Ich hab mich so gefreut!

 

Achtung, der folgende Beitrag enthält Spuren von Sarkasmus. Bei Ironie-Intoleranz bitte nicht weiterlesen. Bitte aber ganz unten meinen Linktipp unter „Wichtig“ beachten. DANKE!

Die Panama-Papers sind ja nun in aller Munde. Keine Angst, ich blogge jetzt nicht seitenlang über Steueroasen, Briefkastenfirmen und was sonst noch so von sehr reichen Menschen genutzt wird, um Steuern zu sparen.

Ich freute mich aber sehr darauf, dass in den Blogs/Webseiten/Facebook-Seiten, die sich immer sehr kritisch mit dem Flüchtlingsthema auseinandersetzen, vor allem mit den hohen Kosten, die diese unserer überragenden westlichen Kultur doch so fernstehenden Asylantragsteller, die so tun, als seien sie Kriegsflüchtlinge, in Wirklichkeit aber doch nur in unser Schlaraffenland wollen und hier sämtliche Betrugsmaschen ausschöpfen (so ist es mehr oder weniger subtil zwischen den Zeilen herauszulesen), für uns Steuerzahler verursachen.

Gefreut habe ich mich auch auf neue „Spaziergänge“ zum Thema unsolidarische Superreiche. Frische Luft ist ja so gesund. Montage sind schon von den -gidas belegt, Freitag und Sonnabend ist Buli, Sonntag „Tatort“, aber Dienstag bis Donnerstag wären noch frei.

ABER:

Was lese ich zu dem Thema auf den Seiten?

Nichts! Rein überhaupt gar nichts! Es scheint diesen Bloggern/Website-Schreibern/Facebookern völlig egal zu sein, dass reiche Menschen durch Steuerhinterziehung einen Schaden für unser Staatswesen anrichten, der um einiges höher ausfallen dürfte als die Kosten für die Flüchtlinge. Es gibt leider keine richtig belastbaren Zahlen. Flüchtlingskosten: Irgendwas zwischen 20 – 50 Milliarden Euro in 2015. Steuerhinterziehung: Der Focus, eher nicht im Verdacht, zur linksversifften Gutmenschenpresse zu gehören, spricht von 100 Milliarden jährlich.

Und wohlgemerkt: Nicht alle diese Briefkastenfirmen sind illegal. Überhaupt nicht illegal ist das Verhalten großer Konzerne, die ihre Gewinne in Staaten versteuern, die mit niedrigen Sätzen locken. Deswegen muss so etwas wohl auch nicht weiter kritisch beäugt werden, zumal man offensichtlich genug damit zu tun hat, mehr oder weniger subtil Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen.

Ich rede hier übrigens nicht von Personen, die in der Lage sind, das Gesamtbild zu betrachten, sondern von Schreibern, die immer und immer und immer wieder nur die Negativbeispiele hervorzerren und sich weigern zu akzeptieren, was es heißt, Kriegsflüchtling zu sein. Während ich von den meisten “Gutmenschen” durchaus zu hören bekomme, dass ihnen bewusst ist, dass nicht alle Flüchtlinge ganz lieb seien und sich mit Feuereifer integrieren wollen – so viel zum Thema Realitätssinn. Natürlich gibt es betrügende Flüchtlinge, gewalttätige Flüchtlinge, wie es übrigens auch betrügende und gewalttätige Deutsche geben soll, aber das ist dann ja wenigstens unsere Kultur, nech?

Was schließen wir daraus? Gar keinen mehr aufnehmen, auch nicht die vielen Kriegsflüchtlinge, die einfach nur dankbar sind, ihr Leben retten zu können? Soll das wirklich die Konsequenz sein? Die Schreiber, an die ich denken muss, äußern sich hierzu interessanterweise nicht. Sie überlassen ihren Lesern die Schlussfolgerungen, lieb, oder?

Immerhin habe ich einige interessante Facebook-Kommentare gelesen. Einer wies darauf hin, dass ja nicht wirklich Kosten entstünden, es würden ja nur weniger oder keine Steuern bezahlt, das seien aber ja keine Kosten.

