Hin und wieder…

… habe ich hier ja auch ernste Themen am Wickel, und heute ist es mal wieder so weit. Mir liegt etwas auf dem Herzen und rumort in meinem Gehirn, das muss jetzt raus. Mein Artikel ist nicht besonders gut strukturiert, eher eine Sammlung von Gedankenfetzen.

Aber erst mal gute Neuigkeiten: Frau Dr. Buchstäblich-Seltsam, Blogurgesteine kennen sie noch, bloggt wieder! Und sie hat in ihren neuesten Artikeln ein Thema beackert, das auch mich umtreibt, wie vermutlich zurzeit jeden, der an Politik interessiert ist: Flüchtlinge.

Ich möchte nicht auf alle Aspekte eingehen, sondern vor allem auf Aussagen wie diese hier:

“Warum bekommen die Flüchtlinge so viel Geld, aber unsere Obdachlosen nicht?”

Dieses Argument wird gern auch mit Hartz-IV-Empfängern, allein erziehenden Müttern und anderen finanziell schlecht gestellten Gruppen verwendet. Und auf dem ersten Blick hört sich das nicht mal so unplausibel an, oder?

Ist es aber! Hier werden arme Menschen gegen noch ärmere ausgespielt! Und das Schlimme daran ist: Diese Aussagen kommen nicht mehr nur von Neo-Nazis oder unverbesserlichen “Montagsspaziergängern”. Nein, ich höre und lese so etwas mittlerweile von Menschen, die mir etwas bedeuten, zum Beispiel von Leuten, die sich im Tierschutz engagieren, einen Hund aus dem Ausland (!) aufgenommen haben, und die ich nicht einfach genervt von meiner Facebook-Freundesliste oder aus meinem Bekanntenkreis streichen möchte, wie ich es leichten Herzens mit Komplettignoranten tun würde.

Woran liegt es, dass Menschen, die in vielerlei Hinsicht nicht herzlos sind, diese Parolen nachplappern, Links zu Artikeln mit nachweislich falschen Aussagen (“was die Flüchtlinge alles bekommen, Handys etc.!”) verlinken und lieber heute als morgen die Grenzen wieder dichtmachen möchten?

Ich vermute, es ist Angst, und gar nicht mal hauptsächlich vor einer Islamisierung, dies Argument wirkt auf mich häufig nur vorgeschoben, sondern Angst vor dem Verlust des eigenen (und sei es nur bescheidenen) Wohlstandes und der Sicherheit. Der Hinweis auf Bevölkerungsgruppen wie Obdachlose lässt mich das vermuten.

Wie kann es angehen, dass ein Diplom-Finanzwirt, der bei bei der Hamburger Finanzbehörde arbeitet, ein Haus anzündet, in das 8 – 12 Flüchtlinge einziehen sollten? (Quelle.) Furcht, dass böse, fanatische Männer aus islamischen Ländern den hier jahrzehntelang in ihren Häusern ruhig lebenden Familen etwas antun? Die Tatsache ignorierend, dass gerade die mordenden Islamisten häufig ein Fluchtgrund sind und ganz, ohne die Asylbewerber überhaupt zu kennen.

Ja, sicher gibt es auch unter den Flüchtlingen gewalttätige Menschen (wie unter Deutschen auch), und sicher sind viele traumatisiert, was sich unter Umständen in Gewalt äußern kann. Aber was ist das für ein Denken, das so einen Hass auslöst, ohne die Menschen, die aus dem Elend zu uns kommen, überhaupt zu kennen? Und das wohlgemerkt von jemandem, der studiert und wohl einen anspruchsvollen Job hat. Mir macht das Angst. Früher fürchtete man ein paar fanatisierte Glatzen in Springerstiefeln, die schon Unheil genug anrichteten, aber nun breitet sich das Gift immer weiter aus, bis in die Mittelschicht und darüber hinaus, denn von unseren regierenden Politikern vermisse ich deutliche Worte, muss nicht gleich so ein Ausraster à la Til Schweiger sein, aber vieles aus der Richtung klingt doch eher windelweich — Angst vor Wählerverschreckung?

