Blogparade: Angehörigenpflege

 

Dergl hat eine Blogparade mit einem ernsten Thema ins Leben gerufen: Angehörigenpflege.

Manchmal verirren sich auf dieses Blog auch ernste Themen. Ich finde es sehr gut, dass Dergl diese Parade ins Leben getroffen hat, denn 1. sind viele davon betroffen und 2. sind die Bedingungen, die pflegende Angehörige, aber auch Pflegepersonal ausgesetzt sind, häufig eine Katastrophe.

Noch bin ich nicht wirklich eine pflegende Angehörige, meine Mutter braucht zwar mittlerweile eine gewisse Unterstützung, aber das ist alles noch im schaffbaren Rahmen, es geht eher ums Einkaufen, darauf achten, dass sie die richtigen Tabletten regelmäßig nimmt, genug trinkt, Bürokram erledigen, zusehen, dass sie vernünftiges Essen bekommt…

Nichtsdestotrotz hat sie in den letzten Jahren körperlich abgebaut, sie hat mit Schwindel zu kämpfen, in den letzten 2 Jahren musste sie dreimal mit Brüchen ins Krankenhaus, weil sie ihren Rollator nicht konsequent genug genutzt hat und die Stürze zu Brüchen führten. Auch ist gründliches Waschen für sie nicht mehr so einfach zu bewerkstelligen.

Darum überlegte ich letztes Jahr, auch auf Anraten des Hausarztes, Pflegestufe 1 zu beantragen. Was ich dann auch tat. Und das soll mein Thema sein, quasi die Vorstufe, daher wird mein Beitrag nicht so bedrückend wie die Artikel der anderen Teilnehmer, ich möchte mir aber doch mal Luft verschaffen, denn die Auftritte der Prüfer, die einem der MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) ins Haus schickt, sind gelinde gesagt eine Frechheit.

Vorweg: Ich finde es in Ordnung, dass der Zustand der zu pflegenden Menschen begutachtet wird, um Betrug zumindest einzudämmen. Ich erwarte allerdings Fairness und ein gewisses mitmenschliches Auftreten der Prüfer. Die sind aber im Gegenteil ganz offensichtlich darauf gedrillt, dafür zu sorgen, dass die Gelder in der Pflegekasse verbleiben.

Ich habe mich vorher im Bekannten- und Kollegenkreis umgehört und viele Geschichten gehört. Nicht eine davon berichtete von einer Prüferin (es scheinen fast immer Frauen zu sein), die auch nur annähernd eine realistische, anständige Beurteilung abgegeben hat. So gut wie alle mussten Widerspruch einlegen, und das, obwohl die Mutter oder der Vater teilweise nicht mal mehr allein aufstehen konnten. Da war der Fall einer Mutter, die beinahe nur noch im Bett lag. Pflegestufe 1 (!) abgelehnt.

Anderer Fall, Prüferin betritt die Wohnung, die von der Tochter der Mutter immer gründlich geputzt wurde. Sagt zu der Mutter: „Sie sind nicht berechtigt, Sie können Ihre Wohnung ja noch gründlich alleine reinigen!“ Das hat die einfach mal so unterstellt, ohne zu fragen, ob die Putzaktivitäten vielleicht von einer anderen Person stammen könnten.

Rollstuhlfahrer: Nein, kein Anrecht, die Wohnung sei ja behindertengerecht (barrierefrei) eingerichtet, da käme er schon ganz alleine zurecht.

Könnte seitenweise so weiterschreiben, bevor ich aber vor Wut auf den Schreibtisch haue, nun meine eigenen Erfahrungen.

Das alles fand im Dezember 2016 statt, als es noch 3 Pflegestufen gab. Mittlerweile hat sich da einiges geändert, dafür gibt es im Internet genug Quellen, daher erspare ich mir eine detaillierte Erklärung an dieser Stelle.

