Kunstfreunde!

Ich bin noch ganz fertig vor Ergriffenheit, trotzdem muss ich Euch einfach Bericht erstatten. Meine Begeisterung explodiert geradezu und muss mit der Welt geteilt werden!

Ich durfte ja heute wieder in die Anstalt. Zunächst war es eher ein Muss, denn da wusste ich noch nicht, was mich erwarten würde! Mir zittern immer noch die Finger und Haarspitzen! Meine Güte, besser kann ein Jahr kaum starten!

Seht selbst!

Foto

Ja, Ihr seht richtig und korrekt! Die berühmte Klo-Künstlerin hat wieder eines ihrer brillanten, großartigen, epochalen, weltbewegenden Werke geschaffen! Ihr seht es selbst: Einfach mal in die Kälte der Kachellandschaft so einen Schokoweihnachtsmann zu platzieren, das ist große Kunst, wie sie kaum jemand zu schaffen vermag! Beachtet auch die Symbolik, den bärtigen Geschenkebringer nah einer Ecke zu platzieren. Ganz famos!

Widmen wir uns nun den Details. Im Gegensatz zu normalen Schokoweihnachtsmännern trägt dieser einen güldenen Mantel. Die Bedeutung ist offensichtlich und braucht sicher nicht von mir erläutert zu werden, denn Ihr seid ja alle große Kunstkenner.

Im Arm hält der Weihnachtsmann ein Bärchen. Eines. Nicht zwei. Somit handelt es sich hier nicht um ein Bärchenpärchen. Wir wissen: Mit Bärchenpärchen ist alles klärchen. Da wir hier kein Bärchenpärchen sehen, ist somit nichts klärchen. Außerdem verzichtete die Künstlerin auf die scheiß Herzchen, an die man immer denken sollte. Mit der Auslassung von zwei Symbolen gelingt es dieser genialen Kunstschaffenden, finsterste Kälte zu symbolisieren! Hervorragend, grandios, bemerkenswert, einfach gut!

Ich nenne dieses Werk: “Weihnachten ist vorbei.” Hoffentlich habe ich damit zumindest entfernt die Intention der großartigen Künstlerin getroffen!

Freunde der Kunst, ich werde Euch nun einige Zeit allein mit diesem Meisterwerk lassen! Auch Ihr werdet Euch vermutlich erst nach Stunden wieder klar artikulieren können. Das ist ganz normal, wenn man Zeuge einer Sternstunde der Kunst sein durfte! Ich kann Euch beruhigen, es ging mir nicht anders! (Nein, Frechmonster, die drei XXL-Caipis haben damit nichts zu tun! Frechheit!)

Und denkt dran: In nicht mal mehr 12 Monaten ist wieder Weihnachten!

Anmerkung für neue Leser, die ich an dieser Stelle herzlich begrüße und ihnen viel Spaß mit diesem bekloppten Blog wünsche: Bei den Werken der Serie “Kunst in der Anstalt” handelt es sich um Installationen, die ich genauso in der Anstalt, in der ich meinen Cachaca verdiene, vorgefunden habe, meistens auf dem Damen-WC, manchmal auch woanders. Ich bin nur die Chronistin, die diese Meisterwerke fotografisch festhalten darf — eigentlich zu viel der Ehre, doch ich gebe alles!

Kunst in der Anstalt — neuer Künstler aufgetaucht?

Kinners, Ihr alle kennt die berühmte WC-Künstlerin, die in der Anstalt ihre bahn- und wahnbrechenden Kunstwerke präsentiert. Aber neulich entdeckte ich diese Installation:

Büro_Tristesse

Ich meine, hier eine andere, neue, frische künstlerische Handschrift zu erkennen. Auch darf ich mir hier zugute halten, dass ich den Grundstein dieses Kunstwerkes gelegt habe, denn dieser Kasten, auf dem der Ordner liegt, wurde von mir im Flur der Anstalt platziert. Das gute Stück ist mindestens 23 Jahre alt, denn ich bewahre ja fast jeden Scheiß solange auf, bis er nicht mehr zu verwenden ist, und das war hier der Fall, die meisten Schubladen bei dem Ding klemmten. Ich habe mich ja auch über mehrere Jahre mit einer Tastatur herumgeplagt, die man eigentlich nur mit Hammer und Meißel bearbeiten konnte, so schwergängig war die. Neulich hatten meine Kolleginnen die Schnauze von meinem Gefluche endgültig voll und schickten mich in unsere IT-Abteilung; nun habe ich eine wunderbare, leicht zu bedienende Tastatur. Oh, ich bin glaube ich etwas abgeschweift. (Findet Ihr nicht auch, dass abgeschwiffen viel schöner klingen würde?)