Und ja, die Schere, nicht nur in diesem Land, zwischen Arm und Reich geht immer mehr auseinander, die Statistiken dürfen wir jedes Jahr wieder “bewundern”. Das soziale Klima wird härter. An der Bildungspolitik wird rumreformiert und gespart, dass es ein Grauen ist. Das Gesundheitswesen bekommt immer wieder Spar-Operationen verpasst. Aber:

Das liegt doch nicht an den Flüchtlingen! Wer hat denn Einfluss auf unsere Politik? Die Menschen, die nach einer oft lebensgefährlichen Flucht hier ankommen, um Ruhe und Frieden zu finden, am allerwenigsten. Ja, die Sozialpolitik verändert sich immer mehr zum Negativen, das fing bei der Regierung Kohl an und wurde unter einer rot-grünen Regierung leider nicht besser. SPD, die Arbeiterpartei? Leider schon lange nicht mehr. Bei unseren Regierenden und deren Politik muss eine Kritik ansetzen und nicht bei den armen Menschen, die zu hunderten auf engstem Raum in einem ihnen unbekannten Land leben müssen und deren Betreuung die staatlichen Stellen teilweise hoffnungslos überfordert. (Großen Respekt an alle, die sich privat engagieren!)

Was kann man gegen diese negative Stimmung tun? Ich glaube, ein Anfang wäre gemacht, wenn sich jeder vor Augen hält, aus welchen Verhältnissen die Flüchtlinge zu uns kommen. Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, das ganze Leben, seine Freunde und Verwandten hinter sich zu lassen, um in ein fremdes Land, in eine fremde Kultur zu flüchten? Ja, flüchten, das ist kein Urlaubstrip. Wie verzweifelt muss man sein, das eigene Leben den Seelenverkäufern anzuvertrauen, um über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen? Die Menschen sind ja nicht von allen Informationen abgeschnitten, sondern wissen genau, auf welche Gefahren sie sich einlassen.

Und dann die vielzitierten sog. Wirtschaftsflüchtlinge. Nach den Buchstaben des Gesetzes haben diese Menschen keinen Anspruch auf Asyl, da sie nicht politisch verfolgt werden. Daraus den Schluss zu ziehen, dass wir es hier mit “Schmarotzern” zu tun haben, ist menschenverachtend, denn auch diese Menschen kommen aus Verhältnissen, die bei uns keiner in der Form ertragen muss — damit möchte ich die schwierige Situation von Obdachlosen, Hartz-IV-Empfängern, Niedriglohnverdienern nicht herabwürdigen, auch das sind Zustände, die ich für schlimm und Folgen einer verfehlten Politik halte, aber das ist nicht Thema dieses Artikels.

Nehmen wir als Beispiel Sinti und Roma, die in ihren Heimatländern häufig in unvorstellbarer Armut leben und Angriffen ausgesetzt sind. Auch das fällt nicht unter “politische Verfolgung”. Sind sie damit Wirtschaftsflüchtlinge, die nur nach unserem Wohlstand gieren? (Mehr dazu hier.)

Worauf ich hinaus möchte: Können wir alle nicht versuchen, diesen Menschen erst mal offen und freundlich zu begegnen? Wenn ein neuer Kollege in unserer Firma anfängt, sind wir doch auch erst mal unvoreingenommen (hoffe ich), warum nicht gegenüber den Flüchtlingen? Mir sind die Erfahrungen mit einzelnen Asylbewerbern, die Frauen belästigen, bekannt, auch leugne ich nicht, dass es kulturell verursachte Probleme gibt, aber auf der anderen Seite haben wir viele Flüchtlinge, die sich so sehr um Integration bemühen, dass sie nach einigen Jahren besser Deutsch als so mancher hier Geborener sprechen (als die meisten Nazideppen sowieso, aber die sind eh kein Maßstab).