Aha. Mehr Steuereinnahmen = mehr Geld für z. B. die Infrastruktur oder zum Abbau der Schulden, das habe ich vor diesem weisen Kommentar gedacht, aber das würde vermutlich eh nur alles an die Flüchtlingshorden gehen, die betrügend durch deutsche Lande ziehen. Dann doch besser so!

Auch schön: Generell müssten Firmen niedriger besteuert werden, denn sie schaffen so viele Arbeitsplätze, und das täten sie sonst nicht.

Ach so. Nee, darauf einzugehen, ist mir zu doof, das wird sonst wieder so ein ellenlanger Artikel.

Wir fassen zusammen: Steuerflüchtlinge (übrigens ein scheiß Begriff, das sind nun wirklich keine Flüchtlinge, sondern Betrüger!) und Konzerne, die ihre Gewinne sonstwo versteuern, aber nicht in den Ländern, wo sie anfallen, sind anscheinend nicht so kritisch zu betrachten wie Flüchtlinge. Letztere schaffen nämlich keine Arbeitsplätze und sehen irgendwie auch noch so anders als wir aus, außerdem distanzieren sie sich nicht jeden Tag mindestens 20 x vom Islamismus, also raus damit oder gar nicht erst reinlassen.

Jetzt mal ganz ohne Sarkasmus: Lest bitte diesen Artikel bei DeutscheMuslima. Die Schreiber, die ich mit meinem Artikel meine, schmeißen sicher keine Brandsätze in Flüchtlingswohnungen oder üben sonstwie körperliche Gewalt aus. Aber diese Vorgehensweise, immer nur die negativen Aspekte zu beleuchten, teilweise auch noch mit falschen Fakten, ist Gift, das in die Hirne von Menschen, die nach Sündenböcken suchen, geträufelt wird und zu solchen Aktionen führen kann.

Zum Schluss möchte ich Euch noch dieses Video ans Herz legen. Ich weiß, dass ich bei meinen Stammlesern eh offene Türen einrenne (darüber bin ich sehr froh!), aber bei zweifelnden Menschen kann es vielleicht zu Nachdenklichkeit anregen. (Ich gebe die Hoffnung nicht so schnell auf.) Es ist berührend und hoffentlich auch aufrüttelnd.

(Habe ich bei Scrooge/Grenzwanderer entdeckt, danke dafür!)

Sorry fürs schon wieder Rumpolitisieren.

Klarstellung — einen Tag später

Ich habe eine Nacht über den Artikel geschlafen und möchte vorsichtshalber noch präzisieren, um welche Schreiber es mir vor allem geht. Definitiv nicht um die, die plumpe Parolen auf Facebook & Co. von sich geben, oftmals in einer Sprache, die nur noch entfernt an die ihres geliebten deutschen Vaterlandes erinnert…

Nein, es geht mir um die, die in relativ eloquenter Manier über das Thema Flüchtlinge schreiben und denen es damit gelingt, Menschen zu beeinflussen, denn es ist nicht alles falsch, was sie schreiben (meistens aber auch nicht alles richtig). Soweit ich es beurteilen kann, handelt es sich um Menschen, die einen guten Job haben, einen gewissen Wohlstand genießen dürfen, also gutsituierte Mittelschicht (Tendenz eher nach oben als nach unten). Was mich daran stört? Folgende Erfahrungen:

