Leseeindruck: „Leben oder gelebt werden“ von Walter Kohl

Worum geht es?

Zur Abwechslung mal kein Krimi! Wahnsinn! Dieses ist die Autobiographie von Walter Kohl, dem älteren Sohn von Hannelore und Helmut Kohl. Ich war vor allem neugierig, wie es sich so als Sohn eines Politikers wie Kohl lebt. Einiges war bedrückend zu lesen, zum Beispiel, dass er in der Schule verkloppt wurde, nur weil er der Sohn von Kohl war … Oder wie die Söhne in den Zeiten des RAF-Terrors mit Personenschutz zur Schule mussten.

Er schildert aber auch, wie es ihm gelang, sich von der Opferrolle des „Sohn vom Kohl“ und der damit verbundenen Nachteile nach und nach freizukämpfen.

Das Buch stammt übrigens schon aus 2011, Interna der neuen Ereignisse wird man also vergebens suchen.

Wie hat es mir gefallen?

Ist nicht nur Stoff für kleine Neugiermonster, sondern auch der Aspekt, sich vom seelischen Gepäck aus der Kindheit zu lösen, ist sehr interessant. Helmut Kohl war übrigens auch privat der bestimmende Mensch, den wir aus der Politik kannten — wenn er sich nicht eh aus den Familienangelegenheiten rausgehalten hatte und seine Frau machen ließ.

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Das Cover

Ja, Ihr seht es ja selbst. Schlicht, ein bisschen Auflockerung durch unterschiedliche Schriftarten- und Farben…

Zahlen, Daten, Gedöns

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (9. April 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 345370228X
  • ISBN-13: 978-3453702288

Erfüllte Aufgabe bei Daggis Buchchallenge

Nr. 15, ein Sachbuch oder eine Biografie

 

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7 Kommentare zu “Leseeindruck: „Leben oder gelebt werden“ von Walter Kohl

    • irgendwie hat es eine technische panne gegeben,daher der unfertige text. wie gesagt, ich hatte inteviews mit ihm gelesen bzw. im tv. gesehen. ich hatte den eindruck, dass er es nicht so großartig fand, helmut kohl als vater gehabt zu haben…

      • Technik, das unbekannte Wesen…
        Der Eindruck täuscht nicht, die meiste Zeit war das Verhältnis zu seinem Vater ziemlich getrübt. Es gab eine kurze Phase nach der Wiedervereinigung, in der sie sich gut verstanden haben und vieles zu sagen hatten.

  1. Ich habe dieses Buch auch gelesen (und rezensiert). Der Walter und ich haben viel gemeinsam: ähnlicher Jahrgang, pfälzischen Vater … Interessant fand ich, wie du auch sagst, seine Sicht auf die Geschehnisse in den 70er, 80er Jahren. Während des RAF-Terrors hätte ich mit den beiden Buben nicht tauschen mögen, das war ja ein Leben wie im Knast.
    Ansonsten las ich in diesem Buch sehr viel Larmoyanz über Luxusprobleme. Ok. Er hat sein Leben lang die Anerkennung von seinem Vater gesucht. Das tun aber andere auch, doch die bekommen selten so sehr den beruflichen Weg geebnet, wie er. Gerade die Kinder dieser Generation haben ja sehr unter einem unnahbaren, wenig ansprechbaren Vater gelitten.
    Trotzdem: Der Bub kann einem leid tun. Und dann noch diese Stiefmutter!!! Maike!!!
    LG
    Sabienes

    • 2011, kannte ich da Dein Blog schon? *grübel* Neugierig, wie ich nun mal bin, habe ich natürlich schnell mal die Rezension rausgesucht:
      https://www.sabienes.de/leben-oder-gelebt-werden/
      Die ist natürlich um Klassen besser als mein Artikel, aber das war eh klar, denn ich kann Rezensionen wirklich nicht.
      Im Vergleich zu anderen Problemen sind das vielleicht teilweise Luxusprobleme, mir hat es aber wehgetan zu lesen, dass sein Vater nur Sprüche wie „Du musst stehen“ parat hatte, wo es die Situation erfordert hätte, den Söhnen den Rücken zu stärken. Na ja, mag daran liegen, dass es in meiner Kindheit Parallelen gab, allerdings zum Glück ohne den „Promi“-Rucksack dabei. Wie Du schon sagst, die Väter der Kriegsgeneration bevorzugten oft eine Erziehung zum Hartsein, kannten es selbst nicht anders, und so zog sich das durch die Generationen — man kann den ’68ern ziemlich dankbar sein, diese Kette durchtrennt zu haben, auch wenn sie es teilweise in die andere Richtung überzogen haben.
      Von außen betrachtet wirkt diese Maike doch sehr dubios … Irgendwoh habe ich gelesen, dass sie in ihrer damaligen Wohnung quasi einen Helmut-Kohl-Schrein errrichtet hatte, Zeitungsartikel an den Wänden etc. Keine Ahnung, ob das stimmt. Meine Mutter meint, es ginge ihr nur um das Erbe. Aber vielleicht ist doch mehr dran, eine geradezu ungesunde Verehrung …
      LG von der Meute

  2. Ich liebe Biografien und natürlich habe ich diese auch gelesen… Eine glückliche Kindheit sieht sicher anders aus. Ich hätte zu gerne gewusst, wie Helmut Kohl sich als Vater empfand.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    • Ja, eine spannende Frage. Nach außen hin wirkte Kohl ja immer so, dass Selbstkritik nicht wirklich sein Fall war. Und auch im Buch kommt das so rüber, seine Ratschläge an die Söhne waren ja meistens aus der „Du musst stehen“-Rubrik. Das und dass er selten zu Hause war, war in den Zeiten ja nicht so ungewöhnlich, wenn es nach manchen CDU-, vor allem aber CSU-Politikern (von AfDämlingen ganz zu schweigen) ginge, hätten wir die Arbeitsteilung Frau zu Hause, Mann erlegt draußen die Mammuts, ja immer noch.
      Ich glaube, Helmut Kohl war hart zu sich und zu anderen, das war wohl seine Methode, mit dem Leben zurechtzukommen. Möglichst wenig Zweifel zulassen …

      Liebe Grüße von der Meute

Ehrerbietungen hier rein, bitte ;-)

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