Im Übrigen glaube ich, je willkommener die Menschen hier sind, desto weniger Probleme dieser Art wird es geben. Es wäre sinnvoller, die Menschen eben nicht zu hunderten oder tausenden in Unterkünfte zu stopfen, wobei mir schon klar ist, dass es für die Kommunen eine große Herausforderung ist. Bekomme ich hier vor Ort ja auch mit. Einerseits heißt es, wenn man über Wohnungslösungen nachdenkt, wie kann es sein, dass man Flüchtlingen eine Wohnung gibt, andererseits möchte auch keiner ein 500-Personen-Flüchtlingsheim in der Nachbarschaft haben… Es liegen keine einfachen Lösungen in der Schublade, aber die Menschlichkeit sollte über allen stehen, oder?

Es mag, befeuert durch bestimmte Medien, so wirken, als kommt da eine Flut auf uns zu, aber wir haben nocht nicht den Stand Anfang der 90er Jahre erreicht und in Verhältnis gesetzt ist Deutschland bei weitem nicht das Land, das die meisten Flüchtlinge aufnimmt. Hier und hier Statistikfutter zu diesem Aspekt.

Und was ist die Alternative? Wollen wir weiter Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen? Kriegsopfern die Tür weisen? Ich bin mir sicher, dass auch viele Menschen, die leichtfertig dem Prinzip “erst mal den armen Deutschen helfen” huldigen, das nicht möchten, sondern das Thema nicht komplett durchdacht haben, denn es ist immer einfacher, geistig erst mal auf Abwehr zu schalten. Deutschland ist immer noch eines der reichsten Länder der Erde und ich möchte nicht in einem Land leben, das Kriegs- und Armutsflüchtlingen nicht hilft.

Liebe Menschen, die Ihr Euch um die finanziell benachteiligten Deutschen sorgt: Glaubt Ihr, dass, würden wir die Kosten für die Flüchtlinge einsparen, das Geld wirklich so eingesetzt wird, dass die soziale Gerechtigkeit ausgebaut wird? Das Gesundheitswesen finanziell nicht weiter ausblutet? Die Schulen vernünftig ausgestattet werden? Was gibt uns bei dieser und den letzten Regierungen Anlass zu dieser Hoffnung? Das Geld für eine sinnvolle Verteilung wäre da, auch ohne Flüchtlingen die Tür vor der Nase zuzuknallen! Vielleicht sollten wir lieber bei der nächsten Bundestagswahl anders abstimmen.

Europa konnte mit großem finanziellen Aufwand Banken retten, wie viele Milliarden waren dafür auf einmal verfügbar? Aber es soll uns nicht gelingen, die Kosten für die Flüchtlinge zu schultern? Davon ab, dass die reichen Staaten an dem Elend nicht unschuldig sind, aber dieser Artikel ist jetzt schon zu lang, so möchte ich nur noch auf einige weitere lesenswerte Fakten verweisen, um den Argumenten von Pegida & Co. etwas entgegenzusetzen und zu versuchen, Menschen, die für das Ausspielen von Armut gegen Armut empfänglich sind, davon zu überzeugen, dass sie dabei sind, den Pfad der Unmenschlichkeit einzuschlagen. Ich glaube immer noch daran, dass nicht alle Sympathisanten schon an die Simpeldenker von Pegida & Co. verloren sind, denn das wäre eine Katastrophe für unser Land, in dem schon heute Blogger vor rechter Gewalt kapitulieren.

Das sind nur einige, etwas ungeordnete, Gedanken von mir zu dem Thema, vielleicht geben sie den ein oder anderen Denkansatz, so in etwa argumentiere ich auch, wenn ich mit o. g. Aussage konfrontiert werde. Mehr oder weniger erfolgreich, natürlich gibt es Menschen, die nicht aus ihrer Gedankenwelt ausbrechen möchten, aber jeder, der ins Zweifeln kommt, macht mir Hoffnung.

Übrigens gibt es in einigen Städten die Gelegenheit, sich Flüchtlingsunterkünfte vor Ort anzugucken. Möchte ich jedem ans Herz legen, der glaubt, die Menschen bekommen eine Luxusunterkunft…

Morgen geht es dann wahrscheinlich mit der üblichen Beklopptheit hier weiter. :-)

Für die Seele 102

Ursprünglich veröffentlicht auf Hilfe für Miranda:

Die vermeintliche Rechtlosigkeit der Tiere,
der Wahn, dass unser Handeln gegen sie
ohne moralische Bedeutung sei,
ist geradezu eine empörende Roheit
und Barberei des Okzidents.