Es klingelte und wie sich das gehört, schlugen die Höllenhündchen an. Ich sperrte die beiden ein und öffnete die Tür. Und sah niemanden. Ach, doch, die Dame war die 5 Stufen wieder runtergegangen und hatte sich drei Meter vom Eingang weggestellt. Ich begrüßte sie und fragte sie, ob sie nicht reinkommen wollte. Angst vor Hunden, okay, das gibt es und darauf nehme ich natürlich Rücksicht. Ich hatte aber sofort das Gefühl, verloren zu haben, ihr abwertender Blick sprach Bände. Die Frau war dermaßen kalt, unpersönlich und distanziert, das mir etwas passierte, das ich relativ selten erlebe: Antipathie auf den ersten Blick.

Nun wollte ich mit der Frau ja auch nicht ein paar XXL-Gläser Caipi zusammen leeren, also egal, ich hoffte natürlich einfach auf eine faire, objektive Einschätzung und Beurteilung. Meine Mutter war unten in der Küche und die Prüferin richtete einige Fragen an sie, so etwas in der Art wie „Welches Datum haben wir heute?“ Etwas, das meine Mutter so gut wie nie weiß, an dem Tag hatten wir aber zufällig kurz vorher darüber gesprochen, so dass sie es wie aus der Pistole geschossen beantworten konnte…

Dann gingen wir nach oben, bzw. meine Mutter fuhr mit dem Treppenlift, und dort guckte sich die Prüferin die Lebensumstände an (meine Mutter wohnt mit bei mir im Haus, geringe Rente, und der Platz ist ja da), ich wurde so gut wie gar nicht mit ins Gespräch einbezogen, also warf ich hin und wieder meine Sicht der Dinge ein, auch die Schwindelanfälle und dass sie unter beginnender Demenz leidet. Zwischendurch tippte Madame Daten in ihr Notebook ein, irgendwann fragte sie mich tatsächlich etwas und als ich ansetzte, die Frage zu beantworten, fiel sie mir sofort barsch mit einem „Moment mal!“ ins Wort, denn sie musste ja erst wieder was tippen. Alles lief eher unfreundlich und sehr kühl ab. Ich wusste schon längst, dass das alles Zeitverschwendung war, meine Mutter war an dem Tag auch körperlich gut drauf, sie konnte beinahe alles, was die Prüferin von ihr sehen wollte, in die Tat umsetzen.

Die Frau wollte dann noch die Daten vom letzten Krankenhaus und die Medikation haben. Die Tage hatte ich nicht sofort im Kopf parat, worauf sie auch gleich genervt reagierte. Zeit in meinem Kalender nachzugucken, gab sie mir nicht, ich guckte im Krankenhausbericht nach, da fehlte ihr dann immer noch irgendeine Information, sie guckte mich kaum je direkt an, der Blick war hauptsächlich auf ihr Notebook gerichtet. Alles in allem keine skandalösen Details, die ich hier zu bieten habe, aber wenn man bedenkt, dass man in solchen Situationen als Angehöriger unter einer stärkeren emotionalen Belastung als normal steht, frage ich mich, ob das nicht auch anders möglich wäre?

Ich erklärte ihr dann unten an der Tür noch mal die medizinische Lage, sie meinte aber nur: „Ihre Mutter hat keine Demenz. Die muss nur immer genug trinken!“ Bitte, was? Ich habe ihr die Diagnose der Ärztin gezeigt. Aber eine Neurologin, die den Medizinkram etliche Semester studiert hat, kann das natürlich nicht beurteilen, da muss schon so eine Spitzenkraft vom MDK kommen!

Dass dann im Bericht noch einige Unwahrheiten standen, zum Beispiel, dass meine Mutter Zeitschriften lesen würde (haben wir nicht drüber gesprochen und es lagen auch keine Zeitschriften herum, nur einige Zeitungen), wunderte mich dann auch nicht mehr.

Dass die Pflegestufe abgelehnt wurde, konnte ich akzeptieren, so wie die Voraussetzungen sind, war und ist meine Mutter dann doch noch zu fit, man kann sich darüber streiten, ob eine Pflegeversicherung „light“ in solchen Fällen eine gute Sache wäre, aber das ist ein anderes Thema.