Zurück zur Kunst! Disziplin, bitte! Die wahre Meisterschaft bestand natürlich darin, einen Ordner auf meinen Ablagekasten zu platzieren. Und nicht irgendeinen Ordner, oh, nein! Seht Ihr diese kunstvoll geknickte Ecke? Und dann das schiefe Auflegen der Ordnungshilfe! Ein künstlerisch nicht veranlagter Mensch hätte den Ordner gerade auf den Kunststoffkasten mit den durchfallartigen Farben gelegt. Nicht so unser neuer geheimnisvoller Künstler!

Da harmoniert auch farblich alles! Achtet mal auf den Fußboden und den Ordner! Weltklasse, oder?

Verzeiht mir meine Aufregung, ich bin so euphorisch, dass ein weiterer Künstler von Weltgeltung sein kunstfertiges Wesen in der Anstalt treibt! Ich weiß gar nicht, womit wir das verdient haben!

Wie immer hat dieses Kunstwerk nicht lange überlebt; eifrige Kollegen aus unserer entsprechenden Abteilung haben die Artefakte entsorgt. Oder viel wahrscheinlicher, heimlich in ihrem Büro aufgebaut, wo sie sich jeden Tag an der Kunst ergötzen. Es sei ihnen gegönnt! Wo Anstaltskunst ist, lass Dich ruhig nieder, denn Künstler tragen keine Mieder! So oder ähnlich heißt doch das berühmte Sprichwort? *grübel*

(Aus meinem Entwürfeordner, damit das Blog hier nicht verhungert… Außerdem heißt es ja nun, 4 1/2 Wochen anstaltslose Zeit zu überbrücken. ;-))

WC-Kunst — die Epochalität geht weiter

Bevor ich zum eigentlichen Thema komme, möchte ich hiermit meinen Entschluss verkünden, diese Woche jeden Tag etwas zu bloggen, damit mein kleines Monsterblögchen wieder Content auf die Rippen bekommt. DillEmma pushte mit Puscheligkeit um sich, so dass mir dieses Vorhaben quasi im Schlaf gelingen müsste. (So müde, wie ich zurzeit bin, kann man diesen Satz beinahe wörtlich nehmen.) Starten wir mit einem Artikel, der schon seit einiger Zeit in den Entwürfen lag.

Im letzten Artikel, der WC-Kunst präsentierte, äußerte DillEmma eine gewisse Unzufriedenheit mit den Kunstwerken unserer anonymen Klokünstlerin, da diese ihre Hauptobjekte, die Toilettenrollenpapierpappkerne, vernachlässigt hatte. Zunächst schien dieser Trend anzuhalten, denn eines Tages fand ich das hier vor:

hingetupft

hingetupft

Natürlich, große Kunst auch dieses Toilettenpapier, sich spiegelnd im Porzellan des WC, hingetupft neben dem Klobürstenarrangement. Aber wie DillEmma treffend anmerkte: Die Interpretation liegt auf der Hand, selbst der weichhirnigste RTL-II-Zuschauer ist kaum gefordert, während sich bei den älteren Kunstwerken die größten Kunstkenner jahrelang den Kopf darüber zerbrachen, welche Interpretation nun die richtige sei.

Ich konnte nicht anders, ich musste es tun. So schrieb ich also ein zehnseitiges Essay, in dem ich der Künstlerin respektvoll unsere Gedanken näherbrachte, und deponierte mein Schriftwerk in den WC-Damenräumen. Was soll ich sagen? Es funktionierte! Ich darf zwei weitere Werke präsentieren, die an die Frühzeit ihres Schaffens erinnern!

mirfehlendieWorte

Wortraubend!