Arthur Schoppenhauer

SCHWEINEKUSS_75

Auf dem Foto seht ihr ein Bio-Schwein in Freilandhaltung. Das ist die absolute Ausnahme in der Schweinehaltung! Die meisten der rund 27,4 Millionen Schweine in Deutschland (Bestandszahl von 2011), werden in tierquälerischer Enge ohne Licht, Luft und Bewegung gehalten.

Hier könnt ihr etwas zum Wohle der Schweine tun:

Die Schweinefleisch-Industrie ist kurz davor, ihre tierquälerischen Vollspaltenböden EU-weit als »beste verfügbare Technik« anerkannt zu bekommen. Das würde die katatstrophalen Zustände in der Schweinezucht und -mast zementieren. Fordern Sie Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt und Bundesumweltministerin Hendricks auf, das zu verhindern!

https://albert-schweitzer-stiftung.de/helfen/petitionen/vollspaltenboeden

Original ansehen

Ich weiß nicht…

 

… was ich zu solchen Menschen sagen soll:

Außer, dass ich dem und seinen Lobbyistenkollegen und deren Konzernchefs gern noch was ganz anderes zu trinken geben würde… Und damit meine ich ganz bestimmt keinen Caipi.

Willkommen in der bunten Welt des Konzern-Kapitalismus. Meiner Ansicht nach müsste man diese ganzen Molochfirmen zerschlagen, es kann doch nicht sein, dass die Politik immer mehr von den Großkotzkonzernen bestimmt wird… TTIP und ähnliche Pläne kommen doch auch aus der Ecke. Aber wir sind in Deutschland ja nur reich und hysterisch. Sagt der Siggi, und der wird es ja wohl wissen als Chef der Arbeitnehmerpartei SPD. Uppsi, nun ist mir aus Versehen ein bisschen Ironie in den letzten Satz gerutscht…

(Nein, ich bin kein Sozialist und auch kein Kommunist, aber dagegen, dass Geldscheffeln das Maß aller Dinge ist. Und da muss eigentlich die Politik gegensteuern, denn die meisten Konzernmanager werden immer das Wohl ihrer Aktionäre und ihres eigenen Bankkontos, welches nach Boni hungert, im Auge haben. Außerdem hat es nicht mehr allzu viel mit freier Marktwirtschaft zu tun, wenn sich ein, zwei Konzerne die Märkte aufteilen und kleinere Firmen schlucken oder in den Konkurs treiben. Freie Marktwirtschaft hat nämlich auch was mit Wettbewerb zu tun.)

So, ich musste mir mal kurz Luft verschaffen. Dafür wird es voraussichtlich morgen einen Artikel mit großem Epochalitätsfaktor geben, er ist beinahe fertig geschrieben, aber nun bin ich müde und muss noch Wäsche aufhängen, klickt Euch also morgen wieder rein. :-)

Wie lange noch…

… wollen die Entscheider der EU (ihres Zeichens Friedensnobelpreisträgerin 2012) noch zugucken, wie Menschen elendig ertrinken?

Die Anstalt hat den Zynismus schon letztes Jahr aufgezeigt, kurze Version:

Länger:

Zwei Petitionen:

https://www.change.org/p/seenotrettung-für-flüchtlinge-jetzt

https://www.amnesty.at/de/sos-europa/

Es ist sicher kein einfaches Thema, und die Idee, die Lebensbedingungen in den Herkunftsländern zu verbessern, ist ja nicht verkehrt (wobei man hier jetzt noch lang und breit diskutieren könnte, inwieweit das wirklich gewollt ist und wie weit man dafür bereit wäre zu gehen), aber es muss doch als allererstes mal darum gehen, die Menschenleben zu retten! Die Abschreckungspolitik funktioniert ja ganz offensichtlich nicht…

Frau Tonaris Rost-Parade (12)

 

Jetzt bin ich endlich mal wieder dabei bei dieser tollen Parade! Dieses Mal mit Politik, da kann ich als Weltherrscherin einfach nicht so ganz aus meinem Fell.