Was ich aber absolut verabscheuungswürdig finde, ist das Auftreten der Mitarbeiter vom MDK. KEINER von den Leuten, die ich befragt habe und die Erfahrungen diesbezüglich gemacht haben, hat von einer anständigen, freundlichen Person berichtet, die eine objektive, faire Einschätzung abgegeben hat. Bestimmt gibt es solche Fälle, ich möchte hier nicht alle MDK-Mitarbeiter über einen Kamm scheren, für eine aussagekräftige Statistik habe ich dann doch nicht genug Leute befragt. Es ist aber schon bitter, wenn man sich mit ca. 15 Menschen über ihre Erfahrungen unterhält und keiner korrekt behandelt wurde, ganz im Gegenteil, Menschen, die wirklich ganz offensichtlich viel Hilfe brauchten, wurde diese vorenthalten.

Mal ein Lächeln, mal etwas Wärme und Empathie, ist das zu viel verlangt? Nur mal zur Erinnerung, die Pflegeversicherung ist kein Almosen vom Staat, wir zahlen dafür ein!

Ich bin mir sicher, dass die entsprechend auf Ablehnung geschult werden. Im Vergleich zu den skandalösen Zuständen in Pflegeheimen, zu der Belastung, die pflegende Angehörige ertragen müssen, ist dieser Bericht eher harmlos. Aber da fängt es an. Kein Respekt, kein Einfühlungsvermögen gegenüber den Betroffenen. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Gesellschaft. Das ist der erste Schritt auf dem Weg in diese deprimierenden Zustände. Und deswegen regt mich dieses Verhalten der Prüfer auf. Überheblich, kühl, distanziert — Checklisten abarbeiten und Menschen trotzdem mit Respekt und Einfühlungsvermögen zu behandeln, scheint eine Kombination zu sein, die viele Damen und Herren des MDK überfordert.

Ja, man kann Einspruch erheben und wird dann in vielen Fällen recht bekommen (zeigt nicht genau das auch den Fehler im System, wenn im ersten Schritt offensichtlich so oft falsch entschieden wird?), aber was ist mit Menschen, die in so was nicht gut sind, die so etwas nicht können? Die vielleicht seelisch sowieso schon aufgrund der schwierigen Situation fertig sind? Mir selbst fällt so was auch nicht leicht, ich bin vor einigen Monaten in den SoVD eingetreten, um mir dort, wenn es bei mir wirklich ein akutes Thema werden wird, Rat holen zu können. Kostet natürlich Geld, Geld, das nicht jeder hat.

Was habt Ihr für Erfahrungen gemacht? Vielleicht könnt Ihr was zum Thema beitragen und habt Lust, Euch an der Blogparade zu beteiligen. Es ist ein wichtiges Thema, es kann auch uns jederzeit treffen, sei es als Pflegender oder jemand, der Pflege braucht. Einige Sekunden, Schlaganfall, es kann so schnell gehen…

Hier etwas, das auch in die Richtung geht, nicht direkt Pflege, aber dass die Krankenkasse den Blindenhund ablehnt, nach dem Motto, innerhalb von 500 Metern ist ja alles da, was die Antragstellerin braucht, da frage ich mich schon, welche Werte in unserem Land eigentlich die wichtigsten sind. Menschen mit Behinderung ein so weit wir möglich selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, jedenfalls offensichtlich nicht.

 

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38 Kommentare zu “Blogparade: Angehörigenpflege

    • Du hattest neulich einen Artikel, der auch gut zur Blogparade passen würde, wenn Du magst, kannst Du den ja bei Dergl verlinken. Ich weiß nicht, ob es für sie ein Problem wäre, dass er nicht explizit für die Blogparade geschrieben wurde, aber an sich geht es ja darum, dass über das Thema mal etwas mehr geschrieben wird.

