Auf den letzten Drücker …

Falls Ihr noch Argumente braucht, um Wähler, die überlegen, ihr Kreuz bei der „Weil Hitler gerade nicht kann“-Partei (heute SHOW) zu setzen, hier ein paar sachliche Gegenargumente. Und manchmal auch unsachlich, denn mir fehlt gerade der Langmut und die Geduld für 100 %ig seriöse Ernsthaftigkeit. Achtung, das Ganze hat sich zu einem recht langen Rant entwickelt. Also Zeit mitbringen oder auf den nächsten, bestimmt wieder kürzeren, Artikel warten. Ganz unten kommt endlich mal wieder ZOMBIEAPFEL zu Wort, schnell runterzuscrollen ist also auch eine Alternative (und zwar eine bessere als die blaue Alternative).

Das Kursive sind Originalzitate aus deren Programm, die Hervorhebungen stammen von mir. Ich verlinke nicht, aber auf deren Website könnt Ihr das selbst nachlesen. In Fettdruck rot ganz unverkennbar meine Gegenargumente und zynischen Anmerkungen.

Die unpassenden Seitenumbrüche kommen durchs Kopieren aus dem PDF-Dokument. Ich lass das so stehen, passt zu der Partei.

7.3 Die Anzahl traditioneller Familien in Deutschland ist seit
vielen Jahren rückläufig – die Zahl sogenannter „Alleinerziehender“ hat in den letzten Jahren dagegen stark zugenommen.
Für Alleinerziehende und Kinder bedeutet diese
Lebenssituation ein überdurchschnittliches Risiko, in relativer
Armut zu leben. Trotz alarmierender Erkenntnisse über
die Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung sprechen
sich nahezu alle Parteien für eine bedingungslose Förderung
Alleinerziehender aus. Eine Differenzierung, ob diese
Lebenssituation schicksalhaft, durch Selbstverschulden oder
auf Grund eigener Entscheidungen zustande gekommen ist,
findet nicht statt.

Aus gutem Grund ist dem Staat so eine Gesinnungsschnüffelei nicht erlaubt. So etwas ist Standard in Diktaturen, in unserem Land hat der Schutz der Privatssphäre einen hohen Stellenwert. (In einigen Fällen leider nicht mehr, Hartz IV als Stichwort…) Und wer soll überhaupt festlegen, ob die alleinerziehende Person schicksalhaft oder durch Selbstverschulden in die Situation gekommen ist? Was ist selbstverschuldet? Die Mutter/der Vater, die/der den süchtigen Partner verlassen hat — eigentlich eine eigene Entscheidung, somit selbstverschuldet, und daraus ergäbe sich in der AfD-Welt folgende Konsequenz:

Der Vorteil einer
besonderen Unterstützung durch die Solidargemeinschaft
sollte nur denjenigen Alleinerziehenden gewährt werden, die
den anderen Elternteil nicht aus der Teilhabe an der Erziehungsverantwortung
und praktischen Erziehungsleistung hinausdrängen.

Da müssen sich die Alleinerziehenden also noch einer vermutlich sehr intimen Prüfung stellen, bevor sie unterstützt werden. Wer das nicht auf sich nehmen will oder kann, bleibt im Regen stehen — mitsamt der an der Situation unschuldigen Kinder. DAS ist die familienfreundliche AfD.

Auch bei Scheidungen soll die Schuldfrage wieder eine große Rolle spielen:

7.3.1 Die Reform des Familienrechts von 1977 führte dazu, dass
selbst Straftaten und schwerwiegendes Fehlverhalten gegen
den Ehepartner bei der Bemessung finanzieller Ansprüche
nach Trennung und Scheidung oft ohne Auswirkung bleiben.
Eine derartige Rechtsprechung ist nicht geeignet, die Partner
zu ehelicher Solidarität anzuhalten und beeinträchtigt die
Stabilität bestehender Ehen.

Schwerwiegendes Fehlverhalten gegen die eheliche Solidarität
muss bei den Scheidungsfolgen wieder berücksichtigt
werden.

Vorhang auf für das Waschen schmutziger Wäsche.