  • Es werden immer nur negative Erlebnisse/Erfahrungen mit Flüchtlingen geschildert
  • Kosten, Kosten, oh, was das alles kostet, unsere Steuergelder!
  • Der Versuch, in Diskussionen zu gehen (und glaubt mir, ich bin bei solchen Diskussionen — im Gegensatz zu diesem Artikel — sachlich, weil ich mir davon den größeren Gewinn erhoffe) endet i. d. R. ganz schnell, aber leider nicht durch überzeugende Argumente, sondern durch Wischiwaschi-Klatschen, indem einem sofort unterstellt wird, dass man ja fern jeglicher Realität sei (Kurzfassung: Gutmensch, aber sie formulieren es in der Regel geschickter)
  • Die Autoren sagen es nicht so direkt, aber eine ihrer größeren Sorgen scheint zu sein, dass ihr Wohlstand, ihr mehr oder weniger gemütliches Dasein, gefährdet ist, die größten Probleme in deren Leben scheinen eher zu sein, dass das geliebte Autochen sich im Schlagloch einen Achsenbruch holt
  • Was fehlt: Mitgefühl mit der Situation der Flüchlinge, selbst Wirtschaftsflüchtlinge kommen aus Zuständen, gegen die Hartz IV noch ein Traum ist (ich bin übrigens gegen Hartz IV, anderes Thema, nur um das klarzustellen). Bei aller Kritik an der Politik in Deutschland, aber ich bin trotzdem dankbar, dass ich hier geboren wurde. Und dazu habe ich nichts beigetragen. Wie auch die besagten Autoren nicht. Nur einmal in sich gehen, was wäre, wenn sie in z. B. Syrien geboren worden wären? Oder Nigeria? Schade, dass man es nicht einrichten kann, bestimmten Menschen so eine Erfahrung mal für einige Wochen am eigenen Leib erfahren zu lassen, ich gebe zu, dass ich es so manchem gönnen würde (ja, ich bin böse, hat sich das mit dem Gutmensch nun erledigt?). Einfühlungsvermögen ist kein fucking Gutmenschentum.
  • Häufiger findet man in diesen Artikeln Lob an Orban & Co. DAS ist für mich das Üble: Die Schlussfolgerung, einfach die Grenzen dichtzumachen (wird nicht immer explizit genannt, kann man aber, wenn man zwischen den Zeilen liest, entsprechend ableiten). Das ist unmenschlich. Das ist nicht mein Europa.
  • Vielleicht einfach mal selbst mit Flüchtlingen reden? Oder mit Soldaten, die aus dem Krieg kommen und traumatisiert sind? Oder überhaupt mit Menschen, denen es nicht so gut geht? Kann ich nur empfehlen. Hilft vielleicht gegen dumme Sprüche wie „die wollen nur in unser Schlaraffenland“.

Fazit: Ich bin nicht blauäugig, ich sehe auch die Probleme, die es gibt. Auf der einen Seite überfüllte Flüchlingsheime, während in anderen Bundesländern die Hälfte der Unterkünfte leersteht. Polizei, die häufig zu Streitigkeiten ausrücken muss (ob das so erstaunlich ist, wenn man 600 Leute in einen Baumarkt stopft, ohne Möglichkeit, sich mal zurückzuziehen, lasse ich dahingestellt, ich glaube, dass es auch bei deutschen Bewohnern unter den Umständen genügend Schlägereien geben würde…). Das Abkommen mit Erdogan ist eine Schande für die EU! Auch Köln (Silvester) habe ich nicht vergessen. Es gibt hier Diskussionsbedarf, wie man mit solchen Themen und Vorkommnissen umgeht. Aber wer meint, dass Grenzschließungen und Abkommen mit Diktatoren der richtige Weg sind, anstatt verfolgten Kriegsflüchtlingen zu helfen, und wir bleiben wie die Maden in unserem Wohlstandsspeck sitzen, dem sach ich dann mal: Fröhliches AfD-Wählen. Aber nicht wundern, was dabei rauskommt…

Und, ach ja, noch an die Leute, die sich Sorgen um die Menschen machen, die in diesem unserem Land (H. Kohl) nicht im Wohlstand sausen und brausen: Glaubt Ihr, dass es Obdachlosen, alleinerziehenden Geringverdienern etc. pp…. besser gehen wird, wenn die Grenzen dichtgemacht werden? Was hat die Politik in den letzten Jahrzehnten an Sozialpolitik auf die Beine gestellt, um den Wohlstand gerechter zu verteilen und für Chancengleichheit (Bildung! Bildung! Bildung!) zu sorgen? DAS wäre auch mal den ein oder anderen Spaziergang wert! Aber das Sündenbockverfahren funktioniert bei diesem Thema nicht so gut…

Wichtig!

Vorhin entdeckt, die Blogparade „Schreiben gegen Rechts“ ist nun vorbei und Anna hat noch mal richtig was auf die Beine gestellt: Die ganzen Beiträge als E-Book und PDF-Dokument gibt es nun bei ihr zum Download! Es sind sehr viele großartige Beiträge dabei. (Und ein überlanger schwafeliger, aber den kennt Ihr ja schon… 😉 ) Danke, Anna, für diese wichtige Blogparade!