  1. Ohje, das sind natürlich keine schönen Erfahrungen. Wir haben die Pflegestufe damals mit einer Sozialarbeiterin aus dem KH beantragt. Die wurde auch nach 1,5 Wochen vorläufig bewilligt, Prüfung sollte später folgen. Leider war die Bewilligung auch schon zu spät. Zu den Pflegeheimen muss ich aber sagen, wer sich intensiv umsieht, der findet auch gute Heime, vielleicht sind es nicht die günstigsten, aber wenn es um ein menschenwürdiges Leben geht, kommt es auch weniger aufs Geld an. Natürlich gab es auch Heime, die noch nicht einmal sehr günstig waren, wo man sich fragte, wie geht das? Da wurden die Haltestangen entlang der Wände teilweise von Sideboards oder anderen Möbeln verstellt. Natürlich sehr blöd, wenn die alten Damen und Herren diese Hilfe beim Laufen nutzen wollen. Da gab es Bäder direkt am Zimmer mit Duschen, die nicht mal ebenerdig ausgeführt waren und Einzelzimmer gab es gleich gar nicht. Aber es gab auch andere Heime – schöne, moderne Einrichtung, Balkon, Sonnenterrasse, Parkanlage, hell und freundlich eingerichtet und mit Ansprechpartnern, die sofort einen guten Eindruck machten.

    Traurige Grüße

    Britta

    • Der erste Antrag wurde auch im KH von der Sozialarbeiterin gestellt, aber da wurde nix vorläufig genehmigt, da kam dann erst mal 2 Wochen später ein Wust an Formularen ins Haus. Die Reha wurde ja einmal auch abgelehnt und sie nach dem einen Bruch relativ schnell nach Hause geschickt. Alternative wäre nur gewesen, dass ich sie für 2 Wochen oder so in Kurzzeitpflege ins Heim hätte stecken können. Hätte ja auch nur mal eben 1500 Euro gekostet. An Zuzahlung, wohlgemerkt.
      Mein Arzt sagt auch, dass es gute Heime gibt, man muss sie nur finden… Natürlich sollte es bei menschenwürdiger Unterbringung nicht aufs Geld ankommen, aber meine Mutter bekommt nicht mal 500 Euro Rente. Also bliebe das meiste an mir hängen, dann kann ich mein Haus verkaufen, nun kann man sagen, was will die als eine Person mit einem ganzen Haus, aber finde hier mal eine Wohnung mit Hunden. Ich hab’s früher mal versucht…
      Momentan sind das eh Gedanken, die ich ganz weit wegschiebe, weil es einfach eine Horrorvostellung ist, meine Mutter in ein Heim geben zu müssen.

      • Dann ist bei euch da echt alles sehr blöde gelaufen. Ja, die Preise für die Pflege sind hoch, das stimmt. Ich wollte auch nicht sagen, dass du dein Haus verkaufen sollst oder all die Dinge, die du zitiert hast.

        Ich war von unserer Erfahrung ausgegangen, wo die Rente samt Witwenrente gereicht hätte, um ein gutes Heim zu finanzieren. Mit 500 Euro Rente sieht das natürlich anders aus und der Elternunterhalt ist dann natürlich ein Thema. Ich hoffe, dass ihr weiterhin zu Hause gut zurecht kommt und du gar nicht bis ins Heim denken musst.

        Liebe Grüße

        Britta

        • Ich weiß, dass Du das mit dem Hausverkaufen nicht sagen wolltest, ich diskutiere manchmal mit mir selbst. 😀
          Ideal wäre bis mind. 100 einigermaßen fit und dann friedlich einschlafen. Aber so optimal wird es wohl nicht laufen. Ich beschäftige mich damit aber erst, wenn das Thema akut ist bzw. abzusehen ist, dass es innerhalb von Monaten nicht mehr geht. Vielleicht ist das zu spät, aber es kann ja so auch noch einige Jahre laufen, vielleicht auch mit Unterstützung, ich versuche sie gerade zu überreden, ob sie nicht zumindest 1 x die Woche eine Pflegekraft zum gründlicher Waschen akzeptieren könnte. Die würde ich dann selbst bezahlen. Aber sie will ungern einen Fremden haben. Ich kann das gut nachvollziehen. Alles nicht so einfach…
          LG von der Meute

          • Das ist schwierig, wenn sie sich gegen eine Pflegekraft sträubt. Da hatten wir es einfacher, der Wunsch nach einem Umzug ins Heim bestand ja. Ich halte dir auf jeden Fall die Daumen, dass ihr noch viele Jahre wie gewohnt weitermachen könnt.

            Liebe Grüße

            Britta

              • Sag das nicht, ich hab auch nie gedacht, dass meine Oma mal freiwillig in ein Heim will. Aber plötzlich war es soweit und sie wollte nicht mehr zu Hause leben.