4.3 Die Sicherheitslage verschärft sich vor allem in Ballungsgebieten
dramatisch. Eine besondere Rolle hierbei spielen
gerade junge Täter, denen derzeit ein geradezu zahnloses
Recht gegenübersteht. Erzieherische Erfolge in diesem
Segment lassen sich erfahrungsgemäß nur durch sofortige
Inhaftierung der Täter schwerer Delikte erreichen.
Wir fordern daher eine entsprechende Änderung der einschlägigen
Gesetze, insbesondere des Haftrechts. Wegen der
immer früher einsetzenden kriminellen Entwicklung muss
das Strafmündigkeitsalter auf zwölf Jahre abgesenkt und mit
dem Erreichen der Volljährigkeit auch das Erwachsenenstrafrecht
Anwendung finden.

Ein kleines Stück weit gehe ich mit — Straftaten sollten immer möglichst schnell Konsequenzen haben. Allerdings dürfte ein Wegsperren häufig gegenteiliges bewirken. Ruhig mal z. B. die Zustände in den USA anschauen. Wichtig wären Maßnahmen wie z. B. Sozialarbeit, alles möglichst zeitnah. Aber die AfD ist natürlich ganz Law and Order, einmal Mist gebaut, Lebensperspektive versaut.

7.2 Durch Aufklärung und Hilfen wollen wir junge Menschen
ermutigen und in die Lage versetzen, eine Familie zu
gründen und zu erhalten. Wir wollen unnötige Hemmnisse
beseitigen, damit stabile Ehen und Familien entstehen und
bestehen bleiben. Hiermit wollen wir schon früh beginnen,
indem anerkannte Regeln zu Partnerschaft und Familie,
Haushaltsführung, Lebensschutz und Kindererziehung in
Lehrplänen und Schulbüchern aller allgemeinbildenden
Schulen wieder fester Bestandteil werden.

Hitler hat angerufen, er möchte seine Mutterkreuze wiederhaben.
Ähm, tschuldigung, ich wollte ja sachlich bleiben. Verdammt, die sollen sich lieber darum kümmern, dass in den Schulen alle Schüler nach Bedarf gefördert werden, damit z. B. auch künftige AfD-Wähler künftig die deutsche Sprache besser beherrschen.

7.7 Gender-Ideologie marginalisiert naturgegebene Unterschiede
zwischen den Geschlechtern und stellt geschlechtliche
Identität in Frage. Sie will die klassische Familie als
Lebensmodell und Rollenbild abschaffen. Damit steht sie in
klarem Widerspruch zum Grundgesetz, das die (klassisch
verstandene) Ehe und Familie als staatstragendes Institut
schützt, weil nur dieses das Staatsvolk als Träger der
Souveränität hervorbringen kann. 

Nein, möchte sie nicht. Sie möchte Gleichberechtigung, z. B. auf Gebieten wie der Entlohnung, wo es immer noch Unterschiede in der Bezahlung von Mann und Frau für die gleichen Tätigkeiten gibt.

Immer noch 7.7: Die AfD will, dass sich die Familienpolitik des Bundes
und der Länder am Bild der Familie aus Vater, Mutter und
Kindern orientiert. Wir lehnen alle Versuche ab, den Sinn
des Wortes „Familie“ in Art. 6 Abs. 1 Grundgesetz auf andere
Gemeinschaften auszudehnen und der Familie auf diesem
Wege den besonderen staatlichen Schutz zu entziehen.

Homosexuelle können sich also den Wunsch nach Adoption eines Kindes abschminken. Ich hätte da aber mal eine Frage: Inwiefern wird der Familie (Vater, Mutter, Kinder, Plural beachten wg. Mutterverdienstkreuz) ein besonderer Schutz entzogen, wenn man das Recht auf diesen Schutz auf andere Personengruppen ausweitet? Antwort: Gar nicht. Ein einfaches Beispiel: Bisher stand Nelly als zimtfarbene unter dem Schutz der Brötchenmacht. Dann kam Socksi, der schwarze. Auch er wurde nun unter den Schutz der Brötchenmacht gestellt. Nelly bekommt deswegen keinen Krümel Brötchenmacht weniger.