Wie einige mitbekommen haben, musste ich hier ja mehrere Gebäude entrümpeln. Dabei entdeckte ich eine Sichel, die schon gut Rost angesetzt hatte. Ein Hammer lag auch noch in der Gegend rum, also musste ich an das hier denken:

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Flag of the Soviet Union“ von see below – http://pravo.levonevsky.org/. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

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(Stern hatte ich nicht greifbar, eine hübsche Symbolik wäre es gewesen, dort die Zeitschrift gleichen Namens hinzulegen, aber die lese ich schon lange nicht mehr…)

Ich bin ein Kind der 70er und vor allem 80er. Erinnerungen an den Kalten Krieg, Ostermärsche, Wettrüsten, Nato-Doppelbeschluss, greise Herren im Zentralkomitee der KPdSU (bis “Gorbi” kam), Reagan mit seinem Spruch vom “Reich des Bösen”, Lieder wie diese:

Das hat sich tief in mein Gehirn eingegraben, vor allem die diffuse Angst vor einem Atomkrieg. Das alles noch ergänzt um das wachsende Bewusstsein der Umweltzerstörung (Waldsterben), ergab eine düstere Stimmung, die sich schlecht beschreiben lässt.

Dass ich den Fall der Berliner Mauer erleben würde, hätte ich nie für möglich gehalten. Ich saß mit großen Augen vorm Fernseher. Eine Zeitlang pure Freude und grenzenloser Optimismus bei vielen Menschen (außer den knallharten Realisten, die wussten, dass sich die Menschheit schon bald selbst wieder Dämpfer verpassen würde…).

Und nicht ganz sieben Jahre später holte ich Rasputin aus Mecklenburg-Vorpommern zu mir.

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“Das Foto ist schief.” Ja, ich weiß. ;-)

52 Bücher, Woche 27

 

Vor 70 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde der Lagerkomplex Auschwitz von der Roten Armee befreit. Auschwitz ist wohl der schlimmste Beweis für menschliche Grausamkeit. 70 Jahre, so lange ist das noch nicht her.

Es wird immer wichtig sein, daran zu erinnern, um daraus zu lernen. Gerade in der heutigen Zeit, in der sich wieder ein Trend abzeichnet, eine bestimmte Gruppe zu stigmatisieren, nicht nur auf sog. Spaziergängen.

Deswegen ist das Thema dieser Woche

Nationalsozialismus

Mein Beitrag zum Thema ist

Das Lager im Dorf lassen — Das KZ Neuengamme in der lokalen Erinnerung” von Gesa Anne Trojan.

Das ehemalige KZ Neuengamme befindet sich in der Nähe meines Wohnortes, insofern gab es für mich schon früh Berührungspunkte. Jahrzehntelang befand sich auf dem Gelände eine Justizvollzugsanstalt. Gesa Anne Trojan beschäftigt sich vor allem mit den Erinnerungen von Dorfbewohnern, die zu der Zeit Kinder waren, und mit den Erfahrungen der später Geborenen — was haben sie von der älteren Generation über das KZ erfahren, welche Bedeutung hat die Gedenkstätte und ähnliches. Stichwort “Oral History”.

Bei dem Thema lässt sich denken, dass das keine leichte Lektüre ist. Als Einstiegsbuch, falls man sich vorher noch nicht mit dem Thema beschäftigt hat, würde ich es nicht empfehlen, ansonsten aber auf jeden Fall.

Damit habe ich nach langer Zeit auch mal wieder etwas zum Projekt der Momos “Zeichen setzen” beigetragen.

Jetzt wundert mich nichts mehr…

 

“Bis heute beeinflusst ihr [Ayn Rands] Denken die US-amerikanischen Neoliberalen und Konservativen, insbesondere die Republikanische Partei. Bei einer Umfrage der US-Kongressbibliothek, welches Buch den größten Einfluss auf das Leben der Befragten hatte, lag Ayn Rands “Atlas Shrugged” auf Platz 2 – nach der Bibel.”