              • Deine Oma hat aber allein gelebt, oder? Meine Mutter wohnt ja bei mir mit im Haus.
                Ich kann mir nicht vorstellen, wie man freiwillig ins Heim gehen will, höchstens, um seinen Kindern nicht zur Last zu fallen…

              • Vielleicht hat man beim Alleinleben dann doch eher den Wunsch, wenn man merkt, es geht nicht mehr.
                Meine Psychotherapeutin hat mir von einem Mann erzählt, der sogar seinen Job gekündigt hat, um seine Mutter zu pflegen.
                Nun, wo seine Mutter nicht mehr lebt, findet er keinen Job mehr. Hartz IV.

  2. Bei uns ist es ähnlich, nur ist bei meinem Vater die Demenz schlimmer als die körperlichen Beeinträchtigungen. Er kann z. B. keine Uhr mit Zeiger mehr lesen. Wir haben bisher gar nicht erst eine Pflegestufe beeantragt, weil wir von vielen anderen Fällen wissen, wie utopisch das ist, also ersparen wir uns den Ärger, solange es geht. Die Schwiegermutter meiner Freundin Verena hat Parkinson und Diabetes, die hat gnädigerweise Pflegestufe 1 bekommen.
    Wir machen uns ziemliche Sorgen, wie es weitergeht, wenn mein Vater geistig weiter abbaut. Irgendwann wird es auch nicht mehr ohne Pflege gehen.

    • Mit der Neuregelung soll Demenz ja stärker beachtet werden. Ich würde es an Eurer Stelle versuchen, wenn die Zustände irgendwann so sein sollten, dass es ohne nicht mehr geht. Vielleicht auch beim SoVD Hilfe holen, ich kann bisher noch nichts zu der Qualität der Beratung sagen, habe aber schon einiges Gutes gehört. Kostet zwar jeden Monat einen kleinen Mitgliedsbeitrag, da das aber eine vernünftige Vereinigung zu sein scheint, ist das für mich okay.

  3. Hey, danke für den ernsten Beitrag. Tatsächlich haben wir in der Vergangenheit die gleichen Erfahrungen gemacht, von denen du schreibst. Als damals mein Opa, der nur noch ein Bein hatte, die Pflegestufe beantragt hatte, war meine Mutter mit beim Gespräch dabei. Mein Opa wohnte allein in einem nicht behindertengerechten Haus, mit Rollstuhl keine Chance, also Beinprotese (wofür seine Muskeln mit der Zeit zu schwach wurden) und Rollator. Als die „Dame“ vom MDK dort war, beurteilte sie auch dass mein Opa ja schließlich alles könne und meine Mutter ja jeden Tag da wäre (was nicht stimmt, da meine Mutter in einem anderen Ort wohnte und auch noch voll berufstätig war). Dass mein Opa quasi sich im Wohn-und Eßzimmer sich mit einem Bürostuhl bewegte, wurde quasi wohl als Optimum ausgelegt. Also wurde bei ihm alles abgelehnt. Später als sich sein Zustand verschlechterte hat er dann endlich eine vernünftige Einschätzung erhalten. Aber eigentlich viel zu spät.

    Lieben Gruß Roveena

    • Ich werde so wütend, wenn ich so was lese. Das ist so ungerecht! Und es ist ja nicht so, dass wir da ein Almosen vom Staat haben wollen, wir zahlen doch ein! Mit „wir“ meine ich die vielbeschworene Solidargemeinschaft.
      Ich habe ja für meine Mutter einen Treppenlift einbauen lassen, mein Haus ist nämlich auch nicht barrierefrei. Ich habe Glück, dass eine wohlhabende Schwester die Kosten übernommen hat, denn so ein Treppenlift kostet mal eben 5-stellig. Ansonsten hätte ich einen Kredit aufnehmen müssen. Es gibt da zwar sehr günstige Konditionen von der KfW und zumindest in Hamburg kann man sich, wenn man mit seinem Gehalt unter einer bestimmten Grenze liegt, auch noch bezuschussen lassen, trotzdem ein Brocken Geld… Wäre die Pflegestufe durchgegangen, hätte ich für den Lift zumindest 4000 Euro Zuschuss bekommen, aber es hat halt nicht sollen sein…

    • Nur… Ich dachte ja, vielleicht erzählt hier mal der ein oder andere, dass es da richtig gut und anständig gelaufen ist, aber das hält sich doch in starken Grenzen. Deprimierend.