7.7.1 Eine einseitige Hervorhebung der Homo- und Transsexualität
im Unterricht, wie sie die sogenannte „Sexualpädagogik
der Vielfalt“ praktiziert, stellt einen unzulässigen Eingriff in
die natürliche Entwicklung unserer Kinder und in das vom
Grundgesetz garantierte Elternrecht auf Erziehung dar. Dadurch
werden Kinder und Jugendliche – oft von schulfremden
Personen und meist gegen den Willen ihrer Eltern – in
Bezug auf ihre sexuelle Identität verunsichert, überfordert
und in ihren Schamgefühlen verletzt.

Ganz davon abgesehen, dass keiner vorhat, die lieben Kinder in der Schule „zwangszuverschwulen“ oder „-verlesben“ (mit Dank an Dergl für den Begriff „Zwangsverschwulung“), so hat doch die AfD noch weiter oben gefordert, dass in den Schulen Haushaltsführung, Lebensschutz und Kindererziehung unterrichtet werden soll. Da darf das sein, ohne dass es ein Eingriff in das garantierte Elternrecht auf Erziehung ist? Hier wird aber sehr extrem mit zweierlei Maß gemessen!

5.10 Das Geburtsortsprinzip (Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit
allein durch Geburt in Deutschland, auch wenn
kein Elternteil Deutscher ist) wollen wir wieder aus dem
Gesetz streichen und zum Abstammungsprinzip, wie es bis
zum Jahr 2000 galt, zurückkehren.

Hitler hat schon wieder angerufen, er möchte seinen Ariernachweis zurück.
Ernsthaft, was soll das? Was spricht dagegen, wenn sich jemand, der hier integriert ist, hier seine Heimat hat, dafür entscheidet, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen? Wir müssen doch mal dahinkommen, in einer globalen Welt friedlich zusammenzuleben, anstatt Menschen auszugrenzen, nur weil sie die falsche Abstammung haben.

Mögt Ihr auch nicht mehr? Kann ich verstehen. Ein paar Punkte gibt es aber noch.

7 Die dramatische Zunahme der Ehe- und Kinderlosigkeit
und das Verschwinden normaler mittelgroßer Familien –
von den etablierten Parteien längst als alternativlos hingenommen
– sorgen für eine Schrumpfung unserer angestammten
Bevölkerung um mehr als 250.000 Personen pro
Jahr, mit stark steigender Tendenz. Die AfD stemmt sich
gegen diesen Trend zur Selbstabschaffung und will Deutschlands
Gesellschaft von Grund auf familien- und kinderfreundlicher
gestalten.

Es ist aber schon bekannt, dass die Geburtenrate in den letzten Jahren wieder angestiegen ist? Reicht natürlich noch nicht für Mutterkreuze, darum:

Das „Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen
und Jugend“ ist in ein „Bundesministerium für Familie und
Bevölkerungsentwicklung“ umzuwandeln, das Bevölkerungsentwicklung
nach wissenschaftlichen Kriterien koordiniert
und fördert.

Senioren, Frauen und Jugend als eigenständige Personengruppe sind raus, es zählt nur noch die deutsche Familie! Ich frage mich nur, was Bevölkerungsentwicklung nach wissenschaftlichen Kriterien bedeutet? Moment mal eben, Telefon… Ach, Sie schon wieder, Herr Hitler. Nein, ich habe Ihren Lebensborn-Verein nicht gesehen, fragen Sie doch bitte mal bei Herrn Gauland oder Frau von Storch nach, könnte sein, dass er da irgendwo rumliegt!

8.3 Die Forderung der Vereinten Nationen, behinderten
Kindern Teilhabe am Bildungssystem zu garantieren, ist in
Deutschland bereits erfüllt. Kinder mit besonderem Förderbedarf
erhalten in der Förderschule eine umfassende Unterstützung,
die die Regelschule nicht leisten kann.
Die AfD setzt sich deshalb für den Erhalt der Förder- und
Sonderschulen ein.