Ab morgen dann wieder der übliche Bekloppti-Wahnsinn hier im Blog, u. a. mit

  • Socksi, der sich jetzt doch mal persönlich zu Wort bellmelden will, denn er hat da eine dreiste Frechheit ohnegleichen zu veröffentlichen
  • schlechtem Einfluss der Helene Fischer auf bestimmte WEZ-Bewohner
  • einem epochalen Gewinn

PS: @Sie-weiß-schon-wer-gemeint-ist: Sorry, doch wieder etwas länger geworden! Ich arbeite dran…

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7 Kommentare zu “Ich hab mich so gefreut!

  1. Puh, das war ja dann doch wieder etwas lang, aber weil ich Deine Meinung vertrete, habe ich ALLES gelesen!!
    „Schade, dass man es nicht einrichten kann, bestimmten Menschen so eine Erfahrung mal für einige Wochen am eigenen Leib erfahren zu lassen, ich gebe zu, dass ich es so manchem gönnen würde“
    Du sprichst mir damit aus der Seele!!
    Anerkennende Grüße Heidi,
    und Schlabberbussis für Socks & Nelly von Isi,
    die sich schon auf den Beitrag von Socksi freut 🙂

    • Ja, aber ich habe mich entschuldigt und werde zur Entschädigung irgendwann demnächst ein Helene-Fischer-Video als Entschädigung verlinken. 😀
      Hab Socksi schon einen Account eingerichtet, das ist ja eine Arbeit geworden… Aber es ist vollbracht, er kann es nicht erwarten, von den empörenden Vorfällen hier zu berichten.
      Liebe Grüße und viele Schlabberküsschen von Nelly und Socksi-Bloggsi

  2. Wenn ich mir anschaue, dass z.B. eine Gaststätte unverbrauchte Lebensmittel wegwerfen muss, statt sie den Mitarbeitern schenken zu dürfen: geldwerter, zu versteuernder Vorteil!- wenn ich sehe, wie Kleinfirmen mit drei Mitarbeitern kontrolliert werden, u.v. a. – die Beispiele ließen sich lange fortführen, ärgere ich mich gewaltig.
    Da bekommen Menschen das Bundesverdienstkreuz, retten sich vor der Steuer in Stiftungen(damit sie bestimmen, welches Geld wohin geht, und stehen stolz als Spender da), usw., aber z.B.eine Grundrente von 1000,- Euro, um die ganze Bürokratie zu reduzieren können wir uns nicht leisten.
    Flüchten ist kein Abenteuerurlaub, sondern bitterer Ernst! Und Helfen ist auch keine
    beliebige Leistung, sondern Humanisten- wie Christenpflicht! Von den Moslems übrigens auch!
    Die Kirchen halten sich sehr bedeckt bei allem, eigentlich sollten sie darum bitten, dass die Scharfmacher ihre Taufscheine abgeben.

    • Alles Punkte, die mich auch ärgern. Und noch so einiges mehr, leider ist die Liste ziemlich lang. Mir macht das Angst, weil solche Sachen die Demokratie (an der ich sehr hänge) meiner Ansicht nach gefährden, vor allem die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich (weiter oben habe ich „Die Anstalt“ verlinkt, dort wird einiges gut auf den Punkt gebracht).
      Apropos Helfen, was ich in letzter Zeit von Pegida & Co.-Sympathisanten auch öfter mal lesen musste: Wo denn jetzt die ganzen Leute seien, die die Flüchtlinge willkomen heißen? Der durchschnittliche AfD-Wähler hofft wohl, dass die Gutmenschen alle umgeschwenkt sind… Dass die Helferei viel Kraft kostet, nicht nur Zeit, sondern es auch eine Belastung ist, die Lebensläufe der Flüchtlinge hautnah zu erfahren, das geht in deren Birne nicht rein.
      Ich muss von diesem Pegida-Gefasel echt mal eine Pause machen, ich werde sonst irre…

Ehrerbietungen hier rein, bitte ;-)

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