Verlassene Flaschen # 6

Fläschchen, Du sprichst mir aus der Seele. So kaputt wie Du fühle ich mich heute auch.

Aber diese viele Raucherei, nee, nee, das ist dann doch nicht meine Schwäche, bei mir ist es Schokolade. Auch nicht soooo viel besser.

Ich bin gar nicht großartig ins Gespräch mit der Flasche gegangen. Manchmal will man einfach nur seine Ruhe haben. Ich verstehe das sehr gut. Nach einem beschissenen Tag in der Anstalt sowieso.

Schönes Wochenende.

(Ab und zu freitags posten wir Fotos von verlassenen Flaschen. Zumindest ich. Eine muss es ja tun.)

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Verlassene Flaschen # 5



Herbst. Verlassene Flaschen suchen sich eine Liegestatt am Wegesrand, lassen sich nieder, schnippen Kippen auf den Boden und rezitieren Rilke:

 

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

(Jeden Freitag zeige ich Fotos von verlassenen Flaschen. Außer an den Freitagen, an denen ich keine Fotos von verlassenen Flaschen zeige. Wer auch eine verlassene Flasche an einem Freitag zeigen möchte, kann seinen Beitrag gern hierher verlinken, damit ich spüre, nicht die Einzige zu sein, die verlassene Flaschen an einem Freitag zeigt.)

Verlassene Flaschen # 4

Ihr kennt diese Blogaktion? Jeden Freitag poste ich verlassene Flaschen — außer an den Freitagen, an denen ich keine Lust … ähm … an denen der Mond ungünstig steht (in Absprache mit meinem sprechenden Mondkalender).

Wer Lust hat, kann ganz einfach mitmachen: Blogartikel mit verlassenen Flaschen posten und hierunter verlinken. Die verlassenen Flaschen brauchen mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung!

Heute Morgen irgendwo in Bergedorf:

Ich: „Hey, Mate-Mate, was geht? Seid Ihr Zwillinge?“

Flasche links: „Ja. Sogar einflaschige!“

Ich: „Das ist ja cool. Aber die ganzen Kippen! Habt Ihr die alle geraucht?“

Flasche rechts: „Ja, die Hälfte ich, die Hälfte meine Schwester.“

Ich: „Das Bundesgesundheitsministerium warnt: Rauchen …“

Flasche links: „Schnauze! Von Politik haben wir so was von den Flaschenhals voll …“

Flasche rechts: „Ich hab sooooo einen Flaschenhals!“

Ich: „Warum das denn?“

Flasche links: „Dieser Wahlkampf, überall die nervigen Plakate, wir stürzen uns nun in den Müll!“

Ich: „Aber Sonntag ist die Wahl und dann ist der Wahlkampf erst mal vorbei.“

Flasche links: „Wir haben es so dicke! Neulich mitbekommen, wie jemand die AfDeppen als Flaschen bezeichnet hat?“

Ich: „Das ist ja eine Beleidigung …“

Flasche rechts: „Allerdings. So hat uns Flaschen noch nicht mal der Trapattoni damals beleidigt!“

Ich: „Ja, schon …“

Flasche links: „Leider dürfen wir Flaschen nicht wählen! Wir wissen nämlich, dass es dumm ist, wenn man mit einem Misthaufen unzufrieden ist, einen noch viel größeren Misthaufen zu wählen!“

Flasche rechts: „Was ist der Unterschied zwischen einem AfD-Spitzenpolitiker und einer leeren Flasche?“

Ich: „Dass es keine AfD-Spitzenpolitiker gibt?“

Flasche rechts: „Eine leere Flasche hat mehr im Kopf!“

Ich: „Alles klar. Ich muss dann jetzt mal zur Arbeit.“

Und immer dran denken: Wer die schlechte Angie-Politik durch noch viel schlechtere Politik ersetzen möchte, wählt die AfD. Alle anderen wissen:

Und Scheiße riecht man, wählt man aber nicht.

Nachti, nachti, schönes Wochenende.