Deutschland hängt in vielen Belangen bezüglich Inklusion sowieso stark hinterher. Die AfD möchte nun selbst die kleinen Schritte, die in den letzten Jahren Richtung Inklusion an Schulen durchgeführt wurden, zurückdrehen. Und was kommt als übernächstes? Alle kostengünstig wegsperren in Heime? Warum können denn die Schulen die Unterstützung nicht leisten? Ja, es bedarf sicher oft einer zusätzlichen Betreuung. Zu teuer, oder was, AfD? Menschenwürde — hier sieht man mal wieder, was die für diese Partei zählt! Nämlich nichts.

9.1 Die Ideologie des „Multikulturalismus“ gefährdet alle
diese kulturellen Errungenschaften. Kultur ist nur als etwas
wechselbezügliches Ganzes von Gesellschaften zu verstehen.
„Multi-Kultur“ ist Nicht-Kultur oder Parallelität von Kulturen
und damit Ausdruck von Parallelgesellschaften, die stets
zu innenpolitischen Konflikten und zur Funktionsunfähigkeit von Staaten führen.

Wehe, ich sehe einen von Euch „beim Jugoslawen“ essen, dann setzt es aber was! Wir leben in einer globalen Welt, in der alleine schon aus technischen Gründen die Distanzen schnell zu überwinden sind (natürlich nicht für alle, und die Globalisierung hat viele Schattenseiten, ich weiß das). Wir bleiben aber bitte schön gemütlich Deutsch und bekämpfen die Probleme der Globalisierung mit „zurück in die 50er“? Das ist wenig erfolgsversprechend. Wird der „Röhrende Hirsch“ an der Wand Pflicht?

9.2 Die Nationalsprache ist das Herz einer Kulturnation. Als
zentrales Element deutscher Identität will die AfD die deutsche
Sprache als Staatssprache im Grundgesetz festschreiben.
An deutschen Schulen darf es kein Zurückweichen des
Deutschen vor Einwanderersprachen geben.

Könnten Sie bei der Gelegenheit auch dafür sorgen, dass das Herz unserer Kulturnation auf AfD-Facebookseiten nicht ständig brutal misshandelt wird? Danke schön.

9.3 Die aktuelle Verengung der deutschen Erinnerungskultur
auf die Zeit des Nationalsozialismus ist zugunsten einer
erweiterten Geschichtsbetrachtung aufzubrechen, die auch die
positiv identitätsstiftenden Aspekte deutscher Geschichte mit
umfasst.

Ein Blick auf die Unterrichtspläne in Geschiche beweist: Da steht wesentlich mehr als die Zeit des Nationalsozialismus drauf. Es scheint aber bei einigen Menschen leider immer noch zu wenig Unterricht gewesen zu sein.

9.4 Die AfD bekennt sich zur Kulturhoheit der Bundesländer.
Kulturelle Förderprogramme des Bundes und der EU, die an
ideologische Zielvorgaben gekoppelt sind, wollen wir durch
Förderlinien ersetzen, die der Bewahrung des kulturellen
Erbes oder dessen würdiger Fortschreibung dienen.
Für „politisch korrekte“ Kunst und Kultur darf es keine
staatlichen Anreize geben.

Heißt das bald wieder „entartete Kunst“? Und zahlen tun wir nur für deutsche Kultur, jawoll! Bilder von der Ackerscholle oder vom heldenhaften deutschen Soldatentum. Röhrender Hirsch geht auch.

10.1 Die AfD ist für eine Abschaffung der Erbschaftsteuer als
Substanzsteuer und gegen die Reaktivierung der Vermögensteuer.

Ey, die Partei für die Besserverdienenden ist doch schon die FDP! Raus aus deren Revier! Sonst erschlägt Euch der Lindner mit einem 10 qm großen Starschnitt von sich!

13.1 Das Pariser Klimaabkommen vom 12.12.2015 ist zu kündigen.
Deutschland soll aus allen staatlichen und privaten
„Klimaschutz“-Organisationen austreten und ihnen jede
Unterstützung entziehen.

Donald Trump gefällt das. Die AfD behauptet, dass wissenschaftlich nicht gesichert sei, dass der Klimawandel menschengemacht wäre. Dass eine große Mehrheit von Wissenschaftlern, durchaus mit vielen Fakten gestützt, durchaus einen großen menschlichen Einfluss sieht, ignoriert die AfD.