  4. Ich persönlich habe schon mit etlichen Gutachtern, sowohl vom MDK, als auch der RV, KK usw. Bekanntschaft machen dürfen… Die Krönung des Ganzen war ein Gutachter, der mich sogar mit dem Nadeldingens verletzte…!! Ich hab direkt Fotos davon gemacht und mit einer Beschwerde an die RV geschickt – mit allem was wieder mal gründlich schief gelaufen ist. Wüste Unterstellungen, die Verletzungen, ich wurde als zu dumm zum Arbeiten tituliert.. Ja ja, ich bin ja im Osten geboren und kein Bayer 😉 Es ist immer das Gleiche. Verroht und desinteressiert trifft es wohl am besten. Ach, verlogen noch vergessen. Nur dass sie da bei mir an der falschen Adresse sind. Ich kämpfe. Und habe bis jetzt immer Recht bekommen, egal wie lange es gedauert hat. Noch mal könnte ich diesen Weg nervlich nicht gehen. Niemand der das nicht selbst durchgemacht hat, kann das nachvollziehen. Aber ich sage auch ganz klar – lasst Euch nicht einschüchtern, abweisen und ablehnen…! Genau darauf spekulieren sie. Nicht einknicken, sondern kämpfen. Informieren und für das eigene Recht auf Unterstützung und Co. kämpfen….! Anders geht es nicht.

    • Schlimm. Zum Kotzen. Ich könnte auch noch etliche weitere Geschichten beisteuern, das würde für eine ganze Artikelserie reichen, nicht nur mit dem MDK, sondern auch die „Vertrauensärzte“ der Krankenkassen, wenn es um Arbeitsfähigkeit geht…
      Finde ich richtig und gut, dass Du kämpfst. Ich hätte das wohl auch versucht, aber so wie die Vorschriften zurzeit sind, ist meine Mutter wohl tatsächlich noch etwas zu agil, was ja auch schön ist, möge sie noch lange so halbwegs fit bleiben. Bei mir ist das Problem, dass ich meine Kräfte einteilen muss, da ich mit Depressionen in Behandlung bin, da fange ich keine Sachen an, die wenig Erfolg versprechen. Aber die Zeit wird wohl kommen, wo ich mich mit den Leuten auch anlegen werde, ich hoffe da sehr auf kompetente Beratung vom SoVD.

      • Das wünsche ich Deiner Mutter auch, dass sie weiter so fit bleibt und im Rahmen ihrer Möglichkeiten vieles selbst bewerkstelligen kann. Das ist viel Wert. Ich hatte damals zum Glück Unterstützung vom VdK. Die Dame hatte echt Haare auf den Zähnen. Hab mich beraten lassen (bei den ganzen Vorschriften usw. sieht doch keiner durch) und sie hat mir genau gesagt was mir rechtlich zusteht und ich auch dringend beantragen sollte. Eines geht ja mit dem anderen einher. Einmal hat die RV 5!!! Gutachten abgelehnt. Sogar zwei vom Arbeitsamt. Da ist sie dann mal persönlich aufgetaucht und hat denen ein paar Takte erzählt. Eine Woche später hatte ich die Bewilligung schriftlich…

        • Ohne Unterstützung geht das wohl kaum… Ich habe das Gefühl, dass einige Gutachter, offensichtlich nicht wenige, sich als kleiner König fühlen, wenn sie solche Anträge abschmettern können.