Erschreckend. Quelle.

Könnte ich zeichnen…

 

… würde ich einen Cartoon in der Art zeichnen:

1. Panel:
Terrorist mit noch rauchendem Maschinengewehr o. ä. landet in der Hölle und sieht sich dem Teufel gegenüber. Denkblase beim Terroristen: “Hm, Allah habe ich mir ganz anders vorgestellt.” Sprechblase Terrorist: “Wo sind denn nun die 72 Jungfrauen, dafür habe ich hart gearbeitet?” Teufel: “Ja, natürlich, bitte folgen Sie mir.”

2. Panel:
Teufel führt den Terroristen in einen Raum mit 72 Teufelsfrauen, die entsprechend aussehen, also auch mit Hörnern auf dem Kopf, vor Vorfreude grinsenden Fratzen etc. pp.

Leider kann ich nicht zeichnen, ich finde es aber gut, dass sich viele Karikaturisten und Cartoonisten mit den Toten von Charlie Hebdo solidarisch zeigen, in dem sie satirische Cartoons zeichnen.

Viel mehr möchte ich dazu gar nicht sagen, das können andere besser (ich beneide ein bisschen Herrn Silencer, der präzise und ins Schwarze treffend mit relativ wenigen Worten viel erklärt, während ich meinen konfusen und langatmigen Artikel über Pegida wieder gelöscht habe).

Nur ein paar Punkte, auch Pegida betreffend, denn dort herrscht nun so eine Art “ätsch, wir hatten doch Recht”-Party. Nach außen hin wirken deren Forderungen scheinbar ja recht moderat, aber man braucht sich nur viele Kommentare auf deren Facebookseite durchzulesen, um eine unappetitliche Melange aus braunem Matschhirn, Gutgläubigkeit, Vereinfachungen, Pauschalisierungen etc. vorzufinden. Nein, das sind nicht alles Nazis, und ich bin durchaus dafür, die Bewegung ernstzunehmen, das muss man, wenn es wirklich stimmt, dass jeder dritte Deutsche sich vorstellen kann, bei Pegida mit “spazierenzugehen”, wie sie es nennen. Aber ernst nehmen darf nicht heißen, dass man ihnen nach dem Mund redet, wie einige CDU-/CSU-Politiker aus Angst um die Wählerstimmen das gern möchten und teilweise schon praktizieren, unter anderem auch der Bundesentwicklungsminister (und ich dachte schon, Niebel war der schlechteste … aber egal, ich schweife schon wieder ab).

Nein, nicht alle Flüchtlinge aus islamisch geprägten Ländern sind verkappte Terroristen. Im Gegenteil, viele fliehen vor dem Terror in ihren Heimatländern (Islamisten bringen immer noch bevorzugt Muslime um). Reiche Staaten sollten Asylsuchende nicht einfach zu Hunderten in Container pferchen (dass das zu Spannungen und Gewalt führen kann, ist nicht wirklich überraschend), sondern sich um gute Betreuung und Integration bemühen. Dem Teil der Pegidaanhänger, der meint, das ganze Geld, das für die Flüchtlinge ausgegeben wird, fehle dann bei wichtigen Investitionen in Infrastruktur, Bildung (wo doch gerade Bildung wichtig ist, um zu lernen, nicht auf Rattenfänger hereinzufallen, nicht wahr?), Gesundheitssystem etc. pp., möge sich mal damit beschäftigen, wie in den letzten Jahrzehnten die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wurde und die Politik nicht nur in Sachen sozialer Gerechtigkeit eklatante Fehler begangen hat. Damit ist die Zeit sinnvoller verbracht, anstatt pauschal alle Asylsuchenden über einen Kamm zu scheren oder bei diesem schiet Wetter spazierenzugehen, sich womöglich zu erkälten oder — noch schlimmer — mit braunen Bazillen zu infizieren, denn solcherlei Menschen mit vor sich hinköchelnder brauner Suppe und sonst nix im Kopf befinden sich nicht ganz zufällig unter den Pegidaspaziergängern…

Ich leugne nicht, dass es Probleme gibt wie fanatische Salafisten, die junge Leute in ihr Terrornetz locken, Stadtteile, in denen es auch Probleme durch zu hohen Anteil von nicht integrierten Ausländern gibt etc., aber die Sündenbockphilosophie à la Pegida schürt nur Hass, wird aber kein einziges Problem lösen, und es wird auch nichts helfen, neben jedem Laternenpfahl einen Polizisten zu stellen.

