für Daggis Buchchallenge. Da ich Rezensionen nicht kann, beschränke ich mich auf Leseeindrücke, teilweise inklusive Monsterabschweifungen und –Schwafeleien. Nun aber los.

P1110143

Worum geht es?

Wir sehen hier den 2. Band der Jahrhunderttrilogie, die mit “Sturz der Titanen” beginnt. Der gute Ken hat sich nichts weniger vorgenommen, als mehrere Familien durch das gesamte 20. Jahrhundert zu begleiten, in Großbritannien (England, Wales), Russland bzw. der Sowjetunion, USA, Deutschland und ein bisschen Österreich. Dieser Roman beginnt 1933 und endet 1949. Politische Ereignisse und Privatleben, Grauen und Liebe, alles dabei. Interessant sind die unterschiedlichen Perspektiven in den einzelnen Ländern, vieles kennt man schon, zumindest, wenn man ein gewisses Interesse an Geschichte hat, aber man (zumindest ich) konnte auch noch was dazulernen. Wusstet Ihr z. B., dass die ersten Versuchsreaktoren für das Manhattan-Projekt nicht in Los Alamos, sondern in Chicago entstanden? Wie die Weltgeschichte wohl verlaufen wäre, wenn die Atombombe nicht entwickelt worden wäre? Ich vermute mal, dass wir in Westeuropa dann vermutlich wieder konventionelle Kriege gehabt hätten. Nun können wir darauf warten, dass irgendein Irrer irgendwann die Bombe zünden wird, genug rum in alle möglichen Länder kommt die Technologie ja mittlerweile. Vielleicht wird der Wahnsinnige aber nicht in Nordkorea, Iran oder einem anderen Staat mit Diktator an der Spitze, sondern in Washington sitzen. Ist hier jemandem nicht mulmig bei dem Gedanken, dass bald ein Trump seine Finger in der Nähe des Roten Knopfes haben könnte? Schon ein George W. Bush hatte Pläne, “Mini-Nukes” zu entwickeln.

Aber zurück zum Thema. Über das Schlimmste im 20. Jahrhundert wird im Buch nur ansatzweise geschrieben. Vielleicht fühlte sich Ken Follett dem Grauen des Holocaust nicht gewachsen. Ich kann das verstehen. Genug brutale Ereignisse gibt es in dem Buch trotzdem.

Wie hat es mir gefallen?

Sehr gut. Ich mag Geschichten mit Familiendynastien. Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass die meisten Protagonisten starke Persönlichkeiten sind (was nicht unbedingt heißt, dass sie alle sympathisch sind). Die Spannung wird hauptsächlich dadurch erzeugt, dass man wissen möchte, wie es mit den Menschen weitergeht, wie sie sich in dieser dunklen Zeit durchschlagen, mit welchen Erlebnissen sie konfrontiert werden. Besonders tiefe Einblicke in das Seelenleben der Hauptpersonen sollte man aber nicht erwarten. Mir gefällt auch, wie Follett einige seiner Protagonisten hautnah große Entscheidungen der Weltgeschichte miterleben lässt. Im Hinterkopf sollte man behalten, dass es ein Roman ist. Follett wird sicher akribisch recherchiert haben, ein Rest kreativer Freiheit kommt hinzu.

Ich vergebe 4 von 5 XXL-Caipigläsern, was übersetzt heißt: “Sehr empfehlenswertes Buch.”

IconCaipi KopieIconCaipi KopieIconCaipi KopieIconCaipi KopieIconCaipi Kopie_blass

Zitat

Szilárd ergriff das Wort. “Mein Freund”, sagte er, “ich glaube, das heutige Datum wird als schwarzer Tag in die Geschichte der Menschheit eingehen.”

Das Cover

Gefällt mir auch gut, eine Frau mit Koffern an einem Bahnhof, der Hintergrund eisig-winterlich wirkend. Vermutlich hätten viele grausamere Darstellungen besser zu dieser Epoche gepasst, hier hat es mehr etwas von der Ruhe vor dem Sturm, zeigt aber schon die beginnende Entwurzelung vieler Menschen.

Man beachte übrigens in meinem Foto oben das epochale Lesezeichen. Entdeckt hatte ich sie seinerzeit bei Windsprite und nicht geruht, bis ich solche tollen Teile gefunden habe.

Zahlen, Daten, Fakten

Das Taschenbuch ist im BASTEI LÜBBE-Verlag erschienen, wurde auf Papier aus verantwortungsvollen Quellen gedruckt (braaav) und verdient sich mit dem Umfang von 1022 Seiten die Bezeichnung “fetter Wälzer”.

Erfüllte Aufgabe

Nr. 17: Ein Buch rund um das Thema Weihnachten oder Winter im Titel oder auf dem Cover.

Advertisements

35 Kommentare zu “Leseeindruck: “Winter der Welt” von Ken Follett

  1. Freut mich, dass es dir gefallen hat! Reich-Ranicki würde ja sagen, dass es für sowas Geschichtsbücher gebe, aber wie viele Normalbürger lesen denn schon Geschichtsbücher?! Und auch Interessierte wie du und ich können noch was lernen in den Büchern, wie du ja auch festgestellt hast. Ken Follett bringt auch denen Geschichte nahe, die sich sonst nicht mit Geschichte beschäftigen. Das ist, finde ich, eine tolle und eine ganz wichtige Leistung. Ich will nicht wissen, wie viele junge Leute es mittlerweile gibt, die gar nichts von der Kubakrise wissen…

    • Nichts gegen MRR, war ein ganz Großer, aber manchmal hatte er schon eine sehr elitäre Denkweise. Ich sehe das genauso wie Du. Und auch Menschen, die Geschichtsbücher lesen (so wie ich) können solche Bücher genießen.
      Ich hoffe, dass Ken Follett vielen die Geschichte näherbringen kann.
      Tja, die Kubakrise kennen bestimmt viele nicht mehr. Und vermutlich nicht nur die, die denken, dass der erste Präsident der Bundesrepublik Deutschland Hitler hieß… *brr* (Kam als Antwort neulich bei irgendeiner Umfrage.)