Ist das wunderschön? Ist das epochal? Wie der Toilettenpapierrollenpappkern sein weißes Kleid mit einer Eleganz trägt, die jede Catwalk-Lady blass vor Neid werden lässt! Den Pappkern bringt nichts aus der Ruhe! Diese stoische Gelassenheit! Diese Kunstinstallation ergibt nirgends so viel brillanten Sinn wie in den Toilettenräumen der Anstalt! Komme Tod oder Teufel, SAP oder Vorgesetzter, der Toilettenpapierrollenpappkern wirft dynamisch die Blätter um seinen Körper und signalisiert uns: Nicht mein Business! Seht zu, wie Ihr klarkommt!

Es gibt aber auch andere Kunstexperten, die in dieser Darstellung die Armut symbolisiert sehen! Hach, es ist wie in alten Zeiten, die Kunstwerke sagen quasi alles aus! Ich mag auch die Interpretation: “Caipi ist alle, und Toilettenpapier auch fast.” Viel dramatischer kann man Mängel nicht in einem Kunstwerk darstellen!

Noch eins, weil Sie so lange darben mussten, verehrte Kunstliebhaber:

Toilettenpapierrollenpappkernstriptease

Toilettenpapierrollenpappkernstriptease

Ich nenne dieses Werk “Toilettenpapierrollenpappkernstriptease”, denn wie Sie sehen, ist der Pappkern völlig nackt! Ist das noch erotisch oder schon Nacktheit in ihrer lautesten Form, bar jeder geheimnisvollen sexuellen Aussagekraft? Oder geht es auch hier nur darum, dass der Caipi alle ist? Interessant auch die These, dass hier das Reinheitsgesetz für Toilettenpapierrollenpappkerne thematisiert werden soll. Ein hochpolitisches Kunstwerk also! Eine Installation, die beim Betrachter sowohl ein Gefühl der Beklommenheit als auch der Euphorie auslöst (letzteres nur, falls der Caipi noch nicht alle ist).

Meine verehrten Kunstfreunde, ich glaube, wir sind uns zumindest einig, dass die anonyme WC-Künstlerin immer noch auf dem höchsten Hochplateau des künstlerischen Schaffens, welches kein anderer Künstler mit ihr teilen kann, wandert. Es war mir wie immer eine große Ehre, Ihnen diese atemberaubenden Werke präsentieren zu dürfen!

(Anmerkung für neue Leser: Diese Arrangements habe ich genauso vorgefunden, ich habe nichts verändert! Toilettenpapierrollenpappkerne in Abfallbehälter werfen kann jeder; Künstler verweigern sich dieser profanen Tätigkeit! Gerüchte, die besagen, dass ich die legendäre WC-Künstlerin sei, muss ich leider entschieden dementieren. Diese künstlerische Größe ist nicht meinem Hirn entsprungen.)

Die anonyme WC-Künstlerin ist wieder da!

Liebe kunstsinnige Leser,

viel zu lange habe ich den künstlerischen Aspekt in diesem Blog vernachlässigt. Hunderte oder auch gar keine Mails erreichten mich mit der brennenden Frage, was denn aus der berühmten WC-Künstlerin in der Anstalt des Wahnsinns geworden sei. Hat sie womöglich die Kunst an den berühmten Nagel gehängt? Mitnichten! Ich kann Sie da absolut beruhigen, die Frau ist nach wie vor bereit, der Welt unvergleichliche Kunstwerke zu schenken, und wie immer rette ich ihre Stillleben zumindest fotografisch für die Jetzt- und Nachwelt. Das bin ich der Menschheit als kunstverehrende Weltherrscherin einfach schuldig.

Das bevorzugte Stilmittel der Künstlerin besteht, wie Sie alle wissen, aus der Verwendung von Toilettenpapierrollenpappkernen, aber dass sie noch viel mehr kann, hat sie vor einiger Zeit bewiesen:

Knüddel With Love from WC

Knüddel With Love from WC

Welche Künstlerin sonst wäre in der Lage, mit einem Stück zerknüllten Toilettenpapier so viel Aussage zu treffen? Was möchte uns dieses Werk sagen? Man beachte zunächst die bemerkenswerte Platzierung zwischen Toilette und dem Abfallbehälter für Damenhygiene. Hier liegt viel Wahrheit verborgen. Die Künstlerin teilt uns mit: Seht her! Ich befinde mich in einem Damen-WC! Brillant. Unübertroffen! Natürlich habe ich Ihnen auch eine Nahaufnahme mitgebracht:

Knüddelnahaufnahme

Nahaufnahme!