Und wenn jetzt irgendjemand auf die Idee kommt, mir vorzuwerfen, dass das doch keine seriöse Auseinandersetzung mit der AfD ist: Glückwunsch, sehr gut erkannt! Hab ich auch keinen Bock mehr drauf, ganz ehrlich. Ich habe in den letzten Wochen einige sachliche Diskussionen geführt (ja, das kann ich durchaus!), besser gesagt, versucht zu führen, die ausnahmslos so abliefen: Entweder schon nach meinen ersten Argumenten Schweigen/Diskussionsabbruch oder „Du Gutmensch-Blabla“ oder wilde Verschwörungstheorien. Schönen Dank, wenn die Führer dieser Simpeldenker in den Bundestag einziehen. Ich hoffe zumindest, dass sie nicht die drittstärkste Kraft werden. Also, bitte geht wählen! Die AfD-Anhänger tun es auch.

Verlassene Flaschen # 3

 

Die Sterne stehen günstig, mal wieder hierzu einen Bericht abzuliefern, sagt mein sprechender Mondkalender:

Neulich in Bergedorf auf der berühmten Fischtreppe.

„He, Sie, geht es Ihnen nicht gut? Sie sind ja ganz grün im … ähm … Gesicht?!“

„Das können Sie laut brüllen! Mir ist speiübel! Mein Arzt hat mir eine Kneippkur verordnet, ich hatte aber Kneipentour verstanden!“

„Kenn ich, passiert mir auch andauernd. Na ja, ist ja beides mit viel Flüssigkeit, passt schon. Gute Besserung!“

In diesem Sinne schönes Wochenende und übertreibt es nicht mit irgendwelchen Touren.

Verlassene Flaschen # 2

Kinners, neulich bot sich mir ein erschütterndes Bild. Ich sah schon von weitem den von der Polizei mit dem klassischen Flatterband abgesperrten Tatort:

Da die Bergedorfer Polizei sämtliches mit „Polizei“ bedruckte Band für den G20-Gipfel aufbewahren musste, griffen sie auf eine Alternative zurück:

Wasserleitung? Nein, viel schlimmer, eine verlassene Flasche!

Zum Glück war sie ansprechbar, so dass ich ein Protokoll aufnehmen konnte.

Flasche: „Mit Erdbeerperlwein haben die Schweine mich abgefüllt! Danach konnte ich mich an nichts mehr erinnern! Ich vertrage keine Erdbeeren!“

Ich: „Können Sie sich daran erinnern, wie die Abfüller aussahen? Wie viele waren es? Wie alt waren sie? Was hatten sie an?“

Flasche: „Es waren mehrere Frauen! Sie brüllten was von Junggesellinnenabschied! Danach war Filmriss bei mir!“

Ich: „Okay, das reicht. Zumindest eine der Personen ist eh genug gestraft, wenn die demnächst heiraten wird. Außerdem muss ich eine Welt erobern. Sonnen Sie sich einfach noch ein bisschen, Wetter ist so schön. Ich muss weg.“

(Ganz ehrlich, ich lege mich doch nicht mit einer Horde Junggesellinnenabschiedsfeierbiesterinnen an. Bin ich lebensmüde oder was?)

In diesem Sinne schönes Wochenende! Ich selbst mache ganz viele Kreuze, wenn dieser furchtbare G20-Gipfel endlich vorbei ist. Was hier in Hamburg los ist, habt Ihr ja vermutlich alle mitbekommen. Ich hoffe, dass es zumindest keine Toten geben wird. Diese „Schwarzen-Block“-Aktivisten sorgen jedenfalls dafür, dass die wichtigen Anliegen der friedlichen Demonstranten kaum Beachtung finden. 😦 Diese Zerstörungswut und Gewalt ist kein Kampf für eine bessere Welt, sondern einfach Scheiße.

 

Verlassene Flaschen # 1

 

Verehrte Verehrende des bekloppten Blogwahnsinns, es wird wieder mal Zeit für eine etwas andere Blogaktion. Fotomaterial für diese Serie sammele ich schon seit Jahren.