13.2 Die bestehenden Kernkraftwerke wollen wir deshalb nicht
vor Ende ihrer Nutzungsdauer außer Betrieb nehmen.
Auch auf die Nutzung moderner Gas- und Kohlekraftwerke
wird Deutschland auf absehbare Zeit nicht verzichten
können.

Die AfD möchte das EEG ersatzlos streichen. An einen Atomausstieg braucht man mit dieser Partei gar nicht mal zu denken. Sie betont etwas später extra noch mal:

Die Laufzeit sicherer Kernkraftwerke muss sich nach
der technischen Nutzungsdauer richten.

Wer kann bloß nach Fukushima immer noch glauben, dass diese Technik immer 100 %ig beherrschbar sei? Von dem Problem mit dem radioaktiven Abfall ganz zu schweigen. Hinterlassen wir doch unseren Nachkommen noch sehr, sehr lange diese strahlenden Überbleibsel. Bzw. glaubt die AfD, dass das Zeugs irgendwann zukünftig eh recycelbar sei, deswegen soll es jederzeit rückholbar eingelagert werden. Oh, Hitler hat gemailt (weil ich nicht mehr ans Telefon gehe), irgendwas mit Material für Atomraketen. Genau, wenn schon dieser undeutsche Kim Jong-un so was Tolles hat, warum eigentlich das deutsche Volk nicht? 

So, es reicht mir. Ich möchte fairerweise sagen, dass es in dem Programm auch einiges gibt, das fast jeder unterschreiben würde. Das findet man aber in jedem Wahlprogramm, und da sind für mich andere Parteien glaubwürdiger als die AfD. Ich messe die AfD nicht nur an ihrem Programm (was zur Nichtwählbarkeit schon reichen sollte), sondern auch an ihren Politikern, ihren Aushängeschildern. Wer denen gut zugehört hat, weiß, wes Geistes Kind man dort wählt. Bei einigen ist die Bezeichnung „Nazi“ durchaus angebracht. Aber auch die moderateren AfDlinge arbeiten viel mit Angst und Abschottungsphantasien sowie Sündenbockstrategien. Allerdings kann diese ungesunde Mischung aus „zurück in die 50er“ und „die Flüchtlinge sind an allem schuld“ nicht funktionieren, ob einem das nun gefällt oder nicht. Die einzige, die sich die Welt machen kann, wie sie ihr gefällt, ist Pippi Langstrumpf.

Die ganze soziale Schieflage, die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich, das alles fing schon lange vor 2015 an. Das ist eine Tatsache, da kann die AfD noch so oft eine Gruppe gegen die andere ausspielen (z. B. Obdachlose vs. Flüchtlinge). Sind Flüchtlinge schuld daran, dass Altenpfleger, die ihren Job drei Jahre gelernt haben, mit 1.800 EUR brutto in ihren Job starten? Sind Flüchtlinge schuld an der Kinderarmut in diesem Land? Natürlich gab und gibt es Probleme, die im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsthema stehen. Deswegen alle Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen und jegliche Form von Empathie vermissen zu lassen, das ist trozdem einfach mal unmenschlich. („Oma, warum haben denn damals die anderen Länder nicht die Juden aufgenommen? Wie konnte das alles überhaupt passieren?“ Tjaaaa… Die Fragen hat meine Generation ihren Großeltern gestellt. Bekommen wir nun die Antworten am lebenden „Objekt“?)

Stellt sich die Frage: Wen wählen? Sollte ich als künftige Weltherrscherin eine Wahlempfehlung geben? 😉 Nein, dazu war ich selbst zu unentschlossen. Eins ist aber so klar wie der Cachaca im Caipi: Etwas Mittelmäßiges oder Schlechtes durch etwas noch Schlimmeres zu ersetzen, ist nicht lösungsorientiert. Es wäre also eher sinnvoll, wenn man z. B. für mehr soziale Gerechtigkeit ist, die SPD oder Die Linke zu wählen. Wenn man so, wie es jetzt ist, ganz zufrieden ist, dann halt CDU, und wenn man … ähm … für was auch immer … ist, dann die FDP (sorry, mir fällt nix ein, wofür wir diese Partei unbedingt wieder bräuchten). Umweltschutzbewegte haben auch ihre Partei. Und wenn man mit den Etablierten gar nichts anfangen kann, bleiben noch genug Splitterparteien, Tierschutzpartei, DIE PARTEI …