Ganze Gruppen pauschal als Sündenböcke hinzustellen — verdammt, gerade wir Deutschen sollten doch wissen, dass das der falsche Weg ist!

Ach ja,  noch was, werte Pegidarier, wenn man Euch ernst nehmen soll, hört auf, Euch über die “Lügenpresse” zu echauffieren; und “das wird man ja noch mal sagen dürfen”-Gejammer könnt Ihr bei der Gelegenheit ebenfalls sein lassen, denn das dürft Ihr doch! Nur dürfen andere halt auch sagen, dass Ihr dummes Zeug redet.

Schon wieder viel zu lang geworden. Sorry. Ab morgen dann wieder unpolitisch und mit der üblichen Beklopptheit.

Ganz am Rande: Frankreich hat seit Anfang 2006 die Vorratsdatenspeicherung. Ich meine ja nur…

Es ist soooooo lieb…

… von den USA, dass sie eine Reisewarnung für Sotschi herausgegeben haben. Es geht nicht nur um die Terrorgefahr, sondern:

Das US-Außenamt warnte US-Bürger zudem vor der Gefahr von Kleinkriminalität und schlechter medizinischer Versorgung in Sotschi. Auch müsse beachtet werden, dass es nach russischen Gesetzen als Delikt gelten könne, öffentlich homosexuelles oder lesbisches Verhalten erkennen zu geben.

Das ist soweit sicher auch alles richtig und berechtigt. Wie hieß eigentlich noch mal der Staat, in dem die Zahl der Tötungsdelikte mit Waffen, häufig im legalen Besitz, sehr hoch ist? Der sich ein Gefangenenlager in kubanischen Gefilden hält, welches nicht so ganz rechtsstaatlichen Gepflogenheiten entspricht? In dem Ärzte, die Abtreibungen vornehmen, auch schon mal von fanatischen Christen erschossen werden? In dem die Todesstrafe noch immer nicht geächtet ist? Der sich seit Jahrzehnten mehr oder eher weniger müht, ein funktionierendes Gesundheitssystem auf die Beine zu stellen, und wenn es dann tatsächlich mal Gesetze in dieser Richtung gibt, diese von hirnleeren Teebeuteln bekämpft werden?

Ich komme gerade nicht drauf. Egal.

Apropos Gesundheitspolitik: Heute Morgen ( na ja, eher Mittag, ich bin ja bekennende Langschläferin) habe ich in den Nachrichten gehört, dass jeden Tag (!!!) ca. drei Menschen sterben, weil kein Spenderorgan zur Verfügung steht. Die Bereitschaft zur Organspende ist seit den Skandalen offensichtlich weiter zurückgegangen.

Ich finde das sehr schade. Natürlich sind diese Skandale grässlich, aber deswegen auf die Organspende zu verzichten? Nicht alle Organe werden nach betrügerischen Regeln vergeben. Ganz ausschließen lässt sich das wohl leider nie; wo Geld im Spiel ist, wird es immer gierige Menschen geben, die alle Moralvorstellungen über Bord werfen. Nach diesen Skandalen kann man zumindest davon ausgehen, dass etwas genauer hingeguckt wird.

Irgendwann ein Spenderorgan zu benötigen, könnte jeden treffen, Dich, mich, Menschen, die Ihr liebt… Darum die Bitte an diejenigen, die noch keinen Organspendeausweis haben, zumindest mal drüber nachzudenken. Es war noch nie so einfach, sich einen Ausweis zuzulegen, den kann man sogar online ausdrucken.