Worum geht es überhaupt? Erinnert Ihr Euch noch an das Blog von Owyanna? Leider existiert es nicht mehr; leise hat es sich aus der Blogwelt zurückgezogen. Besagte Owyanna hatte eine extrem epochale Serie: Schirmleichen. Sie bekam Fotos von Schirmleichen geschickt und knipste natürlich auch selbst welche.

So etwas wollte ich auch. Ich trommelte also mein Kreativteam zusammen, welches nach wochenlanger Überlegung mit folgender Idee auf mich zukam:

„Fotografiere doch Schirmleichen und blogge darüber.“

Arrrgh. Wenn man sich nicht alles selbst ausdenkt! Ich überlegte also hin und her, letztendlich kamen zwei Themenkomplexe ins Finale:

  • Zerknüllte Zigarettenpackungen
  • Verlassene Flaschen

Zigarettenpackungen sind doof, vor allem, seitdem diese hässlichen Bilder drauf sind. Also kümmern wir uns um ein vernachlässigtes und doch brisantes Problem: Verlassene Flaschen.

Dann galt es noch, den Projektrahmen festzulegen. Wann sollte ich bloggen? Mein sprechender Mondkalender empfahl folgendes:

„Die Sterne stehen günstig, wenn sich das Sternbild Jungfrau in Kombination mit dem Sonne-Mond-und-Sterne-Aszendent im Ersten Haus befindet und an der Sternenbar einen Caipi trinkt, während der Vollmond alles überstrahlt.“

Ja, gut, kann man machen. Auf die Frage, wann und wie oft diese Konstellation eintrifft, erklärte mir der Kalender: „Alle 24 Millionen Jahre, 5 Monate und 3 Tage, das nächste Mal am 23.08.2315.“

Das ist doch Mist, ich bin zwar blogfaul, aber so schlimm ist es nun auch wieder nicht.

Ich entscheide also Kraft meines Amtes als künftige Weltherrscherin: Freitags werden verlassene Flaschen gezeigt. Aber nur, wenn ich an dem Freitag gerade Lust habe. Sonst nicht.

Und wer auch Lust hat, das bemitleidenswerte Leben verlassener Flaschen in die Öffentlichkeit zu bringen, kann das natürlich gern tun und sich unter dem jeweiligen Beitrag verlinken. Ich würde mich über diesen Akt der Solidarität mit verlassenen Flaschen sehr freuen.

Es gibt sogar eines meiner berühmt-berüchtigten Logos:

Das Projekt wird sich vor allem dadurch auszeichnen, dass ich schlechte Handyfotos präsentieren werde. Außerdem habe ich fast immer mit den Flaschen gesprochen, denn 100 Worte sagen mehr als ein unscharfes Handybild.

Lasst uns mit diesen glasigen Genossen starten:

Ich fand sie irgendwo,
allein an einer Bushaltestelle…

Ich: „Hey, Mädels, was geeeeeht? Wartet Ihr auf den Bus?“
Flasche 50: „Lass uns bloß in Ruhe! Ich bin gerade 50 geworden, ich fühle mich wie ausgeleert!“
Flasche Weiß-blau: „Was soll ich denn erst sagen? Ich bin über … Nein, darüber spreche ich nicht.“
Ich: „Steht ja auf Deinem Etikett. Meine Güte, ganz schön alt. Dafür hast Du Dich gut gehalten!“
Flasche 50: „Sämtliche Partygäste haben uns zurückgelassen. Diese … diese … Monster!“
Ich: „Nix gegen Monster, bitte. Da kommt der Bus, wollt Ihr nicht einsteigen?“

An dieser Stelle drehten sich die Flaschen schmollend weg. Ich stieg ein, und als ich Stunden später wiederkam, waren die beiden alten Flaschen nicht mehr da. Allein auf der Party zurückgelassen, ein Drama, das schändlicherweise bisher im Verborgenen geblieben war.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!