  2. Nachtrag 2: Der Holocaust wird tatsächlich nicht sehr stark thematisiert, aber ich denke mir, dass das Follett ein zu gewaltiges Thema war, um es im Rahmen der Geschichte der Familien umfassend abzuarbeiten. Es gibt ja auch viele Romane, die sich speziell damit befassen.

    • Wahrscheinlich, und ich könnte mir vorstellen, dass er davor auch einfach zurückgeschreckt ist (reine Spekulation, klar), denn ein klein wenig mehr einbauen wäre wohl möglich gewesen, aber ich meinte das nicht negativ, ich kann verstehen, dass er darum einen großen Bogen gemacht hat. Das Grauen des Krieges und die Brutalität der Nazis hat er thematisiert, aber diese für mich immer noch unfassbare industrialisierte Menschenmassenvernichtung — das ist für einen Schriftsteller noch mal eine ganz andere Herausforderung. Vielleicht dachte er auch, dass es den Opfern nicht gerecht würde, hätte er dieses neben den vielen anderen Ereignissen eingebaut. Wie auch immer, es ist auch so eine großartige Buchreihe. Band drei habe ich noch nicht angefangen, wird aber demnächst auch losgehen.

  3. Ich finde ebenfalls die gesamte Reihe großartig! Von der Kubakrise wusste ich, auch als jüngere Generation, etwas, aber über den Krieg mit Japan konnte ich noch viel lernen.
    Ich denke, dass der gute Ken einen Gesamteindruck geben wollte, und das ist ihm auch sehr gut gelungen. Die Konzentrationslager werden ja leicht angeschnitten, wobei ich es spannend finde, dass er dabei das Augenmerk auf die Homosexuellen gerichtet hat. Im Übrigen wissen wohl viele vom Holocaust, aber nur wenige von der alltäglichen Diskriminierung von Juden, was anhand der Familie des jüdischen Arztes thematisiert wird. Zusätzlich hat er ein weiteres Thema hervorgeholt, das oft untergeht: Die zielgerichtete Vernichtung von Menschen mit Behinderung. Und es geht immer um die Betrachtung aus der persönlichen Perspektive – die wäre wohl für den Holocaust eh nicht umfassend genug gewesen.
    Wünsche dir schon viel Spaß mit Band 3!

    • Die Vernichtung der Menschen mit Behinderung zu thematisieren, rechne ich ihm auch hoch an. Das ist ein Aspekt, der bestimmt nicht jedem bekannt ist. Hätte er alle Gräuel des Naziregimes ausführlich darstellen wollen, hätte die Buchreihe wohl mindestens 10 Bände allein dazu umfassen müssen. So ist es ein großes Romanprojekt, das natürlich gar nicht alles vollständig erfassen kann.

        • Nein, ich habe hier noch weitere 4 gelesene Bücher liegen, die ich aber nicht anhand der Themen ausgesucht habe, sondern die suche ich mir jetzt nachträglich, bisher war es nicht schwer. Registriert habe ich mich für das Projekt glaube ich Anfang des Jahres. Oder schon Ende 2015? Irgendwie so…

          • So habe ich mir das auch vorgestellt: zuerst das Buch, dann ein passendes Thema suchen 🙂 Das Projekt schaut sehr nett aus, aber deswegen lese ich sicher nicht irgendwas, was mich nicht interessiert. Es erschüttert mich nur etwas, dass es da Leute gibt, die erklären in einem Monat 27 Bücher gelesen zu haben ……

  4. Puh, sooo viele Seiten,
    da kann ich das Buch ja gar nicht mit meinen Tatzen halten 😦
    Aber das Lesezeichen ist der Hammer 🙂
    Liebes Wuffi Isi,
    die für Socks & Nelly Schlabberbussis schickt.

    • Da gibt es nur eins: Deine Managerin vorlesen lassen! Macht sie bestimmt gerne. 🙂 Muss nur immer viel trinken, damit sie gut bei Stimme bleibt. Wasser natürlich, keinen Caipi…
      Liebe Grüße und Schlabberküsschen von den Verrückten

  5. Sehr schön „geschwafelt“, künftige WeHe … 😀
    Ken Follet ist nicht mehr so meins, allein wegen des Umfangs 🙄
    Da bin ich faul geworden und warte auf entsprechende {historische} Verfilmungen.

  6. Denk einfach an den Ewigen Krieg, den ich dir zugeschickt habe, da hast du eine gar grosse Bandbreite, von Physik über Fasten, leben mit Amputationen, Drogen, Zeitreisen, Alliens, Arbeitsplatzteilung, Künstliche Befruchtung, Exzessiven Waffengebrauch gegen seine Mitbürger und Gesellschaften mit einem Homosexuellen Schwerpunkt.
    Da ist für jeden was dabei 😉 und das Buch stammt auch aus den 60/70’ern .

Ehrerbietungen hier rein, bitte ;-)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s