Und ja, mir ist bewusst, dass die Versprechungen der etablierten Parteien natürlich auch längst nicht alle gehalten werden und dass Parteiprogramme teilweise eher Omas Märchenstunde als ernsthafte Handlungsgrundlage darstellen. Die Demokratie hat auch ihre Schattenseiten, oft müssen dicke Bretter gebohrt werden, die ganzen Wahlkampflügen … Dass mit den etablierten Parteien, egal, wen man wählt, alles sowieso immer die gleiche Soße bleibt, ist aber nicht wahr. Nehmen wir mal an, wir hätten in den letzten vier Jahren Schwarz-Gelb an der Macht gehabt: Gäbe es dann einen Mindestlohn? Ganz sicher nicht. Usw. usf., darum ist Wählen gehen nämlich doch wichtig!

ZOMBIEAPFEL will auch mal wieder was sagen:

 

Danke fürs Schlusswort, ZOMBIEAPFEL.

 

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14 Kommentare zu “Auf den letzten Drücker …

  1. Also, nur ganz kurz, ich habe wirklich nicht den Magen mich damit länger zu befassen: Aber die Weidel lebt in einer traditionellen Ehe und verunsichert die Kinder ihrer Partnerin nicht, ja? Sind deren Kinder weniger bedroht nur weil sie Weidel heißt? Und die haben noch ein paar Nicht-Heterosexuelle in ihren Runden. Nur als Beispiel.

    Ich bin gespannt wie die Geschichte geht (nicht), wenn die Todesrate von Eheteilen und Kindern steigt, weil in Scheidungen wieder die Schuldfrage gilt und der/die/das ja schließlich um Prügel gebeten hat…

    Und jetzt muss ich weg und mir überlegen wie ich meiner Mutter beibringe, dass sie ihre deutsche Staatsangehörigkeit verliert, ihr Vater war nämlich nicht in Deutschland geboren.

    • Frag mal meinen Magen. 🙂 Ich war danach auch ganz schön erschöpft und einfach satt, richtig satt, aber nicht wie nach einem guten Essen, sondern als wenn man sich zu viel von irgendwas Fettigem reingestopft hätte… Vielleicht ist die Lektüre des AfD-Programms eine gute Unterstützung bei Diäten? (Habe gerade entschieden, dann doch eher lieber dick zu bleiben.)
      Es gibt übrigens innerhalb der AfD auch eine Schwulengruppe, deren Leute sagen, es werde viel zu viel Gewese um die Gleichstellungsgeschichten gemacht und deswegen würden sie sich für die AfD engagieren.
      Vor allem, das habe ich im Artikel nicht mehr erwähnt, ist dieses „Zurück in die heimelige Vergangenheit“ sowieso einfach Blödsinn. Ich habe zwar in den 50ern nicht gelebt, kenne aber genug und sehe z. B. die Ehen, wo die Frauen nur beim Mann bleibt, weil sie allein kaum überlebensfähig wäre (oder nur als „Sozialfall“), und beide Ehepartner so vor sich hinleiden. Vom Rohrstockeinsatz in den Schulen muss ich glaube ich gar nicht erst anfangen. Und das wird uns als heile Zeit verkauft, weil da ja die Früchtlinge noch nicht im Land waren. So was von Leuten, die für sich allein reklamieren, im Besitz des gesunden Menschenverstandes zu sein. Es könnte komisch sein, wenn es für eine Satiresendung wäre und nicht die Realität.

      • Flüchtlinge: Strenggenommen bzw. eigentlich gesagt: Mein Großvater war Flüchtling (von Siebenbürgen), da gingen zwar die Männer alle zur SS, aber das macht sie nicht deutsch und er war seit 1946 hier.

