Kunst in der Anstalt: Die Erschöpfte



Nebenan gibt es Kastenkunst zu sehen. Zeit, auch hier mal wieder ein Meisterwerk der geheimnisvollen WC-Künstlerin der Anstalt zu zeigen. Ich gehe davon aus, dass Ihr sehr nach ihren Werken dürstet. Geht mir nicht anders, ich möchte aber vermeiden, durch Masse eine gewisse Beliebigkeit zu erzeugen. Eine Übersättigung kann es nicht geben, nicht bei der Kunst, aber es gilt: Mach dich rar, dann biste nicht so schnell gar. (Das ergibt überhaupt keinen Sinn, außer für Kochgut, welches dem Topf durch die Strategie des Rarmachens entgeht.)

Als ich dieses Werk sah, wusste ich gleich, dass es nur „Die Erschöpfte“ heißen kann. Seht nur, wie schlaff, ja geradezu ausgelaugt, die Schleppe das Toilettenpapierrollenpappkerns herunterhängt. Ich vermute, dass die arme Kreatur vermutlich den halben Tag eine Schulung geben musste und am späten Nachmittag noch eine Telefonkonferenz mit der Konzernzentrale hatte. Ich sehe es vor meinem geistigen Auge: Der arme  Toilettenpapierrollenpappkern musste Toilettenpapierrollen im richtig Herumhängen schulen und tausend Diskussionen führen, warum so rum und nicht anders; und nachmittags ging es mit dem Konzerncontrolling um wichtige Sachen wie die richtige Kennzahlenermittlung von verbrauchtem Toilettenpapier und die preisliche Entwicklung desselben mit erfrischenden Diskussionen, ob man Reparaturbestellungen bei Materialkostenveränderungen mit einfließen lassen sollte. Wie oft werden Toilettenpapierrollen repariert? Und was sagt die Zeitschrift „Controlling & Management“ dazu?

Das sind so Fragen, die nicht beantwortet werden müssen, denn Einkaufscontrolling interessiert uns hier nicht, also wenden wir uns der Schönheit dieses Meisterwerkes zu. Beachtet bitte auch unbedingt den Spiegelungseffekt mit der WC-Bürste! Das ist wichtig!!!!1! Ich präsentiere Euch nun die Fotos in ihrer atemberaubenden Schönheit und riskiere damit, Euch eine schlaflose Nacht zu bereiten, aber so ist das mit großer Kunst: Sie wühlt auf, sie sorgt für Schlafstörungen, sie ist unverzichtbar.

2015-03-25 11.50.44

2015-03-25 11.50.38

2015-03-25 11.50.31

2015-03-25 11.50.47

2015-03-25 11.50.51

2015-03-25 11.51.03

Hinweis für neue Leser oder auch Stammleser, die es vergessen haben: Diese Kunstwerke finde ich genauso in der Anstalt vor, da ist nichts fingiert oder von mir selbst in Szene gesetzt. Ich bin lediglich diejenige, die die Ehre hat, diese Meilensteine der Kunst fotografisch für die Jetzt- und Nachwelt festzuhalten. Und ich interpretiere gern mal so vor mich hin, ohne zu wissen, ob ich die Absicht der Künstlerin richtig verstehe. Aber solange sie keine Dokumentation dazulegt, darf ich das!

 

 

Advertisements

18 Kommentare zu “Kunst in der Anstalt: Die Erschöpfte

  1. Liebes Felli,
    schlaflose Nächte werde ich haben, denn als Baby durfte ich manchmal mit dem Toilettenpapierrollenpappkern spielen.
    Das fällt mir jetzt ein, und ich vermisse SOWAS 🙂
    Ich werde dich wohl in der Anstalt besuchen müssen!!
    Liebes Wuffi deine Isi,
    die für Socks & Nelly Schlabberbussis mitschickt.

    • Liebe Isi,
      Du wirst es kaum glauben, aber in der Anstalt herrscht Hundeverbot, und wie ich die Ignoranten kenne, machen sie nicht mal für einen absoluten Superstar eine Ausnahme. Anstalt eben…
      Es war bestimmt total süß, wie Du mit den Pappkernen gespielt hast. Kann Heidi Dir nicht einfach mal wieder einen geben? 🙂
      Viele Schlabberküsschen von den beiden Süßen

      • Blöde Anstalt 🙂
        Ok, ich werd Heidi fragen ❤
        Liebes Wuffi Isi,
        die gute N8 Bussis für ALLE WEZ Bewohner schickt.

  2. Arme Klopapierrolle. Wenn sie heute noch so traurig und erschöpft rumhängt, schicke sie mal zum Lucky, der veranstaltet bestimmt eine Party mit ihr…

    Wuff-Wuff dein Chris

    • Das Schlimme ist ja: Die Putzfrau beseitigt diese Meisterwerke immer sehr schnell. Sie hat keinen Kunstsachverstand. Traurig, deprimierend und für die Kunstwelt eine große Katastrophe. Gut, dass ich ständig mit meinem Handy im Damen-WC herumlungere!
      Knuddelgrüße

    • Das halte ich gut für möglich, obwohl ich auch „Am Abgrund“ mit ganz vorne sehe. Es ist schwerig zu entscheiden, aber auf jeden Fall hat die Künstlerin sich hier selbst übertroffen!

  3. Furchtbar nicht mal ein Mann kann eine Toilette so gründlich verwüsten und beschmutzen wie eine Frau.
    Was wir da manchmal in der Praxis erleben müssen, da wünsch man sich manchmal einfach den Opa zurück, der einfach nur die die Brille bepinkelt .

    • Mir fehlen da die Vergleichsmöglichkeiten (obwohl ich mal im Tran aus Versehen in der Anstalt ins Männer-WC gegangen bin), aber ich erinnere mich gut an die Kollegin, die eine Klobürste auf einen DIN A-4-Zettel malte und etwas in der Art wie „Das ist eine Klobürste, bitte benutzen“ oder so schrieb und das an die Wand des Damen-WCs klebte. Vielleicht hätte sie noch eine Anleitung, wie das geht, dazumalen sollen…

    • Das ist bewegende Kunst, nur sie vermag es, dass man sich tagelang den Kopf zermartert… Ich bin mir sicher, dass das, an das das Werk Dich erinnert, ebenfalls ganz große Kunst ist. (Cool, so oft „das“ in einem Satz… Mein Deutschlehrer wäre unbegeistert.)

Ehrerbietungen hier rein, bitte ;-)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s