  5. Liebes Felli,
    da bin ich doch wirklich die Einzige, die vom MDK wenigstens WAS GUTES berichten kann.
    Eine gute Freundin hat allerdings „Profi Hilfe“ in Anspruch genommen, und ALLES klappte bestens, sogar die „Beurteilerin“ war sehr nett.
    In Berlin ist das: http://umsorgt-im-alter.de/
    Mit den Senioren Heimen ist das mitunter eine Qual für den pflegebedürftigen Patienten, da kann ich auch Schlimmes berichten.
    Wozu werden all die Beiträge gezahlt???
    Traurige Grüße Heidi mit Isi

    • Liebe Heidi,
      endlich mal ein positiver Fall. Scheint aber leider einer von wenigen zu sein.
      Ein weites, deprimierendes Feld, diese Themen rund um Pflege und Krankheit…
      LG und von den beiden WEZ-Wölfchen viele Küsschen

    • Genau! Oder, als die Schreckschraube wieder runtergekommen ist, gleich ins Büro zu den Höllenhündchen schubsen, die hätten sich schon gekümmert. Hinterher: Hundehaare auf der Kleidung und vielleicht sogar ein wenig Sabber von Nellys Küsschen im Gesicht! Hahahahaha, das wäre für die Madame Höchststrafe gewesen!
      (Allerdings glaube ich, dass Nelly der keine Küsschen gegeben hätte, die bekommt nur, wer lieb zu ihr ist. Und Socksi hätte die eh nur angekläfft. Gute Höllenhündchen, kluge Höllenhündchen!)
      LG

  6. Ich finde nicht, dass dein Beitrag weniger ernst ist als die anderen. Es ist nur eine andere Situation und damit eine andere Sichtweise und ich finde, er passt gut. Auch was in dem von dir verlinkten Artikel beschrieben wird kommt mir sehr bekannt vor. Eine Sache, die in meiner zwangsweisen Offlinezeit passierte war die Sache mit meiner Orthese. Will auch keiner, der müsste (ergo Krankenkasse) zahlen. Erzähle ich vielleicht mal drüben.

    Ach so: Ich kenne Rollstuhlfahrer mit GdB 40 und Protesenträger, denen man gar keinen GdB zugestanden hat, schließlich sind sie mit der Protese ja nicht mehr behindert.

    • Bei dem Link ist übrigens auch der Einspruch abgelehnt worden, d. h., dass die Angelegenheit nun vor Gericht geht. Sie hat genug Kraft zu kämpfen, was ja leider auch nicht jeder hat, worauf die Ablehn-Arschlöcher (ich weiß nicht, wie ich die sonst passend bezeichnen sollte) von den Krankenkassen wohl zählen. So was ist einfach unmenschlich. Ein Radius von 500 Metern, was soll denn das bitte schön sein, das ist ein Witz.
      Und wen soll man im September wählen, damit solche Ungerechtigkeiten aufhören oder zumindest reduziert werden? Ich weiß es nicht…

      • Mir wurde, das habe ich drüben mal irgendwo nebenbei erzählt, das Merkzeichen G weggenommen weil ich ja seit ich hauptberuflich Mikesch habe nicht mehr Bus fahren müsse. Ich wohne in einer Stadt mit mieser Infrastruktur, Mikesch in einer anderen, soll ich die 20km mit Gehhilfe laufen?! Die bauen darauf, dass man widerspricht und dass sie einen mürbe kriegen.

        Ich weiß auch nicht was ich im September wähle. Jetzt in NRW habe ich die einzigen gewählt, die mit uns zusammen das Scheiß-Gesetz versucht haben zu verhindern. Ich bin sonst nicht wirklich Linke-Fan. Die waren mit uns draußen, die haben sich gegen Pooling (Scheiß-Dreck) ausgesprochen, Pro-Inklusion wie sie gemeint ist, das war dann mein Kompromiss oder Taktik, wie man es nimmt.

        • Seitdem die SPD den „Genosse der Bosse“-Weg gegangen ist, bleibt einem wohl nicht soooo viel anderes als die Linke, oder man nimmt so was wie „Die Partei“, um zumindest sein Kreuz irgendwo hinzumalen… Es ist ein Elend. Noch ist ein bisschen Zeit, ich fürchte, dass wir wieder eine CDU-FDP-Koalition bekommen, und die wird noch schlimmer als die GroKo, da ist dann ja nur noch freie Marktwirtschaft Feuer frei…

  7. Pingback: Blogparade Angehörigenpflege | Fädenrisse

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