        Schwule/Lesben in der AfD: Gleichstellung finden die toll, aber nur für sich selber, nicht für alle anderen (siehe Weidel). Es wäre in deren Weltbild also weiterhin zu wünschen, dass Männer, die mit Männern schlafen kein Blut spenden dürfen, denn sie könnten ja positiv sein, womöglich wäre eine §175er Neuauflage auch nicht schlecht (wer Menschen entsorgen will und die Inklusion abschaffen, der will auch das, siehe die Behauptung „verfassungsfeindlich“)

        Ehen wie du beschreibst: Davon gibt es definitiv genug.

        Das schlimme ist, dieses 50er denken wird salonfähig und ist es zum Teil schon geworden, ich treffe immer wieder – gerade im Kontext Arbeit zum Thema häusliche Gewalt – auf junge Frauen (weniger Männer, entgegen aller Klischees), die nicht nur Vergewaltigung abtun in Richtung „wird sie schon verdient haben“, sondern die auch der Ansicht sind, geschlagen werden sei ein Zeichen von Liebe. (Wie bitte?!) Das ist hart wenn du jahrelang Öffentlichkeitsarbeit und Projekte machst um auf Gewalt (egal ob an Frauen, Männern, Mädchen oder Jungen) in Familien aufmerksam zu machen und zum Beispiel Lehrkräfte zu sensibilisieren und da kommen 17-20-jährige und sagen dir so was ins Gesicht.

        • In der SA war ja damals sogar auch der Röhm schwul… Weiß nicht, wie ich gerade drauf gekommen bin.

          Zum letzten Absatz: Das ist mir auch schon länger aufgefallen, das ist so deprimierend, können wir 100 Jahre Emanzipation in die Tonne kloppen, und so viele junge Mädchen, die nur davon träumen, Germanys next top model zu werden…

          • Ach und hier zu: Hiermit wollen wir schon früh beginnen,
            indem anerkannte Regeln zu Partnerschaft und Familie,
            Haushaltsführung, Lebensschutz und Kindererziehung in
            Lehrplänen und Schulbüchern aller allgemeinbildenden
            Schulen wieder fester Bestandteil werden.

            Ich war ja bekanntlich auf einer, wenn auch nicht öffentlichen, Schule auf der auf all das großen Wert gelegt wurde und für das viele Leute, viel Geld bezahlt haben. Habe ich schon erwähnt, dass viele meiner Schulkameraden heute nicht wählen gehen können weil diese Art ideologische Erziehung zumindest was meine Schule anging eine erhöhte Suizidrate hervorbringt? Die AfD hat vergessen, den strafbar zu machen, nicht dass die Witwe von dem letzten mir bekannten Fall als selbst verschuldete Alleinerziehende da steht…

            Übrigens: Ich kann trotzdem nicht gut putzen, ich kann trotzdem nicht sonderlich kochen, „mein“ Kind fühlt sich durch meine sexuelle Orientierung kein bisschen in seiner sexuellen Identität eingeengt oder gar bedroht, unseren inklusiven Schulplatz verteidigen wir bekanntlich mit Zähnen und Klauen und – ganz schlimm, diese Gender-Ideologie aber auch – mein Assistent ist bekanntlich männlich, oder in Einfachsprech (Skandal! Skandal!): Ich habe einen Kerl unter der Knute. Ha!

            • Für solche Fälle bringen die AfD-Leute bestimmt bald Erziehungsanstalten ins Spiel. 😦
              Sollten die jemals an die Macht kommen, werden die ihr hässliches Gesicht noch viel deutlicher zeigen. (Eigentlich ist es schon offensichtlich genug, nur anscheinend nicht für alle.)