Da liegt es, das kunstvoll zusammengeknüllte Papier, allein auf den kalten Kacheln im Damen-WC, und schreit der Welt entgegen: Hier liege ich, ich kann nicht anders, bis irgendwann die Reinigungsfachkraft kommen und mich hinwegheben wird aus diesem kachelirdischen Dasein!

So sieht es nämlich aus. Einsam- und Wehrlosigkeit, aufs Trefflichste symbolisiert mit nur einem Stück Toilettenpapier! Kunstfreunde, ich frage Sie: Wer sonst könnte das? Niemand! (Außer SUUUPER-Monster, aber sie hält sich vornehm zurück, weil sie niemandem die Schau stehlen möchte.)

Ich denke, dass Sie nun sehr ergriffen sind, und möchte Sie mit Ihrer Begeisterung einen Augenblick lang allein lassen, denn es gibt diese Momente im Leben, in denen man einfach tief in die Wunder dieser Welt versinken möchte und auch muss.

Das nächste Mal, so viel sei schon verraten, werden wir wieder die bereits legendären Toilettenpapierrollenpappkern-Installationen bewundern dürfen. Halten Sie jetzt schon die Luft an, vergessen aber bitte das Atmen nicht!

(Anmerkung: Es handelt sich hier um Arrangements, die ich genauso vorgefunden habe. Da wurde nichts verändert, das würde mein Kunstehrenkodex gar nicht erlauben!)

Kunst in der Anstalt (4)

Ihr kennt alle die anonyme, aber nichtsdestotrotz legendäre, WC-Künstlerin, zumindest, wenn Ihr nicht die letzten 200 Jahre unter einem Stein gelebt habt. (Sagt jetzt bloß nichts Gegenteiliges, denn damit würdet Ihr Euch als Kunstbanausen outen, und das kann ja keiner wollen, woll?)

Haltet Euch fest! Sie war wieder aktiv! Es war vor einigen Wochen in der Anstalt, doch ich kann Euch erst jetzt berichten, denn ich war tagelang vor Ergriffenheit nicht fähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Im Prinzip war also alles wie immer, obwohl mir gestern in der Anstalt gesagt wurde, dass ich einen klaren Geist habe! Meine Mitmonster meinen ja, dass ich mir auf dieses Urteil nichts einbilden solle, da in der Anstalt bekanntlich nur Irre und Bekloppte arbeiten, die auch einer schimmeligen Zitrone oder womöglich sogar Rösler einen klaren Geist attestieren würden. Nein! Soooo bekloppt sind die nicht!! Das mit der Zitrone kann ja sein, aber Rösler? Niemals! Aber zurück zum Fall.

Es war also vor einigen Wochen. Ich betrat den Ausstellungsraum (schnöde Gesellen sprechen von einem Damen-WC) und … und … Ihr glaubt es nicht! Diese Installation, dieses Arrangement … Vergesst alles, was Ihr jemals an Kunst gesehen habt!

Seid Ihr bereit für den Kunstgenuss des Jahrtausends?

Kunst!!!!!!!

Kunst!!!!!!!

Was sagt Ihr? Die Bürste, liebevoll auf dem Toilettendeckel drapiert, und dann die Toilettenpapierrolle, die von ihrem erhöhten Standpunkt aus zu sagen scheint: “Hey, Süße!” Oder vielleicht auch: “Werte Bürste, glauben Sie, wir denken, weil wir sind, oder wir sind, weil wir bürsten?” Leider hat die unbekannte Großkünstlerin, wie es so ihre Art ist, keine Interpretation ihres Werkes mitgeliefert, aber welcher gigantische Künstler tut das schon?

Nahaufnahme!

Größte Kunst, die die Welt jemals sah!!!!!!

Ergreifend, nicht wahr? Dieser Faltenwurf! Die Toilettenapierrollendiva wirft ihren Tissueschal graziös um ihren Toilettenpapierrollenpappkernkörper! Diese Eleganz! Die Geschichte der Toilettenpapierrollentissueschals muss neu geschrieben werden!

Noch eine Nahaufnahme! Ihr habt es Euch verdient!

Ist das Kunst oder kann ich hier mal auf Klo?

