Rasputin 14.03.2006 — 05.03.2015

 

Ich kann nicht schlafen, weil ich so traurig bin. Nie wieder wirst Du mir einen Deiner Lieblingsbälle vor die Füße legen, damit ich mit Dir Fußball spiele, und vor Begeisterung und Ungeduld herumhüpfen, wenn ich nicht schnell genug bin. Und nie wieder werde ich Deine strahlenden Augen sehen, wenn ich Dir einen neuen Ball schenke, was 3 – 4 x pro Jahr vorkam, obwohl Du genug Bälle hattest. Aber Du hast Dich trotzdem immer so sehr gefreut. Und sie nach bestimmten Mustern sortiert. Vor kurzem z. B. noch so:

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Eine Dreiecksform, vielleicht wolltest Du mir den Satz des Pythagoras beibringen? Du warst so klug, dass es mich kaum gewundert hätte, wenn Du auch Mathematik gekonnt hättest. Wie oft hast Du etwas verstanden, was ich gesagt habe, Dir aber nie die Bedeutung explizit beigebracht hatte. Vernünftig an der Leine zu gehen (in der etwas großzügigeren Fellmonstervariante), hast Du in unserem ersten Dänemarkurlaub innerhalb einer halben Stunde gelernt.

Überhaupt, Du und Deine Bälle. Einmal hatte ich aus Versehen einen zu weit in die Elbe geschossen. Du konntest schwimmen, mochtest Dich aber nicht gern zu weit vom Ufer entfernen. Hattest lieber alle Tatzen auf festem Grund. Du warst so traurig, als der Ball immer weiter abgetrieben wurde. Zu Hause gab es dann schnell einen neuen, zum Glück hatte ich meistens eine Reserve, und dann warst Du wieder glücklich.

Wenn das Wetter schön war und wir viel getobt hatten und ich anschließend dachte, ich kann 10 Minuten am Stück lesen, hast Du das meistens anders gesehen, maximal 5 Minuten Ausruhen reichten Dir. Manchmal habe ich versucht, mich durchzusetzen, aber Deine „Drohung“ mit einem schmutzigen Ball, den ich nicht so gern auf meinem Buch wiederfinden wollte, hat meistens geholfen. Außerdem — wer kann so einem Blick widerstehen (außer ich, wenn ich das unbedingt fotografisch festhalten wollte)?

Phase 1: Hinlegen, abwarten:

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Phase 2: Noch mal in die Schnauze nehmen, falls Frauchen das Bällchen übersehen hat:

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Phase 3: Niedlich gucken.

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Phase 4: Noch niedlicher gucken, mit einem Schuss Dringlichkeit dabei:

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Phase 5: Den Ball auffordern, sich selbst zu werfen:

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Phase 6: Noch ein Versuch mit dem niedlichen Blick:

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Phase 7: Anrufen höherer Mächte:

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Aber meistens habe ich natürlich schneller reagiert und mit Dir gespielt.

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Du warst auch mein kleines Knuddelchen. (Ja, 45 kg, aber ich habe Dich oft „mein Kleiner“ oder „Zwerg“ genannt.) Ich finde Selfies doof, aber hier hattest Du Dich so lieb rangekuschelt:

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Überhaupt warst Du immer sofort da, wenn ich traurig war und hast Dich rangekuschelt oder bist halb, mit den Vorderbeinen, auf meinen Schoß gesprungen.

Abends, wenn es Deiner Meinung nach Zeit war, ins Bett zu gehen, hast Du mich gerufen, denn Du wolltest, dass ich mitkomme, um Dich zu knuddeln. Du hattest so einen bestimmten Ton, eine Mischung aus Jaulen und Bellen, mit dem Du mich gerufen hast. Und wenn draußen Martinshorn ertönte, hast Du nicht einfach gebellt, sondern geheult wie ein richtiger Wolf. Das hattest Du damals, als Du noch neu bei uns warst, auch Molly beigebracht. Erst bellte sie nur, aber nach einigen Wochen heulte sie ebenfalls wie ein Wolf.

Du hast auch Deine Kausachen oft eingebuddelt wie ein richtiger Wolf, und nach einigen Wochen hast Du dann das Schweineohr schön aufgeweicht wieder ausgegraben, gründlich die Erde abgeschüttelt und genüsslich vertilgt.

Zu Molly und Nelly warst Du immer so lieb und vorsichtig. Das war wichtig, immerhin warst Du 4 x so schwer wie Nelly, und sie hat Dir beim Toben ganz schön zugesetzt, aber Du hast meistens geguckt, als wolltest Du sagen: „Oh, war da ein Windhauch?“

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Gebettelt am Tisch hast Du nie, Du lagst brav unter dem Tisch, aber wenn es Kartoffeln oder vor allem Nudeln oder Spaghetti gab, hast Du mich im Liegen durch Stupsen (die Grenzen zu energischen Tritten waren manchmal fließend, ich sage nur blaue Flecke, aber Du musstest ja auch ab und zu Deinem Spitznamen „Höllenhund-Titan“ gerecht werden) daran erinnert, dass Du diese Sachen auch gern magst.

Du fehlst mir so, kein schwarz-weißer Blitz mehr mit Ball im Maul, der an mir vorbeizischt, sobald ich nach Hause komme. Begrüßung ist später, erst mal flitzen. Das war Dein Motto. Und besonders leid tut es mir, dass Nelly nicht viel Zeit mit Dir hatte, sie hat so gern mit Dir gespielt und gerade jetzt, wo der Frühling kommt, wäre dafür noch mehr Zeit gewesen, denn bei diesem Matschwetter hast Du nicht gern getobt.

Ich hoffe, dass Du gern bei mir gelebt hast, auch wenn ich nicht das perfekte Frauchen für Dich war, aber ich habe Dich sehr geliebt. Danke für beinahe 9 wunderschöne Jahre.

Dein Frauchen

Hier ist erst mal Pause, auch das Bücherprojekt fällt diesen Sonntag aus.

Kommentarfunktion habe ich ausgeschaltet, bitte auch unter andere Beiträge keine Kommentare, ich werde nun versuchen, zur Ruhe zu kommen. Es kam alles so plötzlich und viel zu früh, aber wenigstens musste er nicht lange leiden.

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Molly 02.10.2000 – 23.03.2014

Ich musste heute meine geliebte kleine Motte für immer gehen lassen.

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Meine Sockendiebin, Kuschelhündin, Küsschengeberin, Flauschiverrückte, Brötchensüchtige, meine Seelenhündin. Danke für über 13 wunderbare, schöne Jahre. Es tut trotzdem so verdammt weh. Molly war nicht nur ein Teil von mir, sie war der beste Teil von mir.

Ich ziehe mich eine Zeitlang aus dem Onlineleben zurück, um zur Ruhe zu kommen. Also werde ich auch keine Kommentare bei Euch in den Blogs abgeben. Bitte auch hierzu keine Kommentare unter meinen anderen Beiträgen. Bei diesem Artikel habe ich Kommentare gesperrt. Ich weiß, dass die meisten von Euch mitfühlen. Danke.

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