  2. Love it! OOops, ich meine natürlich ich LIEBE diesen Beitrag (Artikel darf ich ja schon nicht mehr sagen, ist ja ein Fremdwort).
    Das einzige, wo ich einen Hauch, aber wirklich nur einen Hauch Verständnis für eine AfD-Position haben könnte – Sonderschulen sollten nicht komplett abgeschafft werden. Es wird immer wieder Kinder geben, die nicht in eine Inklusionsklasse gehen können, die wirklich besser aufgehoben sind in einer Sonderschule, die überhaupt nicht von einer Regelschule profitieren können.
    Aber – und das ist mir wichtig – diese Entscheidung sollten die Eltern des Kindes treffen, nicht jemand anderes. Der grundsätzliche Gedanken der Inklusion ist nämlich gut und richtig – auch weil er die nicht betroffenen Kinder dazu bringt, mit den Betroffenen natürlicher umzugehen – es profitieren alle Kinder in einer Inklusionsklasse davon, allerdings nur, wenn der Staat sich endlich aufrafft, genug Mittel bereit zu stellen und wir genug Begleiter in Inklusionsklassen haben.
    Wenn ich gleich wählen gehe, mache ich mein Kreuz jedenfalls nicht bei „Andere Vorschläge haben wir auch keine“ … Das Wahlplakat, das hier für diese Vereinigung hängt (das Wort „Partei“ ist ja auch ein Immigrant, genauso wie das Wort „Alternative“) ist jedenfalls nur negativ. Und DAS brauchen wir echt nicht. NEIN, das kann meine kleine Großnichte in einem Jahr auch schreien – sie ist dieses Jahr erst 1 … Was benötigt wird, ist eine Idee, wo es realistisch hingehen soll. Und in die Vergangenheit kann man nicht reisen – für Herausforderungen der Zukunft aber brauchen wir NEUE Ideen.

    Und dir, liebes Fellmonsterchen, vielen Dank, dass du dich mit deren Wahl-Absichtserklärungen (Programm ist auch wieder so ein Wort, das hier nicht geboren wurde …) herum geschlagen hast. Mir reichte bereits das Plakat, um den Kopf zu schütteln … Wählbar sind solche Beschwerde-Vereinigungen (Protest-Partei ist ja AUCH ein Immigrantenpaar) ohnehin nicht.
    Wenn dann nach der Wahl fest steht, dass etwa ein Achtel des Volkes „DAS Volk“ sind – dann werde ich froh und glücklich sein, dass ich nicht zu „so ’nem Volk“ gehöre … Selbst wenn sie über 10 % kommen – sind immer noch weit über 80 % der Wähler anderer Meinung.

    • Danke für Deinen tollen Kommentar (upps, noch ein Wort mit Migrationshintergrund) und für die Erläuterungen. Ich hätte gern zu einzelnen Punkten auch noch ausführlicher geschrieben, aber das hätte den Rahmen gesprengt, glaube ich.
      Oja, auch ein wichtiger Punkt, darauf hinzuweisen, dass selbst über 10 % nicht die Mehrheit und somit kein Wahlsieg sind. Denn so werden sie es uns wieder verkaufen, wie neulich bei den drei Landtagswahlen, woraufhin ich einen Artikel mit einer kleinen Mathe-Nachhilfelektion (aaaargh, schon wieder so ein undeutsches Wort) für AfDlinge verfasste.
      Das ist auch schön, ist zwar nicht mit AfD, sondern mit dem kleinen Bruder, aber sooo bezeichnend:

  3. Ich habe es jetzt nicht geschafft, deinen wirklich sehr ambitionierten Artikel in Gänze zu lesen. Aber ein bisschen habe ich ihn quer gelesen.
    Zumal mich das gestrige Wahlergebnisse dermaßen deprimiert, dass ich im Moment lieber mit meinen Einhörnern spielen würde.
    Aber ich findes es schon immer klasse, wie die AfDler sich selber widersprechen. Die haben in ihren vordersten Reihen Ehebrecher, Homosexuelle, Steuerflüchtlinge, Gauleiter usw.
    In den 80ern hatten wir gerade in Bayern die Republikaner. Hat man die bei euch in Südschweden überhaupt wahrgenommen?
    Und von denen hört man auch nichts mehr.
    Ach ja. Bayern wählt ja inzwischen auch AfD …
    Meine Einhörner rufen und mein Teddy auch …
    Liebe Grüße Sabienes

    • Brauchst Du auch nicht zu lesen, zum Einen ist es ja erst mal erledigt, zum Anderen hast Du sicher auch genug Gegenargumente.
      Hab neulich einen guten Spruch gelesen, sinngemäß: „Alles Verrückte. Ich nehme mein Einhorn und reite davon.“ Oder so ähnlich. Hab’s nicht auswendig gelernt.
      Liebe Grüße

Ehrerbietungen hier rein, bitte ;-)

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