Die Königin der Klobürsten! Seht Ihr es auch? Sie thront majestätisch auf ihrem Sitz, jederzeit bereit, widerborstigen Untertanen die krausen Gedanken aus dem Hirn zu bürsten! Ich nenne das Werk “Diva und Königin”!

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber mit jedem Exponat gelingt es der Künstlerin meiner Ansicht nach, nie gekannte Höhen der Kunst zu erklimmen. Ach, was heißt “erklimmen”? Die Werke strahlen eine Leichtigkeit aus, als hätte die Künstlerin sie mal so eben locker aus dem Handgelenk angeordnet, geradezu hingetupft. Als sei es das Einfachste der Welt, und doch! Wer von uns wäre dazu in der Lage?

Kinners, nach dem Betrachten dieser Bilder braucht Ihr 20 Jahre nicht mehr in Kunstausstellungen zu rennen oder künstlerisch wertvolle Filme von Ingmar Bergman anzuschauen. Ihr seid jetzt mit einer Überdosis Weltklasse-Kunst versorgt!

Und ich erwarte Dankbarkeit, dass ich dieses Meisterwerk fotografisch für die aktuelle, aber auch die Nachwelt festgehalten habe, denn wie das so ist: Ich selbst habe natürlich sofort die Toilette verlassen, ohne etwas anzufassen, denn das tut man nicht! Patschehände haben an Kunstobjekten nix zu suchen! Aber schon einige Stunden später, als ich zwecks weiterer Erbauung dieses Szenario nochmals staunend bewundern wollte, war es zerstört. Oh, wahnsinnige Irre! Die Bürste stand neben dem WC, und die Toilettenpapierrolle war weg. Aufgebraucht, wegkonsumiert, zerstört. Kunstfreunde waten durch ein Tal der Tränen und treffen dabei auf FDP-”Spitzen”-Politiker… Menschen liegen sich weinend in den Armen, schon vor der Wahl in NRW, Deutschland, einig Jammertal!

(Anmerkung: Es handelt sich hierbei um Situationen, die ich tatsächlich so in der Anstalt vorfinde. Daran ist nichts fingiert.)

Kunst in der Anstalt (3)

Lange schon gab es keine Kunst mehr im Blog. Das ist ein unhaltbarer Zustand, meine lieben Freunde. Daher präsentiere ich Euch heute gleich mehrere Kunstwerke, alle stammen sie von unserer verehrten, geliebten, ja vergötterten anonymen WC-Künstlerin! Ja, sie verwöhnte uns in den letzten Wochen!

(Hinweis für neue Leser: Ich habe keinen an der Waffel!!! *dem Pfleger die Tabletten aus der Hand schlag* Tschuldigung, war kurz abgelenkt. Es handelt sich hier um Objekte, die ich genauso in der Damen-Toilette der Anstalt vorgefunden habe. Da ist nichts gestellt. Meine Pflicht als Hüterin der Kunstschätze dieser Erde ist es, diese Meisterwerke fotografisch festzuhalten, denn übereifrige Putzfrauen sorgen dafür, dass diese Meilensteine der Menschheitsgeschichte nicht lange existieren …)

Zunächst einmal dieses Meisterwerk:

Ausstellungsobjekt ohne Namen 1

Zunächst, meine werten Kunstfreunde, muss ich gestehen, dass ich ratlos vor diesem Werk stand. Es schien mir wie ein Rückschritt. Wir erinnern uns? Hier ihr Kunstwerk, welches durch ausladende, wogende Formen selbst den letzten Kunstbanausen in Entzücken, Ekstase, wilde Raserei versetzte! Und nun dies. Wirkt es nicht zunächst blass gegenüber dem Vorgängerobjekt?

Doch ich sage Euch, meine geschätzten Kenner der Klokunst: Gerade das ist es! Neue Schlichtheit. Weg vom wallenden, wogenden, wiegenden wahnsinnigen, ausufernden Papierskulpturen! Hin zu einer neuen Naivität, die in ihrer Einfachheit ergründet werden will! Nicht erschlagen werden wir hier von den Reizen einer mit bombastischen Effekten um sich werfenden Kunst, sondern nach Nähe und verändertem Blickwinkel verlangt dieses Meisterwerk! Legen Sie doch einfach mal den Kopf schief und Sie werden folgendes sehen:

Ausstellungsobjekt ohne Namen 1, aus anderem Blickwinkel betrachtet

Meine Damen, meine Herren, liebe Monster! Sehen Sie es auch? Eine leicht veränderte Kopfhaltung, einmal die Hirnzellen etwas durchgeschüttelt, und schon tun sich neue Dimensionen vor unseren Augen auf! Das kann nur eine Künstlerin von Weltrang!

