Verlassene Flaschen # 5



Herbst. Verlassene Flaschen suchen sich eine Liegestatt am Wegesrand, lassen sich nieder, schnippen Kippen auf den Boden und rezitieren Rilke:

 

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

(Jeden Freitag zeige ich Fotos von verlassenen Flaschen. Außer an den Freitagen, an denen ich keine Fotos von verlassenen Flaschen zeige. Wer auch eine verlassene Flasche an einem Freitag zeigen möchte, kann seinen Beitrag gern hierher verlinken, damit ich spüre, nicht die Einzige zu sein, die verlassene Flaschen an einem Freitag zeigt.)

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