Kurze Zeit später: Die Künstlerin scheint eine höchst aktive und kreative Phase zu haben, uns Kunstliebhaber freut es mehr als eine aus dem Bundestag fliegende FDP. Man verzeihe mir das Abgleiten in profane Politik angesichts dieser Kunstgenüsse!

Bitte halten Sie den Atem an, aber vergessen das Atmen nicht!

Ausstellungsobjekt ohne Namen 2

Sehen Sie es??? Schlicht und schön steht er da, der Toilettenpapierrollenpappkern. Wie dieses Grau mit den anderen Farbschattierungen, zum Beispiel dem Silber des Toilettenrollenpapierhalters, aber auch den weißen Wänden, spielt, das allein ist schon eine Kunstklasse für sich! Und doch, aufmerksames Publikum, ist das selbstverständlich noch nicht die Spitze der Toilettenrollenpappkernskulpturkunst. Die Künstlerin bietet uns nun auch noch Lichtmalerei! Wir werden verwöhnt, wie wir es eigentlich nicht verdient haben, und doch lassen Sie uns so unverschämt sein und diese Kunst einige Minuten lang auf uns einwirken und genießen!

Ausstellungsobjekt ohne Namen 2, lichtkünstlerisch betrachtet

Sehen Sie es? Symbolisch haben wir uns zu Höhen aufgeschwungen, die eigentlich nur der Künstlerin selbst zustehen sollten, und doch dürfen wir von oben herab in das Kunstwerk blicken und sehen — ja, was? ALLES! Das Universum und alles, was noch so drumherum ist! Einschließlich des Toilettenpapierrollenhalterknaufes zum Herunterdrücken einer Toilettenpapierrolle! Weniger darf es nicht sein, wenn man den Anspruch dieser wundervollen Künstlerin hat!

Und als ob damit nicht schon unsere Aufnahmekapazität für die epochalste Kunst, die je auf Erden gezeugt und gezeigt wurde, erschöpft wäre, setzte die Künstlerin nur wenige Tage später einen weiteren Meilenstein ins Klo, und das dürfen wir wörtlich nehmen, meine kunstsinnigen Leser:

Ausstellungsobjekt ohne Namen 3

Diese Symbiose zwischen Tissue, Wasser und Porzellan! Unvergleichlich! Eine Ehe, die nicht im Himmel, sondern überall geschlossen wurde, denn symbolisiert die Toilettenschüssel nicht sämtliche Meere dieser Welt?! Diese Kühnheit! Dieses Muster der Verwegenheit! Ich sehe hier einen Trend: Wieder weg von der Schlichtheit, zurück zum großen, allumfassenden Wurf! Was meinen Sie, wissende Kunstkenner?

Ich muss nun einige Stunden ruhen. Dieser Kunstgenuss auf beinahe übermenschlichem Niveau forderte seinen Tribut, und doch hätte ich um nichts auf der Welt auf diese einzigartigen Erfahrungen verzichten mögen. Darum möchte ich der unbekannten Künstlerin sagen:

DANKE, DASS ICH DABEI SEIN DURFTE!

Kunst in der Anstalt (2)

Lange schon habe ich Euch kein Kunstwerk aus der Anstalt präsentiert. Zu lange, denn dürstet es uns nicht alle nach Hochkultur?

Dankenswerterweise präsentierte die unbekannte Damen-WC-Künstlerin, die schon mehrmals für Meilensteine in der Kunst verantwortlich zeichnete, vor kurzem endlich ein neues Meisterwerk! (Es kann natürlich auch sein, dass es sich um einen Mann handelt. Ein mutiger Kerl, der sich heimlich auf die Damentoilette schleicht, um die Frauen dieser Welt mit Kunst zu erfreuen. Weiß man’s?)

Meine Damen und Herren, hochverehrte Kunstliebhaber! Sehen und staunen Sie! Ich bin der Meinung, dass die Künstlerin eine neue Stufe ihrer Könnens erklommen hat! Selten war ein Werk so anmutig wie dieses!

Kunst! Beuys war ein Nichts gegen diese Künstlerin!

Tissuepapier auf weißem Kunststofftoilettenpapierrollenhalter, frühes 21. Jahrhundert

Liebe Kunstfreunde, ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir fehlen vor Ergriffenheit beinahe die Worte! Wie sich das Tissuepapier anmutig um den Kunststofftoilettenpapierrollenhalter schmiegt, das hat schon beinahe etwas… ja, lassen Sie mich so verwegen interpretieren: etwas erotisches! Meinen Sie nicht auch? Aber auch der Aspekt des Behütens kommt nicht zu kurz. Sehen Sie nur, wie sich das Papier um den Knopf zum Toilettenpapierrollenherunterdrücken drapiert, so dass der Betrachter diesen nicht mehr sehen kann. Ein Hauch von Christo weht durch die Damen-Toilette! Herrschaften, teilen Sie meine Meinung, dass diese unbekannte Künstlerin dem Gipfel ihres Schaffens nah sein muss? Dieses Kunstwerk atmet auf so vielen Ebenen Symbolik, dass ich sprachlos vor Entzücken bin!

Mitteilung an das Management des MoMa: Nein, Kollegen, ich weiß wirklich nicht, wer diese wunderbare Künstlerin ist! Ich würde Ihnen gern helfen, eine Ausstellung zu organisieren, allein, es soll nicht sein. Ich rufe hiermit die Künstlerin, die vielleicht sogar ein tapferer Mann sein könnte, auf, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren! Seien Sie mutig! Die Welt hat ein Recht zu erfahren, wer Sie sind! Vor allem aber: Schaffen Sie Kunstwerke! Schaffen Sie mehr Kunstwerke! Sie sind bereits jetzt eine Legende, doch um wie viel ärmer wäre die Kunstwelt ohne weitere Exemplare Ihrer Kunst?

(Anmerkung der kunstsinnigen Schreiberin dieses Blogs: Es handelt sich bei dieser Serie um Werke, die ich wirklich genauso entdeckte und ablichtete, damit sie der Nachwelt erhalten bleiben, denn böse Putzfrauen vernichten regelmäßig diese wunderbaren Exponate! Wo ist der Gesetzgeber? Jedenfalls wurde daran nichts von mir verändert oder womöglich gestellt! Einiges aus dieser Reihe findet sich übrigens im alten Blog. Dieses nur als Hinweis für neue Freunde der Kunst.)

Kunst in der Anstalt (1)

Die meisten von Euch kennen diese epochale Kunstserie noch aus meinem alten Blog. Es geht darum, unbekannte Künstler, die in der Anstalt, in der zu arbeiten ich die helle Freude habe, zu würdigen. Stillleben werden dem Vergessen entrissen, indem ich sie künstlerisch hochwertig für die Jetzt- und Nachwelt festhalte. Heute: Eine leere Zigarettenschachtel, künstlerisch wertvoll auf einem Heizkörper drapiert!

Was will uns der oder die Künstler(in) bloß sagen? Völlig klar! Die Kälte einer leeren Zigarettenschachtel (der Ofen und die letzte Zigarette sind aus) wird hier aufs Vorzüglichste mit der Heizungswärme kontrastiert. Es gibt keine Leerheit im Falschen, solange nur die Wärme puschelig durch das Treppenhaus wabert. Allein dieser Mut, die Schachtel nicht einfach zum nächsten Mülleimer zu schleppen, sondern künstlerisch brillant auf die Heizung zu legen! Warum müssen solche Menschen in der Anstalt ihr Brot verdienen, anstatt eine Ausstellung im MoMa zu bekommen? Das Leben ist so ungerecht!

Mit diesem Kunstgenuss allererster Güte kann ich Euch nun beruhigt ins Bett schicken. Ich muss hier noch mit den Monstern ausdiskutieren, dass ich sie nicht alle auf einmal mit in die Anstalt nehmen kann. Seitdem sie dieses Foto sahen, sind sie wild danach, mich in das Etablissement der Irren zu begleiten. Das kann ja lustig werden! Ich ahne Dramen, wenn ich die Monster auf SAP loslasse…